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Senkt Vitamin D das Parkinson-Risiko?
Geschrieben am 16. Juli 2010 Keine KommentareDas “Sonnen-Vitamin” D schützt womöglich vor der Parkinson-Krankheit, so das Ergebnis einer Studie, die finnische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht haben. Die Forscher um Paul Knekt vom Nationalen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt hatten in den Jahren 1978 bis 1980 bei 3000 Freiwilligen Blutproben genommen und die Versuchsteilnehmer anschließend bis zu 30 Jahre lang beobachtet. Dabei stellte man fest, dass die Parkinson-Krankheit in der Gruppe mit den geringsten Vitamin D-Mengen im Blut etwa drei Mal häufiger häufiger aufgetreten war als bei der Gruppe mit den höchsten Vitamin D-Werten.
Manche Experten spekulieren, dass Vitamin D jene Hirnzellen schützen könnte, deren Niedergang bei der Parkinson-Krankheit das Zittern und die Bewegungsstörungen der Patienten verursacht. Bewiesen ist dieser Zusammenhang allerdings keineswegs, und in einem Kommentar warnte Marian Leslie Evatt von der Emory University auch vor voreiligen Schlüssen. Sie bezweifele, ob sich die Befunde der finnischen Studie auch auf die Bevölkerung anderer Länder übertragen lassen, schrieb die Neurologieprofessorin.
Im Gegensatz etwa zu Deutschland leiden in nördlichen Breiten viele Menschen an einer Unterversorgung mit Vitamin D. Und wenn man nun überall anfänge, etwa durch Vitaminpillen die Versorgung zu “verbessern”, könne dies auch negative Folgen haben. Zumindest aus Tierversuchen gäbe es nämlich auch klare Hinweise, dass eine Überversorgung mit Vitamin D schädlich sein kann, so Evatt.
Den Großteil des Vitamin D stellt der menschliche Körper in der Haut her, wenn diese mit der Sonne ausreichend UV-Strahlen abbekommt. Weitere Quellen des Vitamins sind Fettfische wie Heringe und Sardinen, Lachse, Aale oder Karpfen; aber auch Milch und Getreideprodukte.
Quellen:
- Knekt P. et al. Serum vitamin d and the risk of Parkinson disease. Arch of Neurol 2010 Jul; 67(7): 808-811
- Evatt ML. Beyond vitamin status: is there a role for vitamin d in Parkinson disease? Arch Neurol 2010 Jul;67(7):795-7
Weitere Informationen:
- Im Medizinerjargon und eher skeptisch berichtet das Deutsche Ärzteblatt zusätzlich über eine Studie in der italienischen Region Chianti, wonach erniedrigte Vitamin D-Werte auch mit einem beschleunigten geistigen Verfall im Alter zusammen hängen.
- Alle Artikel über Parkinson bei Simmformation v7
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Zweifaches Übel: Depressionen fördern Alzheimer
Geschrieben am 5. Juli 2010 Keine KommentareDie Frage, ob Depressionen das Risiko für die Alzheimer-Krankheit erhöhen, haben US-amerikanische Forscher jetzt eindeutig mit “Ja” beantwortet. Wie der Neuropsychologe Robert S. Wilson und sein Team vom Medizinischen Zentrum der Rush University in der Fachzeitschrift Neurology berichten, hat man die Klärung der Streitfrage vor allem 357 älteren Einwohnern des Stadtteils South Side in Chicago zu verdanken. Sie hatten an einer Langzeitstudie teilgenommen – dem Chicago Health and Aging Project – deren wichtigstes Ziel es ist, Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit dingfest zu machen.
Die 357 Senioren waren ausgewählt worden, weil sie alle an Alzheimer erkrankt waren. Ein erster Blick auf die Daten bestätigte dabei, dass in dieser Gruppe etwa doppelt so viele Menschen an Depressionen litten, wie bei einer Vergleichsgruppe von Senioren, die nicht an Alzheimer erkrankt waren. Allerdings konnten die Forscher auch zeigen, dass die Häufigkeit von Depressionen unter den späteren Alzheimer-Patienten über den gesamten Studienzeitraum fast unverändert geblieben war. “Das legt nahe, dass Depressionen ein echter Risikofaktor für die Alzheimer-Erkrankung sind”, so Wilson. “Wenn Depressionen nämlich nur ein frühes Zeichen der Alzheimer-Krankheit wären, dann hätte sich die Häufigkeit der Depressionen mit dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit erhöhen müssen”, erklärte der Wissenschaftler.
Wilson zieht aus seiner Studie die Lehre, dass Depressionen eben nicht als ein unvermeidlicher Bestandteil der Alzheimer-Krankheit betrachtet werden sollten. “Wenn aber ein Alzheimer-Patient Depresionen hat, sollten dies auch behandelt werden.” Für die Forscher der Rush University sind damit noch längst nicht alle Fragen beantwortet. Als nächstes wolle man klären, warum Depressionen das Alzheimer-Risiko erhöhen. Denkbar sind mehrere Ursachen. Zum einen haben Neurowissenschaftler bereits vor mehreren Jahren beobachtet, dass Depressionen zum Zellverlust in bestimmten Hirnregionen führen. Besonders stark betroffen ist davon der Hippocampus, eine Struktur die für das Abspeichern von Gedächtnisinhalten von zentraler Bedeutung ist. Möglich ist es aber auch, dass depressive Menschen deshalb häufiger an Alzheimer erkranken, weil sie weniger soziale Kontakte haben. Ein großer Freundes- und Bekanntenkreis und die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben haben sich nämlich in jüngster Zeit als mögliche Schutzfaktoren erwiesen, die das Risiko für den Gedächtnisschwund verringern könnten.
Quellen:
- die zitierte Studie war bei online-Stellung dieses Textes noch nicht öffentlich zugänglich. Am besten, Sie suchen in der Fachzeitschrift Neurology nach dem Autor Robert S. Wilson.
- Bienias JL et al. Design of the Chicago Health and Aging Project (CHAP). J Alzheimers Dis. 2003 Oct;5(5):349-55.
Weitere Informationen:
- Die Deutsche-Senioren-Liga erklärt, warum Alzheimer und Depressionen oft nur schwer zu unterscheiden sind.
- Bei Lifeline.de fand ich einen nützlichen Artikel über die Begleiterkrankungen bei Alzheimer und wie man sie behandelt.
- Alle Artikel zum Thema Alzheimer bei Simmformation
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Warum wir immer die Falschen wählen
Geschrieben am 16. Juni 2010 1 KommentarZweifel an unserem Wahlsystem habe ich nicht erst seit Merkel & Co sich mit immer neuen Gesetzen über den Willen des Volkes hinwegsetzen. Oder bevorzugen Sie etwa Christian Wulff als Bundespräsident gegenüber Joachim Gauck? Hätten Sie für die Griechenlandhilfe gestimmt? Waren Sie für eine “Transferunion”, bei der Deutschland mit mindestens 175 Milliarden für andere Euro-Länder haftet? Wollten Sie die “notleidenden Banken” retten, und haben Sie ihre D-Mark freiwillig gegen den Euro eingetauscht? Und wie kommt es eigentlich, dass ein ums andere Mal Politiker gewählt werden, die offensichtlich inkompetent sind und die immer wieder damit durchkommen, uns frech zu belügen?
Nun, zumindest auf die letzte Frage haben Wissenschaftler des University College London und der Universität Princeton (USA) eine überzeugende Antwort gefunden: Wir sind selbst schuld. Die meisten Wähler vergeben ihre Stimmen nämlich nicht etwa nach gründlicher Überlegung an diejenigen mit den besten Argumenten. Entschieden wird vielmehr anhand von Oberflächlichkeiten – etwa weil der scheinbar entschlossene Gesichtsausdruck des einen Kandidaten gefällt, die nachdenkliche Mimik des Konkurrenten aber nicht.
“Wähler beurteilen die Kompetenz von Politikern anhand von deren Gesichtsausdrücken und aufgrund dieser, auf Äußerlichkeiten basierenden Urteile kann man sowohl das Wahlverhalten des Einzelnen als auch den Ausgang der Wahl insgesamt vorhersagen”, heißt es in einer Pressemitteilung des Springer-Fachverlages, bei dem Dr. Christopher Olivola
und Professor Alexander Todorov ihre Untersuchung veröffentlicht haben. Die Erklärung für dieses unselige Verhalten lautet: Weil das Gehirn eine ganze Flut von Informationen über die Kandidaten verarbeiten müsste, um zu einer gut fundierten Entscheidung zu kommen, sei es keine Überraschung, dass die Wähler “geistige Abkürzungen” nehmen. Heraus gefunden haben Olivola und Todorov dies mit einer interessanten Kombination aus Literaturstudium und Computersimulation. Erst haben die beiden Psychologen jene Gesichtsausdrücke identifiziert, die gemäß früheren Studien bei den meisten Menschen den Eindruck von Kompetenz erwecken. Dann manipulierten sie mit dem Computer diese Gesichtsausdrücke und ermitteln die Reaktionen ihrer freiwilligen Versuchspersonen. Heraus kam, dass der Anschein von Reife einerseits und körperliche Attraktivität andererseits die beiden wichtigsten Merkmale waren, aufgrund derer die Studienteilnehmer jemanden für kompetent hielten.“Es wird keine leichte Aufgabe, die Menschen dazu zu bewegen, diese Macht des ersten Eindrucks zu überwinden”, fürchten Olivola und Todorov. Wegen der Schnelligkeit und dem Automatismus, mit dem Schlussfolgerungen aufgrund von Oberflächlichkeiten getroffen werden, seien diese Urteile nur schwer zu korrigieren. “Noch dazu ist es den Leuten oft nicht einmal bewusst, dass sie ihre Urteile anhand des Aussehens der Anderen treffen.” Ein Patentrezept haben die beiden Forscher deshalb nicht zu bieten. “Den Einfluss des Fernsehens und anderer Medien zu kontrollieren wäre wohl extrem schwierig. Den Wählern eine bessere Bildung zukommen zu lassen wäre wahrscheinlich die bessere Strategie”, spekulieren die beiden Wissenschaftler.
Quelle:
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Mit dunkler Schokolade gegen den Schlaganfall?
Geschrieben am 31. März 2010 1 KommentarAls Schokoladen-Fan freue ich mich über die folgende Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Postdam-Rehbrücke. Wenn es stimmt, was dessen Wissenschaftler in einer großen Studie mit 20000 Teilnehmern heraus gefunden haben, dann ist ein tägliches kleines Stück (rezeptfreier) dunkler Schokolade ähnlich wirksam zur Senkung des Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risikos, wie die besten Medikamente, die es derzeit gegen Herzkreislauferkrankungen gibt. Natürlich ist dies kein seriöser Vergleich, und mancher Kollege wird mich deshalb vielleicht schelten, denn untersucht wurden im ersten Fall die Ernährungsgewohnheiten gesunder Männer, während die Medikamente ja in der Regel nur besonders gefährdeten Personen verschrieben werden. Aber interessant wäre es doch, so eine Vergleichsstudie von Statinen gegen Schokolade und ich würde mich dafür sogar freiwillig melden…
Langzeitstudie: Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken
Der tägliche Verzehr von einem kleinen Stück Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, insbesondere für Schlaganfall. Dabei ist der Effekt zum Teil auf eine blutdrucksenkende Wirkung der Schokolade zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), nachdem es die Daten einer großen Langzeitstudie mit circa 20000 Teilnehmern ausgewertet hatte.

Mmmm - dunkle Schokolade. Und gesund ist sie auch noch, denn sieben Gramm am Tag senken den Blutdruck senken und verringern dadurch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle (Foto: Wikipedia)
Der in dunkler Schokolade enthaltene Kakao enthält viele Flavanole, die sich günstig auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck auswirken. Dies haben in den letzten Jahren verschiedene klinische Kurzzeitstudien belegen können. Ergebnisse aus Langzeitstudien gab es aber kaum. Für die DIfE-Forscher war dies der Grund, den Sachverhalt mit Hilfe der Potsdamer Epic-Studiendaten zu überprüfen und mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung zu bringen. Die Epic-Studie ist ein europaweites Projekt, das die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. Insgesamt hat Epic 519000 Teilnehmer, deren Daten von 23 Zentren in zehn Ländern erfasst werden. Epic ist eine prospektive Studie, was bedeutet, dass TeilnehmerInnen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen. Bei retrospektiven (“zurückschauenden”) Studien dagegen werden bereits erkrankte Menschen befragt. Diese Methode hat aber eine geringere Aussagekraft, weil die Daten durch ein schlechtes Gedächtnis und verfälschte Erinnerungen der Studienteilnehmer ungenauer sind.
In der aktuellen Studie erlitten während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von etwa acht Jahren 166 Studienteilnehmer einen Herzinfarkt – 136 Personen erkrankten an einem Schlaganfall. Aus den in den Jahren 1994 bis 1998 erhobenen Epic-Basisdaten ermittelten die Forscher die Zusammenhänge zwischen dem Schokoladenverzehr, dem Blutdruck und dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wie die Studie zeigt, haben Personen, die im Schnitt etwa sieben Gramm kakaohaltiger Schokolade pro Tag verzehren, im Vergleich zu Personen, die nur wenig Schokolade essen, ein um fast 40 Prozent verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei sank das Schlaganfallrisiko um fast die Hälfte – das Herzinfarktrisiko verminderte sich um 27 Prozent. Der Erstautor der neuen Studie, Brian Buijsse, war bereits vor vier Jahren durch die Auswertung einer niederländischen Bevölkerungsstudie mit 470 Männern zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen: Dort hatte sich gezeigt, dass Personen, die im Durchschnitt täglich vier Gramm Kakao verzehren, nicht nur einen niedrigeren Blutdruck, sondern in dem 15-jährigen Beobachtungszeitraum auch ein vermindertes Risiko hatten, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Vier Gramm Kakao ist eine Menge, die mit zehn Gramm Bitterschokolade vergleichbar ist.
„Schokolade ist für ihren blutdrucksenkenden Effekt bekannt. Da ein hoher Blutdruck für Schlaganfälle ein stärkerer Risikofaktor ist als für Herzinfarkte, haben wir erwartetet, dass der Schokoladenverzehr auch stärker mit einem verminderten Schlaganfallrisiko verbunden ist. Genau dies haben wir in den Studiendaten gesehen“, sagte Buijsse.
In der aktuellen Studie hatten die Personen mit dem höchsten Schokoladenverzehr einen geringeren Blutdruck als die Personen mit dem geringsten Schokoladenverzehr. Allerdings war der Blutdruckunterschied weniger stark ausgeprägt als in anderen Studien. Ein Grund für die relativ geringe Blutdrucksenkung könne die Vorliebe der meisten Studienteilnehmer für Vollmilchschokolade sein, mutmaßt Buijsse. Denn Vollmilchschokolade hat einen geringeren Kakaoanteil als Bitterschokolade und somit auch einen geringeren Anteil an blutdrucksenkenden Flavanolen.
Heiner Boeing, Studienleiter der Potsdamer EPIC-Studie, merkt an, dass die neuen Studienergebnisse keinen Freibrief für einen ungehemmten Schokoladenverzehr erteilen. Denn Schokolade in großen Mengen konsumiert macht dick und ist damit ungesund. Geringe Mengen Schokolade können dagegen die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern. Dabei sind insbesondere Schokoladen mit einem hohen Kakaoanteil zu empfehlen.
Quellen:
Buijsse et al. Chocolate consumption in relation to blood pressure and risk of cardiovascular disease in German adults. European Heart Journal DOI 10.1093/eurheartj/ehq068
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Schlaganfall: Bessere Erholung mit Antidepressiva?
Geschrieben am 2. Februar 2010 Keine KommentareNach einem Schlaganfall erholt sich das Gehirn der Patienten womöglich schneller, wenn sie ein Medikament gegen Depressionen bekommen. Sowohl das Denkvermögen als auch die Lernfähigkeit und das Gedächtnis war bei solchen Patienten nach zwölf Wochen eindeutig besser als bei Kranken, die zum Vergleich lediglich ein Scheinmedikament erhalten hatten, berichten Ärzte der Universität von Iowa (USA) in der Fachzeitschrift Archives of General Psychiatry.
“Wichtig ist, dass die gemessenen Veränderungen auch dazu geführt haben, dass Alltagstätigkeiten besser bewältigt wurden”, schreiben Ricardo Jorge und dessen Kollegen, die für ihre Studie das Medikament Escitalopram (Handelsname: Cipralex) benutzt hatten, welches bisher nur gegen Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird. Insgesamt hatten 129 Schlaganfall-Patienten an der Studie teilgenommen und das Medikament binnen drei Monaten nach dem Hirninfarkt erhalten. Die Arznei sei dabei gut vertragen worden und haben ebenso wenig Nebenwirkungen verursacht wie ein Scheinmedikament, berichten die Ärzte. Die genaue Wirkungsweise antidepressiver Medikamente ist noch immer unklar. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Experimente die gezeigt haben, dass Antidepressiva das Wachstum von Nervenzellen fördern und die Struktur ganzer Hirnregionen verändern können.
“Wie immer es funktioniert: Unsere Studie hat erstmals gezeigt, dass dieses Medikament zu einer verbesserten Erholung der geistigen Funktionen nach einem Hirninfarkt führt”, behaupten die Wissenschaftler.
Quelle:
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US-Kids nutzen Medien fast acht Stunden täglich
Geschrieben am 21. Januar 2010 Keine KommentareUS-amerikanische Kinder und Jugendliche verbringen durchschnittlich sieben Stunden und 38 Minuten pro Tag vor dem Fernseher, mit Videospielen oder beim surfen im Internet. In den vergangenen fünf Jahren habe der Medienkonsum um 1 Stunde und 17 Minuten zugenommen und ist nun auf einem neuen Rekordhoch angelangt heißt es in einem Bericht der Kaiser Family Foundation. Befragt wurden für den Bericht 2000 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren.
Wie Victoria Rideout, eine der Autorinnen des Berichtes vorrechnet, liegt die Zeit für den Medienkonsum dieser Mädchen und Jungen mit 53 Stunden pro Woche erheblich über dem, was berufstätige Erwachsene mit Arbeit verbringen. Weil die Kinder oftmals mehr als ein Medium gleichzeitig nutzen, schaffen sie es sogar, täglich den Gegenwert von zehn Stunden und 45 Minuten an Inhalten zu konsumieren. Diese Zahlen beinhalten ausschließlich den Gebrauch von Medien zur Unterhaltung. Nicht eingeschlossen wurde beispielsweise die Zeit am Handy, in der tatsächlich telefoniert wurde sowie die Nutzung von Computern für die Schularbeiten.
Zu der Entwicklung beigetragen habe wohl auch die explosionsartige Vermehrung von Handys, iPods und ähnlichen Geräten, vermutet Rideout. Während im Jahr 2004 “nur” 39 Prozent der US-Kids ein Handy besaßen, sind es mittlerweile 66 Prozent, also zwei Drittel. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der Jugendlichen mit MP3-Spielern von 18 auf 76 Prozent. Mit 49 gegenüber 33 Minuten wird dem Bericht zufolge mit den Handys auch deutlich mehr gespielt und Musik gehört, als telefoniert. Auch Fernsehgeräte prägen weiterhin den Alltag. Sie laufen bei 64 Prozent aller amerikanischen Familien auch während der Mahlzeiten und sind in 45 Prozent der Haushalte “fast die ganze Zeit” angeschaltet – auch wenn niemand die Sendungen verfolgt. Zusätzlich zu den Geräten im Wohnzimmer stehen Fernseher in 71 Prozent aller Kinderzimmer.
Obwohl die US-Kids nach wie vor etwa 25 Minuten täglich damit verbringen, Bücher zu lesen, scheinen Zeitschriften und Tageszeitungen immer weniger zu interessieren. Binnen fünf Jahren sank die für Zeitschriften aufgebrachte Zeit von 14 auf 9 Minuten täglich. Für Tageszeitungen halbierte sich dieser Wert im gleichen Zeitraum von sechs auf drei Minuten. Dass die Kinder und Jugendlichen nunmehr zwei Minuten täglich Zeitungen und Zeitschriften online lesen, konnte den Rückgang in der Lesebilanz nicht ausgleichen.
Viel lieber verbringen die Heranwachsenden ihre Online-Zeit mit YouTube. Die Webseite, auf der man fremde Videos anschauen und eigene präsentieren kann, besuchen typische US-amerikanische Jugendliche 15 Minuten am Tag. Noch lieber tummeln sie sich aber in Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Drei Viertel der Schüler in den Klassen sieben bis zwölf haben dort ein Profil mit persönlichen Daten angelegt, fanden die Forscher heraus.
Ob der Medienkonsum zu schlechteren Schulnoten führt, lassen die Autoren des Berichtes offen. Allerdings bemerken sie, dass unter jenem Fünftel der Kinder mit heftigem Mediengebrauch (mehr als 16 Stunden pro Tag) beinahe die Hälfte schlechte Schulnoten hatte. Unter den Kindern mit weniger als drei Stunden täglichem Mediengebrauch betrug der Anteil mit schlechten Schulnoten dagegen nur 23 Prozent – also weniger als ein Viertel.
Im Vergleich zu den USA, wo die Kaiser Family Foundation nunmehr schon den dritten umfassenden Bericht zur Mediennutzung Jugendlicher vorgelegt hat, sind die Daten für Deutschland eher lückenhaft. Aus einer Übersicht der Hessischen Landesstelle für Suchtgefahren kann man jedoch auf eine Fernsehzeit von täglich etwa drei Stunden schließen. Forscher der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Mainz haben zudem kürzlich 256 Schüler im Saarland befragt und dabei festgestellt, dass diese Werktags durchschnittlich 3,2 Stunden aktiv im Internet verbrachten, an den Wochenenden waren es sogar 4,3 Stunden.
Quelle:
- Generation M2: Media in the Lives of 8- to 18-Year-Olds. Program for the Study of Media and Health der Kaiser Family Foundation
Weitere Informationen:
- Seit 1999 führt der medienpädagogische Forschungsverbund Südwest regelmäßige Studien zum Stellenwert der Medien bei Kindern (KIM) und Jugendlichen (JIM) durch.
- Fernsehen macht “dick, dumm und gewalttätig”, argumentiert der Hirnforscher Professor Manfred Spitzer in vielen seiner Bücher. Eine Rezension zu seinem Werk “Vorsicht Bildschirm” finden Sie hier.
- Gewalt durch neue Medien? Ein Interview mit Professor Manfred Beutel
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Handystrahlung “schützt Mäuse vor Alzheimer”
Geschrieben am 7. Januar 2010 Keine KommentareKäme die Nachricht nicht aus dem Labor eines angesehenen Forschers, wäre ein Stirnrunzeln sicher angebracht. Doch Gary Arendash von der Universität Südflorida in Tampa hat sich intensiv mit vielen Aspekten der Alzheimer-Krankheit befasst. Auf bald 90 wissenschaftliche Veröffentlichungen in mehr als 30 Jahren kann der Professor am Alzheimer´s Disease Research Center verweisen – der Mann ist also kein Bluffer und auch keine Eintagsfliege. Wie alle seiner Studien hat Arendash auch die jüngste Forschungsarbeit nicht mit menschlichen Patienten durchgeführt, sondern “nur” mit Labormäusen. Die meisten davon waren allerdings genetisch veränderte Tiere, die als Modell für die Alzheimer-Erkrankung beim Menschen dienen.
“Überrascht haben wir festgestellt, dass Handystrahlung ab dem frühen Erwachsenenalter das Gedächtnis dieser Mäuse geschützt hat, die ansonsten die Symptome der Alzheimer-Erkrankung bekommen hätten”, fasst Arendash das Ergebnis zusammen. “Noch überraschender war es, dass die von den Handys ausgesandten elektromagnetischen Wellen auch bei bereits erkrankten, alten Mäusen Gedächtnisstörungen rückgängig machen konnten.”
Natürlich telefonierten die Mäuse nicht wirklich. Vielmehr platzierten die Forscher inmitten der Käfige eine Antenne und stellten deren Strahlungsstärke so ein, dass die Gehirne der Mäuse ähnlich viel Energie ab bekamen, wie das Gehirn eines Menschen, der ein Mobiltelefon benutzt. Sieben bis neun Monate lang wurde die Mäuse dann an jedem Tag zwei Mal für jeweils eine Stunde bestrahlt. Bei Mäusen, die genetisch darauf programmiert waren, im Alter Gedächtnisstörungen zu bekommen, konnten die Forscher diese Entwicklung mit der Bestrahlung verhindern. Bei verschiedenen Tests zeigten diese Tiere ähnlich gute Denkleistungen wie eine Gruppe genetisch unveränderter Mäuse, die den Forschern als Vergleich dienten. Bestrahlte man normale Mäuse mehrere Monate lang, so schnitten sie in Gedächtnistests sogar besser ab als normale, unbestrahlte Mäuse. Und bei alten “Alzheimer-Mäusen”, deren Gedächtnis bereits Schaden erlitten hatte, verschwanden die Probleme durch die Strahlung wieder.
Um heraus zu finden, was die Handystrahlung im Kopf der Tiere bewirkte, opferten die Wissenschaftler die Labormäuse nach den Tests und fertigten Hirnschnitte an, die sie unter dem Mikroskop betrachteten. Dabei zeigten unbestrahlte, alte Kontrolltiere wie erwartet jene charakteristischen Ablagerungen im Gehirn, die auch bei menschlichen Alzheimer-Patienten zu finden sind. Bei den bestrahlten Tieren dagegen waren diese Ablagerungen weitgehend verschwunden.
Aus diesen “viel versprechenden und unerwarteten” Ergebnissen schließen Arendash und dessen Kollegen nun, dass “die Anwendung elektromagnetische Felder eine effektive Möglichkeit sein könnte, um die Alzheimer-Krankheit beim Menschen ohne medizinische Engriffe und ohne Medikamente zu verhindern und zu behandeln.” Man erprobe derzeit elektromagnetische Felder mit unterschiedlichen Stärken und Frequenzen um herauszufinden, ob die Denkleistung sich damit noch stärker und schneller verbessern ließe. “Wenn wir die besten Einstellungen herausfinden, um die Ablagerungen im Gehirn zu verhindern oder zu entfernen, ließe sich diese Technik schnell auf Alzheimer-Patienten übertragen”, sagte Chuanhai Cao, der neben Arendash maßgeblich an der Untersuchung beteiligt war.
Dass die Hirntemperatur bei den Alzheimer-Mäuse nach mehrmonatiger Behandlung in den Bestrahlungszeiten leicht erhöht war, scheint die Wissenschaftler nicht zu beunruhigen. Im Gegenteil spekulieren sie, dass diese Temperaturerhöhung eher nützlich gewesen sei, um neue Ablagerungen – so genannte amyloide Plaques – zu verhindern. Die durch Handy-Strahlung verbesserte Denkleistung gesunder Tiere führten sie auf eine gesteigerte Hirnaktivität zurück, ausgelöst durch einen besseren Blutfluss und höheren Energieverbrauch. “Unsere Studie erbringt Beweise dafür, dass der langfristige Gebrauch von Handys dem Gehirn nicht schadet”, sagte Cao. “Im Gegenteil könnten die von Mobiltelefonen abgestrahlten elektromagnetischen Wellen sogar das normale Gedächntis verbessern und eine wirksame Therapie gegen Gedächtnisstörungen sein”, behauptete der Wissenschaftler.
Mit der neuen Studie dürfte Arendash binnen eines halben Jahres bereits zum zweiten Mal für Schlagzeilen sorgen. Erst im vergangenen Juli hatte der Forscher seine Kollegen mit der Nachricht überrascht, dass Koffein womöglich vor Alzheimer schützt (Bericht dazu). Obwohl auch diese Studie nur an Labormäusen durchgeführt wurde, outete Arendash sich kurz darauf gegenüber Journalisten als fleißiger Kaffeetrinker, der nach seiner Entdeckung die tägliche Dosis auf nunmehr fünf Tassen des schwarzen Gebräus erhöht habe. Ob Arendash im Lichte seiner neuen Studie jetzt auch zwei Mal täglich eine Stunde mit dem Handy telefoniert, hat er nicht verraten. Den immer wieder geäußerten Verdacht, dies könne das Risiko für Hirntumoren erhöhen, hält Arendash jedenfalls für unbegründet. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation, als auch die US-amerikanische Krebsgesellschaft und die Nationalen Gesundheitsinstitute der USA (NIH) sind nämlich zu dem Schluss gekommen, dass es bisher keine wissenschaftlichen Beweise für Gesundheitsschäden durch den Gebrauch von Handys gibt, betont er. Auch bei seinen Versuchsmäusen habe sein Team nach mehreren Monaten keinerlei Hinweise auf abnormales Wachstum im Gehirn oder in anderen Organen beobachtet.
Quellen:
- Arendash GW et al. Electromagnetic Field Treatment Protects Against and Reverses Cognitive Impairment in Alzheimer’s Disease Mice. J Alzheimers Dis. 19:1 (Januar 2010)
- Pressemitteilung der University of South Florida Health
Weitere Informationen:
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Kombinationstherapie gegen Alzheimer in Sicht?
Geschrieben am 6. Januar 2010 Keine KommentareVorläufig sind es nur alte Labormäuse, deren Gedächtnis eine neuartige Behandlungsstrategie auf die Sprünge geholfen hat. Dennoch könnten die Versuche von Vivian W. Chow, Philip C. Wong und deren Kollegen an der Johns Hopkins School of Medicine im US-amerikanischen Baltimore wegweisend sein für die zukünftige Behandlung der Alzheimer-Krankheit beim Menschen. Hier gibt es zwar eine Handvoll Medikamente, welche die Symptome des Leidens bekämpfen und die beispielsweise die Einweisung in ein Pflegeheim für viele Patienten verzögern können. Dennoch gehen die heute verfügbaren Arzneien nicht an die Wurzel des Übels: Ablagerungen bestimmter Eiweißbruchstücke (Plaques), die sich im Laufe von Jahrzehnten ansammeln und die nach Meinung der meisten Wissenschaftler für den Tod der Nervenzellen bei der Alzheimer-Krankheit verantwortlich sind.
Nun ist es zwar in den vergangenen Jahren gelungen, gezielt gleich mehrere Gruppen von Arzneimittelkandidaten zu entwickeln, welche die Entstehung neuer Plaques verhindern und die alte Plaques auflösen können. Viele dieser Stoffe erwiesen sich jedoch im Tierversuch als zu gefährlich. Hemmt man beispielsweise zu stark das Enzym Beta-Sekretase, das an der Plaquebildung maßgeblich beteiligt ist, so stört dies die Funktion der Nervenzellen und Mäuse zeigen Verhaltensweisen, die einer Schizophrenie beim Menschen ähneln. Blockiert man dagegen ein zweites Schlüsselenzym, die Gamma-Sekretase, so zeigen die Tiere Entwicklungsstörungen, viele bekommen Hautkrebs und sie sterben im Durchschnitt früher als unbehandelte Artgenossen.
Angesichts dieser Komplikationen erprobten die Forscher nun unter der Leitung von Donald Price eine Strategie, um mögliche Nebenwirkungen zu verringern: Durch genetische Tricks verringerten sie geringfügig die Aktivität sowohl der Beta-Sekretase als auch der Gamma-Sekretase und reduzierten dadurch wie erhofft recht deutlich die Ablagerungen im Gehirn der Tiere, ohne die gefürchteten Nebenwirkungen hervor zu rufen. Die Lebensspanne der Versuchstiere war unverändert, sie entwickelten keine Tumoren oder sonstigen Abnormalitäten. Die Behandlung schien lediglich eine leichte Veränderung im Durchmesser des Sehnerves hervor zu rufen, die jedoch als wenig bedenklich eingestuft wurde.
Dass die Kombinationsstrategie nicht nur gut verträglich war, sondern auch das Gedächtnis der Tiere verbesserte konnten die Wissenschaftler in einem Standardtest zeigen. Die genetisch manipulierten Tiere konnten sich dabei deutlich besser an einmal gemerkte Plätze erinnern als unbehandelte Artgenossen. “Zusammen gefasst unterstützen diese Ergebnisse die Idee, dass eine geringfügige Hemmung von Beta-Sekretase und Gamma-Sekretase das Gehirn besser schützt und gleichzeitig Nebenwirkungen verringert”, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine. Eine gegen die Plaques gerichtete Kombinationstherapie könne deshalb “nützlich zur Vorbeugung und / oder Behandlung der Alzheimer-Krankheit sein.”
Quelle:
- Chow, VW et al. Modeling an Anti-Amyloid Combination Therapy for Alzheimer´s Disease. Science Translational Medicine 2(13)1-12. Jan 6 2010.
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Kein Wunschdenken: Alter Körper – frischer Geist
Geschrieben am 23. November 2009 Keine KommentareWer so wie ich ständig über Alzheimer und anderer Gedächtniskrankheiten (Demenzen) schreibt, könnte leicht verzweifeln: Fast jede Veröffentlichung zu diesem Thema verweist auf die mehr als eine Million alter Menschen, die bereits heute in Deutschland an Alzheimer leiden. Ohne einen echten Durchbruch bei der Entwicklung neuer Arzneien sagen Statistiker eine Verdoppelung dieser Zahl in naher Zukunft voraus. Und schon bei meiner ersten Geschichte zu diesem Thema (vor nunmehr 20 Jahren) sagte mir der damals hierzulande führende Forscher, Professor Konrad Beyreuther, resignierend: “Wenn wir alt genug werden, kriegen wir alle Alzheimer”. Da kommt mir eine Geschichte mit dem Titel “Alter Köper – frischer Geist” gerade recht, die ich dem Magazin amPuls Online der Universität Freiburg entnehme. Vier von fünf Senioren beiben demnach von der gefürchteten Krankheit verschont.
Professor Michael Hüll, Demenz-Experte am dortigen Klinikum sieht die Sache positiv und betont: Das Nachlassen des Gedächtnisses jenseits der 60 muss nicht sein. Bei bestimmten Fähigkeiten nimmt die Leistung sogar zu. „80 Prozent der über 80-jährigen haben keine Demenz“, sagt Hüll, Demenz-Experte des Universitätsklinikums Freiburg, wenn er auf die Gefahren der Altersdemenz angesprochen wird. Keinesfalls will er, dass diese ernsthafte Krankheit unterschätzt wird.
Doch vier von fünf Menschen werden im hohen Alter keine größeren Probleme mit dem Merken von Neuem, Erinnern von Erlebtem und Wiedererkennen vertrauter Gesichter haben. „Beim normalen Altern verliert der Mensch keine Nervenzellen“, sagt der Leiter der Sprechstunde für Gedächtnisstörungen. Die Zusammenhänge zwischen Alter und Gedächtnis seien nämlich weniger beunruhigend, aber deutlich komplizierter, als allgemein angenommen. Mit dem Alter macht der Körper Veränderungen durch, die sich auf manche Fähigkeiten positiv, auf andere negativ auswirken. So sind Sportler in den meisten Disziplinen mit 25, spätestens 30 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
Danach nehmen Kraft und Ausdauer aber auch die Reaktionsgeschwindigkeit nachweisbar ab. „Wenn Michael Schuhmacher mit 40 Jahren doch nicht wieder Rennen fahren will, wird das auch an seiner Reaktionsfähigkeit liegen“, ist sich Gedächtnis-Experte Hüll sicher. Während die Fähigkeit zu hören und zu sehen abnimmt, können wir nicht mehr so schnell so viele Informationen aufnehmen und verarbeiten wie in jungen Jahren. Die Folge: Das Gehirn hat es schwerer, die zum Teil unvollständigen Informationen zu verarbeiten. Der Mensch reagiert langsamer, braucht mehr Zeit um Sachverhalte zu erkennen – er wird aber nicht unbedingt vergesslicher.
Der Versuch einem Gespräch zu folgen kann zum Beispiel schlicht am schlechten Hören scheitern. Beobachter denken hingegen, dass viele Einzelheiten vergessen wurden. „Große Schriftsteller haben ihre besten Werke meistens im Alter geschrieben“, nennt Hüll den Gegenpol zur abnehmenden körperlichen Leistungsfähigkeit. Während diese sinkt, und mit ihr die Möglichkeit Informationen schnell zu verarbeiten, reifen im Alter soziale Fähigkeiten und das Verständnis für Zusammenhänge erst richtig heran.
Altersweisheit ist daher kein bloßes Gerücht. „Welt- und Erfahrungswissen können zusammen mit einer zunehmenden sprachlichen Gewandtheit die Abnahme unserer Verarbeitungsgeschwindigkeit kompensieren“, ist sich der Experte sicher. Bei der Frage, wie sich das Gehirn nun bis ins hohe Alter fit halten lässt, scheiden sich jedoch die Geister. Ein Patentrezept gibt es ohne Zweifel nicht. Dafür mehren sich Hinweise, was sich positiv auf die Gedächtnisleistung auswirken kann. „Das Gehirn lässt sich nicht trainieren wie ein Muskel“, sagt Experte Hüll. Aber vielfältige Anregungen von Geburt an steigern sehr wahrscheinlich die Chance, auch im hohen Alter geistig fit zu sein. Viele Sozialkontakte und vielfältige Interessen halten das Denkorgan am Laufen.
Die besten Grundlagen für die „graue Masse“ legen sich dabei in jungen Jahren: „Eine gute schulische und berufliche Ausbildung gibt Hirnreserven im Alter“, so Hüll. Auch wichtig: Es gibt Hinweise, dass die sogenannte „mediterrane Ernährung“ mit wenig Fleisch und regelmäßigem Fischkonsum sich auf den Erhalt unseres Denk-Organs auswirkt. Andererseits gibt es Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Demenz steigern. Wenig körperliche Bewegung, einseitige Ernährung oder Depressionen mitsamt sozialer Zurückgezogenheit gelten unter Experten als Risiko-Faktoren. Die meisten dieser Faktoren lassen sich durch unsere Lebensführung beeinflussen. Eine Garantie gegen Alzheimer ist das sicher nicht, aber doch ein erneuter handfester Hinweis, dass jeder selbst etwas tun kann, um seine Gefährdung zu verringern.
Weitere Informationen:
- Alle Artikel zum Thema “Alzheimer” bei Simmformation
- “Demenz: Rasanter Anstieg von Alzheimer” heißt ein Artikel im Focus, der die aktuellen weltweiten Zahlen nennt.
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Depression – Das heimliche Leiden
Geschrieben am 12. November 2009 1 KommentarRobert Enke ist tot und ungezählte Fans sind ebenso fassungslos wie die Familie, Freunde, Nachbarn und Kollegen des deutschen Fußballnationaltorwarts. Dass ein körperlich gesunder Mensch mit 32 Jahren seinem Leben ein Ende bereitet, ist für die meisten unerklärlich – zu weit weg sind sie von jenen düsteren Geisteswelten in denen so viele Depressive gefangen sind. Mein Mitgefühl, aber auch meine Bewunderung gilt Teresa Enke, die den Mut hatte, auf einer Pressekonferenz im Detail über jenes grausame Gedanken-Gefängnis zu berichten, in dem ihr Mann so lange eingesperrt war. Denn noch immer ist die Depression – wie die meisten “Geisteskrankheiten” – von Mauern des Schweigens und des Unverständnis umgeben. Es sind diese Mauern, hinter denen die “Seelenfinsternis” wachsen kann. Dank Teresa Enke werden viele nun genauer hinschauen.
Je früher die versteckte Volkskrankheit erkannt wird, umso besser stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung, betont Professor Mathias Berger, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Freiburg. „Wichtig ist, dass die Depression vom behandelnden Arzt schnellstmöglich erkannt wird, um eine speziell auf den Patienten zugeschnittene Therapie beginnen zu können“, denn „wurde die richtige Diagnose einmal gestellt, kann 80 Prozent der Erkrankten in einem überschaubaren Zeitraum entscheidend geholfen werden“, sagt Berger in amPuls-online, einer Veröffentlichung der Uniklinik Freiburg.
Dort wird auch auf Zahlen der Weltgesundheitsorganisation verwiesen, wonach Depressionen die häufigste Ursache sind für “durch eine gesundheitliche Behinderung gravierend beeinträchtigten Lebensjahre.” Laut den deutschen Rentenversicherern zählen Depressionen zu den wichtigsten Ursachen für Krankschreibungen und Berentungen – mit steigender Tendenz. Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten. Die erschreckend hohe Suizidrate von 15 Prozent bei schwer erkrankten depressiven Langzeitpatienten, unterstreicht die Wichtigkeit einer frühzeitigen Therapie. Unwissenheit, Verdrängung oder Schamgefühle hindern jedoch oft Betroffene daran, sich der Umwelt zu öffnen oder einen Arzt aufzusuchen.
Ein Nadelöhr beim Aufspüren der heimlichen Krankheit sind offensichtlich die Hausärzte, schließe ich aus einer Studie der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Freiburg. Die ergab nämlich, dass eine entsprechende Schulung von Hausärzten die Erkennungsrate bei Depressionen auf 70 Prozent verdoppelte. Anders gesagt übersehen selbst Hausärzte zwei von drei Depressionen. Dabei ist Schnelligkeit entscheidend, denn „je weniger Krankheitsepisoden der Patient bis zum Beginn einer Therapie durchlebt hat, desto besser ist die langfristige Prognose“, so Berger.
Die genaue Grundlage der Depression ist noch nicht ausgemacht, heißt es bei amPuls-online. Einigkeit besteht jedoch bereits darüber, dass es kein einzelnes Depressionsgen gibt. Familien- und Zwillingsstudien belegen zwar eine genetische Veranlagung zur Depression. Die Zwillingsstudien zeigen auch, dass die Gene nur ein Teilfaktor sind. Selbst bei eineiigen Zwillingen erkrankt der Zwillingspartner nur in etwa mehr als der Hälfte der Fälle. Zu bedenken sei, dass zwischen genetischen Faktoren und sozialen Umweltfaktoren komplizierte Wechselbedingungen bestehen.
Der zweite Faktor für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko sind belastende Erfahrungen in der Kindheit. Bei genetisch oder durch eine schlimme Kindheit vorbelasteten Patienten genügen oft schon kleine Auslöser, wie ein Zeitzonen- oder Jahreszeitenwechsel, um die Depression auszulösen. Dies kann auch Berger bestätigen: „Tatsächlich verzeichnen wir in Frühling und Herbst die meisten Depressionserkrankungen.“
Der Einsatz von so genannten Antidepressiva sei heute nicht mehr so umstritten wie vor einigen Jahren, berichtet der Psychiater. Diese Medikamente sollen die Stimmung aufhellen, den inneren Antrieb normalisieren und so gleichzeitig die körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen und Schlaflosigkeit verringern. Sie wirken gezielt auf die Übertragung der Nervenimpulse im Gehirn. „Antidepressiva lösen bei einigen Patienten und ihren Angehörigen Bedenken aus“, weiß Berger, und urteilt: „Die Nebenwirkungen sind bei den heutigen Medikamenten meist gering, eine Suchtgefahr besteht nicht.“ Unabdingbar sei in der Regel eine begleitende psychotherapeutische Behandlung. Solch eine Psychotherapie bezieht das soziale Umfeld der Patienten mit ein und versucht, seelische Belastungen in alltäglichen Situationen Schritt für Schritt abzubauen. Kritische und krankheitsverursachende Lebenssituationen sollen dabei bearbeitet werden und gemeinsam mit dem Patienten probt der Therapeut, den Umgang mit schwierigen emotionalen Situatonen und vermittelt ein positives Selbstbild.
Weitere Informationen:
- Das Heft Depressionen überwinden
der Stiftung Warentest beschreibt ausführlich den Stand des Wissens über Depressionen und deren Behandlungsmöglichkeiten.
- Seelenfinsternis heißt das Buch eines holländischen Psychiaters. Die einfühlsame Autobiographie hilft, depressive Menschen besser zu verstehen.
- Zwei Bücher, die sich kritisch mit den gesellschaftlichen Hintergründen von Depressionen und dem möglichen Missbrauch von Medikamenten auseinandersetzten, sind Verdammt schöne Welt
von Elisabeth Wurztel (im englischen Original Prozac Nation
) sowie die überarbeitete Fassung des Klassikes Listening to Prozac
von Peter D. Kramer. Leider scheint es dazu keine aktualisierte deutschsprachige Ausgabe zu geben, sondern lediglich die 1995 erschienene Übersetzung Glück auf Rezept
- Das Deutsche Bündnis gegen Depression entstand aus einem Forschungsprojekt, dem Kompetenznetz Depression. Auf den Webseiten gibt es ein eindrückliches Informationsvideo, ein Forum sowie zahlreiche Fakten für Betroffene und Angehörige.
- Nein, ich schäme mich nicht für eine Broschüre mit dem Titel “Zurück ins Leben”, die ich im Jahr 2003 für den Verband forschender Arzneimittelhersteller erstellt habe.
- “Es ist, als ob die Seele unwohl wäre”, heißt eine umfangreiche und sehr lesenswerte Broschüre, die meine Kollegin Claudia Eberhardt-Metzger im Auftrag des Bundesforschungsminsteriums erstellt hat. Sie kann auf der Seite http://www.bmbf.de/publikationen/2705.php bestellt werden oder Sie können die Publikation direkt im pdf-Format herunterladen (ca. 1,5 MB)
- Immer noch lesenswert: Das Stern-Extra “Blick in die Seele”
- In einem Artikel für den Gesundheitsdienst Netdoktor.de erläutert einer der führenden Fachleute, Professor Ulrich Hegerl, Wissenswertes zur Depression. Dort finden sich auch Informationen zu den verschiedenen Arzneimitteln gegen die Krankheit.
- Das Onlineportal Denke positiv, welches von der Pharmafirma Wyeth “unterstützt” wird, informiert multimedial über Depressionen und Angsterkrankungen. Auch das Unternehmen Lundbeck unterhält eine eigene Website mit brauchbaren Informationen und Services zur Depression und anderen Erkrankungen des Gehirns.
- Das Heft Depressionen überwinden



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