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Mit dem Laser gegen Altersweitsichtigkeit
Geschrieben am 3. März 2010 Keine KommentareDas ist ja ´mal eine interessante Geschichte zu einem Gebrechen, das mich ebenso betrifft wie so ziemlich jeden über 50: Die Altersweitsichtigkeit könnte womöglich mit einer neuartigen Lasertherapie überwunden werden. Zur Klarstellung: Dies ist ein Verfahren, das bisher nur im Tierversuch (an Kaninchen) und an den Augenlinsen verstorbener Organspender erprobt wurde. Dennoch möchte ich Professor Christian Ohrloff zitieren: „Diese Resultate sind sehr vielversprechend“, sagt der Direktor der Universitätsaugenklinik Frankfurt am Main. Das Verfahren der so geannnten fs-Lentotomie könnte erstmals die Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) bei der Ursache angreifen, so Ohrloff.
Genaueres erklärt die folgende, nur leicht überarbeitete Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG):
Das Problem beginnt schon im mittleren Alter und zeigt sich zum Beispiel beim Lesen: Zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr erfassen die Augen der meisten Menschen nahe Ziele nicht mehr scharf. Ursache dieser Altersweitsichtigkeit oder Presbyopie ist die nachlassende Flexibilität der Linse. Zwar gleicht eine Lesebrille die verlorene Nahanpassung des Auges aus. Wiederherstellen lässt sich die verlorene Sehkraft aber bislang nicht. Ein neues Laserverfahren kann nun die Elastizität der Linse wieder erhöhen, wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) betont. Bisher noch in der experimentellen Phase, lässt dies erstmals auf eine ursächliche Therapie der Altersweitsichtigkeit hoffen.
Hauptursache der Presbyopie ist die zunehmende Verhärtung des Linsengewebes. Die Linse kann sich dadurch nicht mehr ausreichend abkugeln, um Gesehenes auf die Mitte der Netzhaut zu projizieren. „Dadurch rücken jene Objekte, die das Auge gerade noch fokussieren kann, mit steigendem Alter immer weiter in die Ferne“, erläutert DOG-Mitglied Professor Holger Lubatschowski vom Laser Zentrum Hannover. „Angesichts der älter werdenden Bevölkerung betrifft dieses Problem zukünftig immer mehr Menschen“, gibt Professor Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG zu bedenken. Zwar ermöglichen neben der Lesebrille seit einigen Jahren auch implantierbare Kunstlinsen das Fokussieren auf nahe Gegenstände. Aber die Elastizität der natürlichen Linse ließ sich bislang nicht steigern.
Dies ändert jetzt der Femtosekunden-Laser (fs-Laser). Dessen ultrakurze Pulse nutzen Augenmediziner schon seit Jahren dazu, die Brechkraft der Hornhaut zu verändern. „Bei der neuen fs-Lentotomie schneidet der Laser gezielt feinste dreidimensionale Muster in die Linse“, sagt Lubatschowski. „Die dadurch erzeugten Gleitebenen sollen die Elastizität erhöhen, so dass sich das Auge wieder dynamisch auf nahe Ziele einstellen kann.“ Ein Team um Lubatschowski prüfte das Verfahren zunächst an mehr als 40 menschlichen Autopsielinsen unterschiedlichen Alters. Bei zwei Drittel der Linsen stieg die Flexibilität, bei fast der Hälfte sogar um über 30 Prozent.
Zunächst waren unmittelbar nach dem Eingriff sowohl die vom Laser erzeugten Gasbläschen als auch die Schnittmuster im Linsengewebe sichtbar. Aber die Bläschen verschwanden binnen Stunden vollständig. Im Tiermodell am Kaninchen blichen die Schnittstrukturen während der folgenden Monate weitgehend aus. Inwieweit die noch verbleibenden geringen Spuren die Sehqualität beeinträchtigen, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Abseits der Schnitte fanden die Forscher jedenfalls keinerlei verändertes Gewebe. Damit sei eine Trübung der Linse äußerst unwahrscheinlich, betonen sie. Bis das Verfahren zum Einsatz kommen kann, seien jedoch noch “umfassende Studien” nötig.
Quelle:
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Lieber einen dicken Hintern…
Geschrieben am 1. März 2010 2 Kommentare… als einen dicken Bauch – so könnte man das Ergebnis einer Studie mit knapp 11000 Teilnehmern zusammenfassen, die Wissenschaftler der Universität München in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlicht haben. Dabei ging es den Forschern allerdings nicht um Fragen des Geschmacks sondern um das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Um dieses Risiko abzuschätzen haben Mediziner lange Zeit den so genannten Body-Mass-Index (BMI) genutzt, der sich ausrechnen läßt, wenn man die Körpermasse (in Kilogramm) teilt durch die Körpergröße (in Metern) zum Quadrat. Auch die Weltgesundheitsorgansisation (WHO) setzt trotz zunehmender Kritik von Experten noch immer auf diese Meßgröße.
Doch der BMI ist ein alter Hut – sagen jedenfalls die Münchener Wissenschaftler um Studienleiter Dr. Harald J. Schneider von der Medizinischen Klinik, Campus Innenstadt. In ihrer Untersuchung hatten sie bei knapp 11000 Freiwilligen anfangs sowohl den BMI gemessen als auch den als WHtR abgekürzten Wert, der sich ergibt, wenn man den Taillenumfang durch die Körpergröße teilt. Als die Forscher nach drei- bis achtjähriger Beobachtungszeit dann die Zahl der Infarkte mit den ursprünglich gemessenen BMI- und WtHR-Werten verglichen war das Ergebnis eindeutig: “Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen”, so Schneider.
Nicht die Menge, sondern die Verteilung des Körperfetts ist nämlich entscheidend für bestimmte Krankheits-Gefahren, erläutern die Wissenschaftler und sprechen deshalb auch von “gutem und bösem Fett.” Der Speck um den Bauch – also um die Taille – kann schädliche Fettsäuren abgeben und verschiedene Botenstoffe in den Körper abgeben, die Entzündungen fördern, erklären sie. Das passiert auch und gerade in den Gefäßen, was die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) vorantreibt und somit Infarkte begünstigt. Hüft-, Oberschenkel- und Gesäßfett hingegen haben nach jüngsten Erkenntnissen nichts mit dem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen zu tun und wirken mitunter sogar schützend, wie manche Untersuchungen zeigen. “Es gibt immer mehr Studien, die belegen, dass die Messung des BMI wenig bringt”, sagt Schneider – und hofft nun darauf, “dass medizinische Fachgesellschaften und WHO ihre Empfehlungen für die Messung des Körperfetts bald ändern.”
Quelle:
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Mehr Totgeburten nach künstlicher Befruchtung
Geschrieben am 24. Februar 2010 Keine KommentareFrauen, die mit Hilfe zweier unterschiedlicher Techniken der künstlichen Befruchtung (IVF und ICSI) schwanger werden, haben laut einer dänischen Studie ein erhöhtes Risiko für Totgeburten. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollten allerdings vorsichtig bewertet werden, warnte die Leiterin der Studie, Kirsten Wisborg von der Universitätsklinik Aarhus in Dänemark. Man müsse bedenken, dass das Risiko von Totgeburten auch mit IVF/ICSI sehr niedrig sei. “Außerdem wissen wir nicht, ob sich das Risiko durch die eigentliche Behandlung erhöht, oder ob es bislang unbekannte Risikofaktoren gibt, die bei jenen Paaren vermehrt auftreten, die IVF und ICSI in Anspruch nehmen.”
Für die aktuelle Untersuchung, die in der Fachzeitschrift Human Reproduction veröffentlicht wurde, hatte Wisborg mit ihren Kollegen die Daten von mehr als 20000 Einzel-Schwangerschaften ausgewertet, bei denen die Geburtstermine zwischen August 1989 und Oktober 2006 angesetzt waren, und bei denen die Frauen jeweils ihr erstes Kind zu Welt bringen wollten.
82 Prozent dieser Schwangerschaften waren auf natürlichem Wege nach weniger als 12 Monaten zustande gekommen, bei weiteren zehn Prozent hatte es ohne Hilfsmittel länger als ein Jahr gedauert. Bei den restlichen acht Prozent der Schwangerschaften hatten Ärzte durch verschiedene Arten von Fruchtbarkeitsbehandlungen nachgeholfen: In 742 Fällen kam die Befruchtung außerhalb des Körpers zustande, indem die Ärzte entweder Ei- und Samenzellen im Labor in Kulturschalen zusammenbrachten (sogenannte “In Vitro Fertilisation”, IVF) oder unter dem Mikroskop eine einzige Spermienzelle direkt in die Eizelle hinein spritzten (“Intrazytoplasmatische Spermieninjektion”, ICSI). Die verbleibenden 879 Schwangerschaften kamen durch weniger aufwändige Methoden zustande wie die Hormonstimulation und die Insemination, bei der Spermien in den Genitaltrakt der Frau eingeführt werden.
Insgesamt kam es unter den mehr als 20000 Schwangerschaften zu 86 Totgeburten, was einem Durchschnitt von 4,3 Totgeburten je 1000 Schwangerschaften entspricht, also weniger als einem halben Prozent. Bei den Schwangerschaften, die Dank IVF und ICSI zustande kamen, war der Anteil der Totgeburten mit 1,6 Prozent immer noch sehr niedrig – gegenüber dem Durchschnitt allerdings war dieser Wert um das Vierfache erhöht. Die wenigsten Totgeburten gab es unter jenen Frauen, die durch eine Hormonbehandlung oder die Insemination schwanger geworden waren; hier lag der Anteil bei 0,2 Prozent. Nach den Regeln der Statistik, denen Wisborg und ihre Kollegen bei ihrer Untersuchung folgten, war jedoch nur der Unterschied zwischen IVF/ICSI und den natürlichen Schwangerschaften bedeutsam und mit großer Wahrscheinlichkeit kein Zufall.
“Bisher hatte man spekuliert, dass ein erhöhtes Risiko für die Schwangerschaft nach Fruchtbarkeitsbehandlungen mit Faktoren zusammenhängt, die bei den unfruchtbaren Paaren liegen”, erklärte Wisborg das Neue an ihrer Untersuchung. “Wenn aber das Risiko zwischen weniger fruchtbaren Paaren, voll fruchtbaren Paaren und jenen, die mit Hormonbehandlung und Inseminaion schwanger wurden annähernd gleich ist, kann dies auch bedeuten, dass das erhöhte Risiko für Totgeburten mit der Technik von IVF/ICSI zusammen hängen könnte, oder mit körperlichen Unterschieden bei jenen Paaren, die diese Techniken in Anspruch nehmen.”
Um solche Fragen zu beantworten und die möglichen Ursachen der Totgeburten heraus zu finden, wollen Wisborg und ihre Kollegen Hans Jakob Ingerslev und Tine Brink Henriksen auch weiterhin Daten sammeln. “Hoffentlich verdeutlichen die Resultate unserer Studie auch die Bedeutung von Langzeituntersuchungen zu den möglichen Folgen verschiedener Fruchtbarkeitsbehandlungen”, so Wisborg.
Quelle:
- Wisborg K, Ingerlev HJ, Henriksen TB. IVF and Stillbirth: A Prospective Follow-Up Study. Human Reproduction doi:10/1093/humrep/deq023
Weitere Informationen:
- Die Kinderwunsch-Seite gibt Nachhilfe nicht nur über die Grundlagen der Fruchtbarkeit und die natürliche Familienplanung, sondern informiert auch über die zahlreichen Methoden, mit denen Ärzte versuchen, unerfüllte Kinderwünsche zu verwirklichen. Ergänzt wird die gut gemachte Seite durch ein sehr reges Forum, Buchtipps und zahlreiche Service-Angebote.
- Alle Texte zum Stichwort “Schwangerschaft” bei Simmformation
- Kaffee gefährdet die Schwangerschaft. Bericht der Netzeitung zu einem Thema, das aufzugreifen mir die Zeit gefehlt hat.
- Gene beeinflussen das Risiko für eine Frühgeburt. Eine Analyse bei Spiegel online.
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Die Wochenschau 04-2010
Geschrieben am 1. Februar 2010 2 Kommentare- Zehn Milliarden Dollar für die nächsten zehn Jahre will Bill Gates mit seiner Stiftung investieren, um Impfstoffe für die ärmsten Länder der Welt zu entwickeln. Durch verstärkte Anstrengungen ließen sich allein bis zum Jahr 2020 annähernd acht Millionen Kinder retten, verbreitete der Software-Milliardär auf einer Pressekonferenz am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos.
- Dicke Kinder sind „eine Folge der gesellschaftlichen Modernisierung, wobei Übergewicht maßgeblich durch das Auseinanderfallen sozialer und kultureller Strukturen begünstigt wird: durch die Folgen der Überflussgesellschaft auf der einen und durch familiäre Erosionsprozesse und Funktionsdefizite auf der anderen Seite.“ Festgestellt haben dies Forscher der Universität Stuttgart in einer Studie, auf die ich durch meinen Kollegen Dr. Thomas Kron aufmerksam wurde. Am besten lesen Sie dessen Bericht dazu auf seinem Blog “Medizin & Meinung”.
- Sie sind zwar pflanzlicher Herkunft, deshalb aber nicht unbedenklich: Ginkgo-Präparate, die besonders in Deutschland gerne eingenommen werden, um das Denkvermögen zu fördern, könnten epileptische Anfälle auslösen, warnen Forscher der Universität Bonn. Im Journal of Natural Products haben Eckhard Leistner und Christel Drewke zehn solcher Vorfälle dokumentiert. Nun seien sie überzeugt, dass Arzneien auf der Basis von Ginkgo biloba schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben könne, schreiben die Wissenschaftler. Im Verdacht haben sie einen bestimmten Inhaltsstoff des Baumes, das so genannte Ginkgotoxin. Diese Substanz könne chemische Signalwege im Körper verändern, schreiben sie. Die Hersteller fordern sie auf, den Ginkgotoxin-Gehalt auf den Verpackungen der verschiedenen Präparate anzugeben.
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Lasertherapie soll Nackenschmerzen lindern
Geschrieben am 29. Januar 2010 2 KommentareDie folgende, leicht überarbeitete Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wollte ich meinen Lesern nicht vorenthalten. Ich habe sie außerdem mit einigen Ergänzungen versehen, um den Nutzwert zu erhöhen:
Ein zusammenfassender Überblick zu Studien mit so genannten Softlasern hat ergeben, dass diese Geräte Nackenschmerzen wirksam bekämpfen können. Die Methode habe bessere Resultate erzielt als andere gebräuchliche Therapien, berichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift The Lancet. Besonders günstig hätten die niederenergetischen Laserstrahlen im Vergleich zur Gabe schmerzstillender Medikamente abgeschnitten, für die „Beweise rar und Nebenwirkungen häufig sind“, heißt es in der Meta-Analyse von 16 Studien mit insgesamt 820 Patienten.

Vorsichtig optimistisch: Professor Claudia Sommer, Leitende Oberärztin an der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg (Foto: privat/DGN)
“Das ist eine überraschende und vielleicht auch eine gute Nachricht”, kommentiert die Würzburger Neurologin und Schmerzforscherin Professor Claudia Sommer. “Nackenschmerzen sind in der Bevölkerung weit verbreitet und verursachen zudem enorme wirtschaftliche Schäden, jedoch fehlte es bislang an wissenschaftlich gesicherten, wirksamen Therapien”, sagt die Leitende Oberärztin an der Neurologischen Klinik und Poliklinik. “Bevor die Softlaser in der neurologischen Praxis Einzug halten, sollten die neuen Erkenntnisse allerdings in einer hochwertigen größeren Einzelstudie überprüft werden.”
Vertreter der Schulmedizin standen dem Einsatz niederenergetischer Laserstrahlen – im englischen Low-Level-Laser-Therapy, LLLT – bisher eher skeptisch gegenüber. Die auch als “Softlaser” oder “Kalte Laser” bekannten Geräte arbeiten mit gebündelten Lichtstrahlen, die zu schwach sind, um im Gewebe eine spürbare Erwärmung auszulösen. Sie sind wegen ihrer angeblich durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Wirkung unter Alternativmedizinern sehr beliebt.
Widersprüchliche Daten hatten zu Skepsis geführt
In Übersichtsarbeiten der angesehenen Cochrane-Collaboration fand sich aber bislang kein Beleg für den Nutzen der Methode gegen Rückenschmerzen oder gegen Rheuma. Zur LLLT gegen Nackenschmerzen waren die Ergebnisse widersprüchlich, was Roberta T. Chow vom Brain and Mind Research Institute der Universität Sydney, Australien, für eine systematische Neubewertung zum Anlass genommen hatte.
Zusammen mit australischen und norwegischen Kollegen hatte Chow zunächst aus 490 Literaturhinweisen 16 Studien mit 820 Teilnehmern ausgesiebt, bei denen die LLLT gegen unspezifische Nackenschmerzen erprobt worden war, und die strengen wissenschaftlichen Kriterien genügten. Dabei fanden die Forscher lediglich zwei Studien bei denen auch der akute Nackenschmerz behandelt worden war. Bei diesen beiden Untersuchungen besserten sich die Nackenschmerzen unter der Lasertherapie zu 69 Prozent häufiger als mit einer Scheinbehandlung.
Zum chronischen Nackenschmerz (mehr als drei Monate andauernd) fanden Chow und Kollegen fünf Studien, bei denen der Erfolg der Behandlung kategorisch erfasst wurde, also mit “Ja” oder “Nein”. Hier war die Lasertherapie vier Mal häufiger wirksam als die Scheinbehandlung. Weitere elf Studien zu chronischen Nackenschmerzen hatten die Schmerzlinderung anhand einer 100 Millimeter langen Strichskala gemessen, bei der die Patienten den gefühlten Schmerz vor und nach der Behandlung mit einer Markierung zwischen den beiden Enden bewerten. In jeder einzelnen dieser Untersuchungen war die Laserbehandlung tendenziell überlegen gewesen; in der Zusammenfassung errechneten Chow und Kollegen eine durchschnittliche Verbesserung um 19,86 Millmeter. Anhand der sieben Studien mit Folgeuntersuchungen bis zu 22 Wochen nach der Behandlung ergab sich, dass der Erfolg auch mittelfristig anhielt mit einer Schmerzreduktion von 22,07 Millimetern. Die Nebenwirkungen der LLLT wären dabei ebenso mild wie die unter einer Scheinbehandlung, notieren Chow und Kollegen.
Saubere Analyse ergab “mäßige statistische Evidenz”
“Die Ergebnisse der niederenergetischen Lasertherapie sind im Vergleich zu anderen gebräuchlichen Therapien besser – insbesondere gegenüber medikamentösen Interventionen, für die es nur spärliche Beweise gibt, aber viele Nebenwirkungen”, schreiben die Wissenschaftler, und sie sprechen von “mäßiger statistischer Evidenz” für die Wirksamkeit der LLLT. “Der Direktvergleich zu medikamentösen und anderen Therapieformen, zum Beispiel den häufig verwendeten Injektionstherapien oder einer Physiotherapie, wäre allerdings noch zu erbringen”, meint Professor Claudia Sommer.
Wie der Veröffentlichung zu entnehmen ist, kam die Meta-Analyse ohne finanzielle Unterstützung durch einen Sponsor zustande. Chow ist allerdings Mitglied der World Association for Laser Therapy (WALT), der Co-Autor Rodrigo A. B. Lopez-Martins ist deren wissenschaftlicher Sekretär, und Mitautor Jan M. Bjordal ist Präsident der WALT. Wie der Webseite des Verbandes zu entnehmen ist, zählen zu dessen Aufgaben auch die Bewerbung (engl. “promotion”) von Softlasern. Auf der Webseite der Firma Thor, einem großen Hersteller von Softlasern, macht sich Erstautorin Chow zudem in einem englischsprachigen Interview für diese Geräte stark. Der Grund für das Interview sei aber nur, das Wissen zur Anwendung der Lasertechnik gegen Nackenschmerzen zu fördern und stelle keine besondere Befürwortung der Firma Thor Photomedicine dar, ist auf der Webseite zu lesen.
In einem Kommentar, den Jaime Guzman von der Universität Vancouver in der gleichen Ausgabe von The Lancet veröffentlicht hat, bescheinigt der Assistenzprofessor für Physiotherapie und Rehabilitation seinen Kollegen jedenfalls, dass deren Meta-Analyse sauber und anhand der geltenden Standards durchgeführt wurde. Die Wirkweise der Lasertherapie sei zwar noch immer unklar und müsse weiter untersucht werden. “Dennoch ist die Beweislage für die LLLT gegen Nackenschmerzen solider als für viele andere Interventionen.”
Quellen:
- Chow RT et al. Efficacy of low-level laser therapy in the management of neck pain: a systematic review and meta-analysis of randomised placebo or active-treatment controlled trials. Lancet. 2009 Dec 5;374(9705):1897-908.
- Guzman J. Neck pain and low-level laser: Does it work and how? Lancet. 2009 Dec 5;374(9705):1875-6.
Weitere Informationen:
- “Was hilft am besten gegen Nackenschmerzen?” habe ich mich gefragt und bin bei meiner Recherche auf sehr unterschiedliche Antworten gestoßen. Am besten gefallen hat mir die Seite bei Netdoktor.de, wo der Orthopäde Dr. Thomas Wallny verrät: “Nackenschmerzen, die Folge von Verspannungen sind, vergehen meist ohne Behandlung von selbst. Vorsichtige Massagen oder physikalische Anwendungen (wie Wärmepackungen, Fango uns Rotlicht) lindern die Beschwerden. Schmerzstillende Medikamente (Analgetika) und muskelentspannnende Wirkstoffe beschleunigen den Heilungsprozess.” Natürlich rät der Orthopäde davon ab, Nackenschmerzen durch die Konkurrenz behandeln zu lassen und warnt vor “chiropraktischen Einrenkungen, aber auch osteopathischer beziehungsweise physiotherapeutischer manueller Therapie”. Meine Freundin – sie ist Physiotherapeutin – meint dagegen, dass ein paar Stunden Krankengymnastik mehr bringen und nachhaltiger wirken, als ein Besuch beim Orthopäden…
- Und wenn man keine Krankengymnastik verschrieben bekommt? Vielleicht helfen ja die Übungen gegen Nackenschmerzen, wie sie z.B. die Webseite der “Freundin” im Video präsentiert.
- Immerhin scheinen die meisten “Experten” sich einig, dass Bewegung besser ist als still zu halten. Dies rät auch bei einem steifen Hals Constanze Böttcher auf der Webseite des Stern. Und “Netdoktor” Wallny – dies will ich nicht unterschlagen – beschließt seinen Artikel ebenfalls mit dem Hinweis: “Täglicher Ausdauersport hilft, der Entstehung von Nackenschmerzen vorzubeugen. Zudem verbessert er das Körpergefühl, stärkt das Selbstbewusstsein und hebt die Laune.” Wer wollte dem widersprechen?
Ein zusammenfassender Überblick zu Studien mit so genannten Softlasern hat ergeben, dass diese Geräte Nackenschmerzen wirksam bekämpfen können. Die Methode habe bessere Resultate erzielt als andere gebräuchliche Therapien, berichten Wissenschafter in der Fachzeitschrift „The Lancet“. Besonders günstig hätten die niederenergetischen Laserstrahlen im Vergleich zur Gabe schmerzstillender Medikamente abgeschnitten, für die „Beweise rar und Nebenwirkungen häufig sind“, heißt es in der Meta-Analyse von 16 Studien mit insgesamt 820 Patienten. -
Die Wochenschau 03-2010
Geschrieben am 25. Januar 2010 Keine Kommentare- Auf Pillen gegen die Multiple Sklerose haben Patienten schon seit langem gewartet. Noch müssen sie sich nämlich Interferone spritzen, um den Verlauf der Krankheit wenigstens zu verlangsamen. Nun berichtet das New England Journal of Medicine jedoch über Erfolge mit zwei Substanzen, die man schlucken kann und die trotzdem die Blut-Hirn-Schranke überwinden: Cladribin und Fingolimod haben in klinischen Studien der Phase III ihre Wirksamkeit belegt, wobei Fingolimod sogar im direkten Vergleich deutlich besser wirkte als die bisher gebräuchlichen Arzneien. Wie einer Zusammenfassung im Deutschen Ärzteblatt zu entnehmen ist, ist ein Nachteil der beiden neuen Medikamente jedoch, dass sie das Immunsystem massiv beeinflussen und dadurch offenbar Infektionen mit Herpesviren ausbrechen können. Zwei dieser Infektionen verliefen in den Studien tödlich, außerdem wurden Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Hautkrebs und andere mögliche Nebenwirkungen registriert.
- Wer einen Schlaganfall überlebt müsste gewarnt sein und alles tun, um den zweiten Hirninfarkt zu verhindern, sollte man meinen. Dennoch nehmen nach zwei Jahren bis zu 55 Prozent der Patienten vorbeugende Medikamente nicht mehr ein, berichten schwedische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Stroke.
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Die Wochenschau 02-2010
Geschrieben am 18. Januar 2010 Keine Kommentare- Nach 25 Jahren Forschung gibt es (wieder einmal) Hoffnung auf einen Impfstoff gegen die Tropenkrankheit Malaria, meldet Marcus Theurer aus London in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Jo Cohen habe die Vakkzine für GlaxoSmithKline (GSK) entwickelt, den viertgrößten Pharmakonzern der Welt. Mitbeteiligt war als Geldgeber die von Microsoft-Gründer Bill Gates finanzierte Malaria Vaccine Initiative. Der Impfstoff befindet sich demnach in Phase III der klinischen Prüfung, einem Stadium in dem normalerweise die entscheidenden Daten für die Marktzulassung gesammelt werden. Laut Cohen liegt die Gefahr eines Scheiterns in dieser Phase nur noch bei 10 bis 15 Prozent – “gefühlsstatistisch” scheint sie mir höher zu sein. Mag sein, dass GSK die gute Nachricht gerade jetzt verbreitet, weil das Unternehmen als einer der Hauptproduzenten eines Impfstoffes gegen die Schweinegrippe derzeit von vielen Seiten der Panikmache und Preistreiberei bezichtigt wird. Aber erstens glaube ich nicht an solch eine “Verschwörung”. Zweitens darf, wer Gutes tut, auch darüber reden. Und drittens ist die Malaria mit geschätzten 900000 Todesopfern jährlich nach vor einer der schlimmsten Killer unter den Infektionskrankheiten.
- Die neuesten europäischen Zahlen zur so genannten Schweinegrippe fasst das Deutsche Ärzteblatt zusammen. Demnach haben sich bisher 36,4 Millionen Europäer gegen die neue Form der Influenza impfen lassen und zwar ohne, dass ein Anstieg schwerwiegender Impfkomplikationen erkennbar sei. Die Daten stammen aus einer Pressemitteilung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMEA und von EudraVigilance, einem Netzwerk zur Erfassung von Nebenwirkungen bereits zugelassener Arzneien und Impfstoffe, wo man 8580 Berichte zur Schweinegrippe-Impfung registriert hat. Dem stehen bislang 2078 Todesopfer durch die neue Grippe in Europa gegenüber. Auch für die USA gibt es neue Zahlen, diesmal von deren “Krankheitskontrollzentrum” CDC. Zwischen April und 12. Dezember 2009 gab es demnach geschätzte 55 Millionen Infektionen, das entspricht etwa etwa jedem sechsten Einwohner. Knapp 250000 mussten deswegen ins Krankenhaus, und 11160 Menschen starben. Danke für den Hinweis an Volker Stollorz, dem Experten zum Thema unter Deutschlands Wissenschaftsjournalisten.
- Und zu guter Letzt frage ich Sie, ob sie es auch gemerkt haben. Dass nämlich das letzte Wochenende irgendwie mehr Spaß gemacht hat, als die Arbeitswoche davor? Dann geht es Ihnen wie Richard Ryan, Professor für Psychologie an der Universität von Rochester. “Von Bauarbeitern und Sekretärinnen bis hin zu Ärzten und Rechtsanwälten sind die Menschen von Freitag Abend bis zum Sonntag Nachmittag besser gelaunt und aktiver und sie haben weniger Sorgen und Schmerzen”. So lautet das Ergebnis einer Studie mit 74 arbeitenden Erwachsenen, die Ryan soeben im Journal of Social and Clinical Psychology veröffentlicht hat. Außerdem hat der Wissenschaftler festgestellt, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen dem “Wochenend-Effekt”und 1. Der Freiheit, zu tun was man will sowie 2. Der Gelegenheit, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die man liebt. Mit dieser Erkenntnis ist Ryan sicher ein heißer Kandidat für den Ig-Nobelpreis…
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Die Wochenschau 01-2010
Geschrieben am 10. Januar 2010 Keine KommentareWie angekündigt versuche ich mit diesem Wochenrückblick etwas mehr Bewegung und mehr Inhalte auf dieser Webseite zu präsentieren. In der ersten Woche des neuen Jahrzehnts gab es gleich mehrere News zum Thema Alzheimer und Altern. Neben einem Bericht, dass Handystrahlung – zumindest bei Labormäusen – den Gedächtnisschwund rückgängig machen konnte und einem weiteren Mausexperiment das Hoffnung auf eine Kombinationsbehandlung weckte, fand ich auch die folgende Meldung:
- Ein Nährstoff-Mix namens Souvenaid konnte das Wortgedächtnis bei Patienten mit beginnender Alzheimer-Erkrankung verbessern. Bei der von Danone, dem Hersteller der Substanz, bezahlten Studie hatten 225 Teilnehmer nach dem Losprinzip 12 Wochen lang täglich ein Mal entweder Souvenaid oder ein gleich schmeckendes Getränk ohne Wirkstoffe (Placebo) eingenommen. Danach hätten 40 Prozent der Patienten unter Souvenaid sich besser an Worte erinnert, aber nur 24 Prozent derjenigen, die das Placebo bekamen, berichtet die Zeitschrift Alzheimer’s and Dementia. Der Nährstoffmix enthält außer Uridin, Cholin und Omega-3-Fettsäuren auch Vitamin B, Phospholipide und Antioxidantien und soll angeblich das Wachstum der Synapsen fördern – jener Zellstrukturen also, die dazu dienen, Signale zwischen benachbarten Nervenzellen zu übertragen. Beim Adas-Cog, einem weit verbreiteten und allgemein anerkannten Leistungstest für Alzheimer-Patienten zeigte sich jedoch kein Unterschied zwischen Souvenaid und dem Getränk ohne die Wirkstoffe.
- Wie einer Broschüre des Robert-Koch-Instituts zu entnehmen ist, wurden im Jahr 2006 in Deutschland für den Erhalt der Gesundheit und die Linderung von Krankheitsfolgen durchschnittlich 2.870 Euro für jeden Einwohner ausgegeben – zusammen entsprach das einer Summe von 236 Milliarden Euro. Zusätzlich ist der Verlust am Arbeitsmarkt infolge von Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und Mortalität mit rund 4 Millionen Erwerbstätigkeitsjahren zu berücksichtigen. Die höchsten Kosten entstanden durch Krankheiten des Kreislaufsystems (35,2 Milliarden Euro), an zweiter Stelle stehen die Kosten für Krankheiten des Verdauungssystems (32,7 Milliarden) und an dritter die für psychische und Verhaltensstörungen (26,7 Milliarden). Fast gleich hoch waren die Ausgaben für Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems. Angesichts einer wesentlich längeren Lebenszeit finde ich es wenig überraschend, dass Frauen fast 36 Milliarden Euro mehr Kosten verursacht haben als Männer. Aber es ist ein Punkt, der mir bei den ständigen Diskussionen um Gleichberechtigung und Gehaltsunterschiede durchaus erwähnenswert scheint.
- Mehrere Pharmakonzerne sind in das Visier der EU-Kommission geraten. Sie stehen im Verdacht, den Herstellern von Nachahmerprodukten (Generika) Geld gezahlt zu haben, um die preiswertere Konkurrenz aus dem Markt zu halten. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es dazu, betroffen seien die britischen Konzerne GlaxoSmithKline und AstraZeneca sowie Novartis und Roche aus der Schweiz und Sanofi-Aventis in Frankreich. In Deutschland gingen Anfragen bei Boehringer Ingelheim, beim Darmstädter Merck-Konzern sowie beim Bad Vilbeler Generikahersteller Stada ein. Siehe dazu auch den Bericht über “beunruhigende Trends” auf dem Pharmamarkt.
- China ist zu einem der führenden Länder in der Stammzellforschung geworden. Noch im Jahr 2000 hatten Wissenschaftler aus China lediglich 37 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften vorzuweisen, im Jahr 2008 waren es bereits 1116. Nur die USA, Deutschland, Japan und Großbritannien hätten mehr Fachartikel produziert, ergab eine Analyse des McLaughlin-Rotman Centre for Global Health.
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Sportler altern langsamer
Geschrieben am 4. Januar 2010 Keine KommentareRechtzeitig zum Neuen Jahr präsentieren deutsche Forscher neue Beweise dafür, dass Sport nicht nur fit hält, sondern womöglich auch das Altern verzögern kann. Professor Ulrich Laufs, Facharzt für Kardiologie an der Universität des Saarlandes, untersuchte zusammen mit seinen Kollegen, wie sich körperliche Betätigung auf ein Reparatursystem des Körpers auswirkt, das dem Verschleiß der Erbsubstanz in unseren Zellen entgegen wirkt. Die Wissenschaftler nahmen dafür die Telomere unter die Lupe, das sind Strukturen, die wie Schutzkappen an den Enden der zu Chromosomen zusammen geknäulten Erbsubstanz sitzen. Mit jeder Zellteilung werden die Telomere ein wenig kürzer und eine beliebte Theorie der Altersforschung besagt, dass dieser Effekt die Lebensdauer der Zellen begrenzt. Es gibt jedoch ein Enzym, das dem altersbedingten Verschleiß der Chromosomen entgegen wirkt: die Telomerase.
Als Laufs Team nun die Menge der Telomerase in den Blutgefäßen und weißen Blutkörperchen von Labormäusen verglich, machte man eine interessante Entdeckung: Tiere, die sich in einem Laufrad nach belieben austoben konnten, produzierten offensichtlich mehr Telomerase als Artgenossen, in deren Käfigen kein Laufrad hing. Um zu testen, ob diese Beobachtung auch auf Menschen zutrifft, untersuchten die Mediziner zwei Gruppen von Sportlern und verglichen deren Telomerase-Werte mit denen von gleichaltrigen Bewegungsmuffeln. Sowohl bei durchschnittlich 20 Jahre jungen Mitgliedern der Deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft, als auch bei Langstreckläufern im mittleren Alter, die wöchentlich etwa 80 Kilometer rannten, war die Telomerase eindeutig aktiver als bei in den Kontrollgruppen, so das Ergebnis der Untersuchung. “Das ist ein direkter Beweis für einen Anti-Aging-Effekt durch körperliche Betätigung”, kommentierte Laufs. Die Daten verbesserten das Verständnis der Schutzwirkung von Sport auf der Ebene der Moleküle und unterstrichen die Bedeutung der Bewegung für die Verringerung altersbedingter Krankheiten, ergänzte der Mediziner.
Professor Tim Spector, Genetiker und Alternsexperte am Kings College in London verwies auf zahlreiche andere Studien, die gezeigt haben, dass man kein Leistungssportler sein muss, um das Altern zu bekämpfen. In einer Untersuchung an Zwillingen hatte Spector selbst gezeigt, dass drei Stunden Sport in der Woche bereits ausreichten, um den eigenen Körper zehn Jahre jünger erscheinen zu lassen als bei gleichaltrigen Bewegungsmuffeln. Eine andere Interpretation der Ergebnisse ist allerdings ebenfalls möglich: So wäre es denkbar, dass eine vermehrte Telomerase-Aktivität lediglich eine Begleiterscheinung sportlicher Aktivität ist, nicht aber deren Folge. “Ursache und Wirkung sind in solchen Studien oftmals schwer auseinander zu halten”, räumte denn auch Spector ein. Dennoch liefere die deutsche Untersuchung weitere Beweise, dass regelmäßige Bewegung das Altern womöglich verzögert.
Ein weiteres Argument für mehr Bewegung lieferten derweil schwedische Wissenschaftler der Universität von Göteborg. Wie sie kürzlich in der Fachzeitschrift PNAS berichteten, haben sie die “Herzgesundheit” von 1,2 Millionen Rekruten verfolgt, die in den Jahren 1950 bis 1976 zum Dienst in der schwedischen Armee einberufen wurden. Durch den Abgleich verschiedener Datenbanken konnten die Forscher zeigen, dass diejenigen, die sich auf einem Standfahrrad bei der Musterung als besonders fit erwiesen hatten, im späteren Leben im Durchschnitt intelligenter waren als ihre Altersgenossen. Gleichzeitig hatten diejenigen, die schon früh im Leben mehr Ausdauer bewiesen, später eine bessere Ausbildung vorzuweisen und sie erreichten ein größeres soziales Ansehen als die ehemals schlaffen Schweden. Die wenig überraschende Schlussfolgerung der Wissenschaftler lautet: “Sport könnte ein wichtiges Instrument für öffentliche Gesundheitsinitiativen sein, um die Erziehung und das Denkvermögen zu optimieren und um Krankheiten zu vermeiden.”
Quellen:
- Werner C et al. Physical exercise prevents cellular senescence in circulating leukocytes and in the vessel wall. Circulation. 2009 Dec 15;120(24):2438-47.
- Aberg MA et al. Cardiovascular fitness is associated with cognition in young adulthood. Proc Natl Acad Sci U S A. 2009 Nov 30. [Epub ahead of print]
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Presseschau vom 31. Dezember
Geschrieben am 31. Dezember 2009 Keine KommentareJa, ja. Die guten Vorsätze. Einer davon ist, mehr Leben auf meine Webseiten zu bringen. Deshalb gibt´s ab sofort alle paar Tage diese Presseschau mit Meldungen, die im weitesten Sinne mit Medizin und Gesundheit zu tun haben. Und los geht´s:
- Das Land Baden-Württemberg “sitzt auf” 2,6 Millionen Dosen Schweinegrippe-Impfstoff, empört sich die Badische Zeitung auf Seite 1, und meldet im Innenteil, dies sei nur ein Drittel der bestellten Menge. Im Ländle wurden demnach nur etwa eine Million Einwohner geimpft (von denen ich einer bin) und der Preis liegt bei sieben Euro pro Dosis.Für 30 Prozent der Bundesbürger wurde deutschlandweit Impfstoff geordert, wobei man noch von zwei notwendigen Impfungen ausging. Jetzt will man mit den Herstellern verhandeln, um weniger abnehmen zu müssen. Im Kommentar ereifert sich Michael Neubauer: “Ob bei Weltgesundheitsorganisation oder bei Politikerrunden: Die Impfstoffhersteller saßen an den Krisentischen.” Und weiter “Sich die Frage zu stellen, wie stark Politik und Öffentlichkeit der Pharmalobby auf den Leim gegangen sind, muss ein Pflichtvorsatz fürs neue Jahr sein.” Sorry, da muss ich widersprechen. Mag sein, dass man die Gefahr überschätzt hat, doch wer hätte es besser machen können? Der Politkommentator der Badischen Zeitung vielleicht? Nein – diese Gleichung hatte einfach zu viele Unbekannte und mir ist es allemal lieber, dass mein Steuergeld und meine Krankenkassenbeiträge solch eine Lebensversicherung mitfinanzieren, als Abwrackprämien, Milchbauersubventionen und anderen Blödsinn.
- Das Statistikamt der EU, Eurostat, hat Vergleichszahlen über die Jugend in den 27 Mitgliedsländern der EU vorgelegt. Für mich sind interessant die Zahlen über den Anteil der Raucher bei den 15 – 24jährigen (35 Prozent). Nur die Ungarn und die Österreicher quartzen demnach mehr. Auch beim Saufen stehen deutsche Jugendliche in der ersten Reihe: Jeder zweite der 15 – 16-Jährigen ist hierzulande mindestens ein Mal im Jahr betrunken, neun von zehn in diesem Alter tranken mindestens ein mal im Jahr Alkohol. Bei der Drogen stellte Eurostat fest, dass knapp 15 Prozent der Deutschen zwischen 15 und 34 Jahren kiffen und 1,7 Prozent koksen. Dick sind sie auch noch: Mit 26,5 Prozent Übergewicht für die Altersklasse von 15 bis 24 und 42,7 Prozent für die Altersklasse von 25 bis 34 liegen wir jeweils auf Platz drei unter den 27 EU-Ländern.



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