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Was sonst noch war in KW 34
Geschrieben am 25. August 2010 1 Kommentar- Die Schweinegrippe-Pandemie ist vorbei, verkündet die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag, dem 10.8.2010. Wie es nun weitergehen soll und welche Impfstoffe für die kommende Saison empfohlen werden, steht hier, und außerdem gibt es eine Übersichtsseite zu H1N1 mit laufend aktualisierten Einschätzungen der aktuellen Situation. All diese Infos sind auf englisch.
- Salat schmeckt nicht (das wusste ich schon) und er ist auch nicht gesund (das habe ich geahnt). Beide Thesen stammen von dem hoch geschätzten Kollegen Jörg Albrecht, sind witzig vorgetragen und nachzulesen in der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
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Diabetes: “Stammzellen teuer, riskant & bisher erfolglos”
Geschrieben am 4. August 2010 Keine KommentareErneut haben Ärzte und Wissenschaftler die Firma XCell-Center dafür kritisiert, dass sie teure Therapien mit angeblich unbewiesener Wirkung anbietet. Die Kritik, vorgetragen vom Kompetenznetz Diabetes mellitus und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) richtet sich aber auch an die Bezirksregierung Köln, die als zuständige Genehmigungsbehörde die Aktivitäten des XCell-Centers erlaubt hat. Das XCell-Center ist eine private Klinik mit Standorten in Düsseldorf und Köln, die so genannte “regenerative Therapien” weltweit anbietet. Für die Behandlung des Diabetes werden dort angeblich zwischen 7500 und 10500 Euro verlangt – ein Betrag, der von den Krankenkassen nicht übernommen wird.
Durch die Genehmigung der Bezirksregierung Köln erhielt das XCell-Center die Erlaubnis, Patienten Knochenmark zu entnehmen, die darin enthaltenen Stammzellen im Labor zu isolieren, aufzubereiten und den jeweils gleichen Patienten wieder in die Bauchspeicheldrüse zu transplantieren. Dort sollen die Stammzellen sich in Insulin produzierende Betazellen verwandeln, oder andere Zellen zu dieser Verwandlung anregen. Wie das Kompetenznetz Diabetes mellitus und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) nun in einem offenen Brief an die Bezirksregierung Köln schreiben, ist eine Wirksamkeit dieser Behandlung jedoch wissenschaftlich nicht belegt. Die Patienten würden durch hohe Kosten belastet. Eine Schädigung der Gesundheit durch Nebenwirkungen sei nicht auszuschließen. Zwar sei dies nach erfolgreichen Tierversuchen ein “viel versprechender Ansatz, um zukünftig Diabetes mellitus zu heilen”, urteilten die Experten. „Derzeit gibt es jedoch keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Patienten von einer solchen Therapie profitieren“, kritisieren Professor Anette-Gabriele Ziegler, Sprecherin des Kompetenznetzes Diabetes mellitus (München) und DDG-Präsident Professor Thomas Danne (Hannover).
“Unsere innovative Stammzellentherapie mit autologen Stammzellen (aus dem eigenen Körper des Patienten) ist einzigartig in Europa und bekämpft Diabetes 1 und 2 an der Basis durch Reduzierung der Überzuckerung” verspricht man dagegen beim XCell-Center, und weiter: “Diese transplantierten Zellen können sich in verschiedene Arten von Zellen verwandeln und sind in der Lage, beschädigte Zellen wie etwa die pankreatischen Betazellen zu regenerieren. Unsere innovative Stammzellenbehandlung nutzt das Selbstheilungspotenzial des eigenen Körpers des Patienten, um die Regeneration oder Reparatur anzuregen. Da die transplantierten Zellen autolog sind, besteht praktisch keine Gefahr einer Immunreaktion.”
“Beim Menschen ist die Therapie bisher nicht gelungen”, betonen dagegen die Deutsche Diabetes Gesellschaft und das Kompetenznetz Diabetes in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung. Darin wird auch auf eine Studie verwiesen, die kürzlich in Spanien abgebrochen wurde, nachdem drei von zehn geplanten Patienten behandelt worden waren. Die in die Bauchspeicheldrüse transplantierten Zellen hatten die Insulinproduktion nicht steigern können.
Wollte man den Typ-1-Diabetes mit Stammzellen behandeln, müsste dafür noch ein weiteres Hindernis überwunden werden, erklären die Kritiker. Schließlich handelt es sich hier – im Gegensatz zu Typ-2- Diabetes mellitus – um eine Autoimmunerkrankung, bei der Abwehrzellen der Patienten die Insulin-prodizierenden Betazellen zerstören. Die aggressiven Abwehrzellen blieben auch nach einem Eingriff weiter im Körper vorhanden und würden die transplantierten Stammzellen bedrohen, erklären die Experten. Verhindern ließe sich dies, wenn die transplantierten Zellen so verändert würden, dass das Immunsystem sie nicht mehr erkennt. Dies ist nach Auskunft von Ziegler und Danne bisher nicht gelungen.
Die Alternative bestünde darin, die Autoimmunreaktion durch Medikamente einzudämmen. Dies sei nur mit erheblichen Nebenwirkungen für den Patienten möglich, warnen die Experten. „Solange Nutzen und Risiken der neuen Stammzelltherapie nicht bekannt sind, sollte sie nur im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden“, fordern Ziegler und Danne. Von der Bezirksregierung Köln erwarten sie nun eine Erklärung, wie es zur Zulassung der Therapie für die Firma XCell-Center gekommen ist. Ein Schreiben gleichen Inhaltes wurde außerdem an das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt geschickt, das für die Zulassung von Impfstoffen und biomedizinischen Arzneimitteln zuständig ist.
Quelle:
- Diabetes-Experten warnen vor Stammzelltherapie. Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft.
- Briefe an die Bezirksregierung Köln und das Paul-Ehrlich-Institut mit wissenschaftlicher Stellungsnahme zur Behandlung von Diabetes mellitus mit autologen, adulten Stammzellen durch das XCell-Center (Düsseldorf und Köln)
- Hier geht es zu den Informationen des XCell-Center über die kritisierte Diabetes-Behandlung
Weitere Informationen:
- Über Warnungen vor dem XCell-Center berichteten wir bereits im Oktober 2009. Die Kritik der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Deutschen Parkison-Gesellschaft und des renommierten Stammzellexperten Rudolf Jaenisch verhallte ohne Folgen.
- Der Artikel Stammzellen – Hoffnungsträger mit Risiken enthält weitere Erklärungen, eine kurze Geschichte der Forschung und zahlreiche weiterführende Links.
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Zöliakie: Giftige Bestandteile des Glutens enttarnt
Geschrieben am 23. Juli 2010 Keine Kommentare60 Jahre nachdem der Getreidebestandteil Gluten als Verursacher der Zöliakie dingfest gemacht wurde, sind australische Wissenschaftler einer Therapie für die bislang unheilbare Autoimmunerkrankung einen Schritt näher gekommen. Professor Bob Anderson und seine Mitarbeiter am Walter und Eliza Hall-Institut für Medizinische Forschung in Melbourne haben in äußerst aufwändigen Versuchen heraus gefunden, welche Abschnitte des auch als “Klebereiweiß” bezeichneten Glutens den Dünndarm schädigen können.

Bob Anderson will mit seiner Firma Nexpep eine Immuntherapie gegen die Zöliakie entwickeln (Foto: Czesia Markiewicz, Walter and Eliza Hall Institute)
Eine von Anderson geleitete Biotech-Firma namens Nexpep habe dieses Wissen bereits umgesetzt um eine experimentelle Immuntherapie zu entwickeln, die Patienten gegenüber Gluten “desensibilisieren” soll, heißt es in einer Pressemitteilung. Eine klinische Studie der Phase I sei bereits im Juni abgeschlossen worden, die Ergebnisse würden “in den nächsten Monaten” erwartet. Noch sind Menschen, die an Zöliakie leiden, dazu gezwungen, sich zeitlebens glutenfrei zu ernähren. Da die allergie-auslösenden Bestandteile von Gluten sowohl in Weizen, als auch in Roggen, Gerste und Hafer enthalten sind und diese wiederum in sehr vielen verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten vorkommen, müssen Zöliakie-Patienten mit erheblichen Einschränken leben. Normales Brot ist für sie ebenso tabu wie Bier, Pasta oder Kekse. Glutenfreie Ersatzprodukte sind zwar mittlerweile nicht mehr nur in Reformhäusern, sondern auch in manchen Supermärkten erhältlich. Die Mehrkosten der Patienten, die in einer australischen Untersuchung umgerechnet etwa 900 Euro jährlich ausmachten, werden von den hiesigen gesetzlichen Krankenkassen aber nicht ersetzt.
Weltweit soll Schätzungen zufolge etwa jeder dreihunderste Mensch von der auch als “Sprue” oder “glutenbedingte Enteropathie” bekannten Krankheit betroffen sein. Schon bei Kleinkindern und Säuglingen kann sie zu geblähtem Bauch und häufigem heftigem Stuhlgang führen, sowie zu Übelkeit und Erbrechen, Gewichtsverlust und Entwicklungsstörungen. Bei Erwachsenen kann sich das Leiden auch mit zahlreichen anderen Symptomen bemerkbar machen, darunter Müdigkeit und schlechte Laune sowie Mangelzustände (z. B. Eisen, Folsäure, Vitamin K und D, Kalzium), die den Körper wiederum anfällig für Infektionen machen.
Seit vor 60 Jahren Gluten als Auslöser der Zöliakie entdeckt wurde, war es das höchste Ziel der Forschung, die giftigen Eiweißbestandteile im Gluten zu identifizieren, erklärte Anderson: “Und wir haben das getan.” Wie die Forscher in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine berichten, wurden im Laufe der neujährigen Untersuchung über 200 Zöliakie-Patienten in Australien und Großbritannien untersucht – das sind zehn mal mehr als in vorherigen Studien. Die Freiwilligen mussten dabei an drei aufeinander folgenden Tagen Weizenbrot, Gerstenbrei oder Roggenmuffins essen, um eine Immunantwort gegen Gluten auszulösen. Dann fischten die Forscher jene Immunzellen aus dem Blut der Patienten, die aggresiv auf Gluten reagierten und testeten Tausende von Bruchstücken des Klebereiweißes daraufhin, ob sie die Immunzellen zu reizen vermochten. So fanden die Wissenschaftler ein “toxisches Trio”: Drei Fragmente, die offensichtlich die Krankheit auslösen können.
Dieses toxische Trio ist auch die Grundlage für die neue Immuntherapie, welche Anderson nun mit seinen Kollegen entwickeln will. Den Patienten werden dabei zunächst winzige Mengen der Eiweißfragmente gespritzt und deren Dosierung wird allmählich erhöht, sodass sich die überschießende Immunreaktion abschwächt. Das Prinzip ist als Hyposensibilisierung bekannt ist und erzielt beispielsweise beim Heuschnupfen Erfolgsquoten von annähernd 50 Prozent. Sollte ähnliches auch bei einer Hyposensibilisierung mit dem toxischen Trio gelingen, wäre dies nicht nur für Zöliakie-Patienten eine gute Nachricht. Auch der an der Firma Nexpep beteiligte Anderson dürfte dann finanziell ausgesorgt haben. Die Zahl der Patienten wachse jedes Jahr um 20 Prozent, heißt es auf der Webseite des Unternehmens – und damit auch der Markt für einen Impfstoff.
Quelle:
Weitere Informationen:
- Ziemlich aktuell: Der Stand des Wissens zur Zöliakie bei Wikipedia
- Aus einem Guss und gründlich recherchiert scheint mir der Artikel “Wenn Getreide krank macht” von Kerstin Pohl, den ich in der Pharmazeutischen Zeitung online gefunden habe.
- Als Ratgeber für Betroffene eignet sich m.E. besonders gut der Beitrag “Wenn Gluten den Körper quält” auf der Webseite der Zeitschrift “Stern”.
- Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft ist eine Selbsthilfeorganisation, deren Ziele der “Informations- und Erfahrungsaustausch von Betroffenen und Angehörigen, die praktische Lebenshilfe sowie die gegenseitige emotionale Unterstützung und Motivation zu einem positivem Umgang mit der Erkrankung Zöliakie / Sprue” sind. Bemerkenswert: Die drei Vorstandsmitglieder gehören selbst zum Kreis der Betroffenen Menschen oder haben Kinder mit Zöliakie.
- Details zur experimentellen Immuntherapie der Firma Nexpep in der englischsprachigen Datenbank Clinicaltrials.gov.
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Allergieforscher finden Hemmstoff fürs Immunsystem
Geschrieben am 20. Juli 2010 Keine Kommentare“Bochumer Forscher haben im Stallstaub den Stoff entdeckt, der Landkinder möglicherweise vor Allergien und allergischem Asthma schützt”, heißt es in einer interessanten Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum. Ich denke, dass die Wissenschaftler (oder die Kollegen von der Pressestelle) mit dieser Zusammenfassung womöglich ein wenig über das Ziel hinaus geschossen sind. Denn bei näherer Betrachtung erfährt man, dass es sich hier lediglich um einen Tierversuch mit Immunzellen von Mäusen handelte. Diese Immunzellen – dendritische Zellen, um genau zu sein – haben die Forscher mit Arabinogalaktan in Kontakt gebracht. Arabinogalaktan ist ein pflanzliches Zuckermolekül, das in großen Mengen im Stallstaub enthalten ist. Der Zusammenhang mit der Allergieforschung besteht darin, dass:
- Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, bekanntermaßen seltener an Allergien und allergischem Asthma leiden, als beispielsweise Kinder, die in städtischen Appartmentwohnungen groß werden.
- Was die Landkinder schützt, war lange rätselhaft. Allerdings vermuten viele Wissenschaftler, dass der vermeintliche Schutzstoff in Ställen zu finden sein müßte, womöglich auch im Stallstaub.
- Fanden die Wissenschaftler um Dr. Marcus Peters von der Abteilung Experimentelle Pneumologie der Universität Bochum, dass einer der häufigsten Stoffe im Stallstaub eben dieses Arabinogalaktan ist. Es kommt in großen Mengen in Futterpflanzen wie dem Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis) vor und macht bis zu zehn Prozent des Stallstaubs aus. Aufgrund dieser Indizien war Arabinogalaktan also einer von vielen möglichen Kandidaten für den Stoff, der Landkinder vor Allergien schützt.

Was im Stallstaub steckt: Oben links ein Staubpartikel unter dem Mikroskop. Oben rechts die Analyse, mit der Arabinogalaktan nachgewiesen wurde (Quelle: Ruhr-Universität Bochum)
Zurück zu den Mäusen und deren dendritischen Zellen: Die bildeten nämlich unter dem Einfluss von Arabinogalaktan einen Botenstoff (Interleukin 10), der als Bremse für das Immunsystem fungiert. Und die solchermaßen stimulierten dendritischen Zellen waren – im Gegensatz zu nicht mit Arabinogalaktan stimulierten Zellen – nicht mehr in der Lage, eine allergische Reaktion in Gang zu bringen. „Die Abschwächung der Immunreaktion auf diesem Wege ist uns nicht neu“, erklärte Peters. „Auch manche Bakterien machen sich den Mechanismus gezielt zunutze, um die Immunantwort des Wirts abzuschwächen.“ Durch Arabinogalaktan werde aber nur die übersteigerte Wachsamkeit des Immunsystems verhindert – die Abwehr von Krankheitserregern funktioniere weiterhin normal. “Auf die Dosis kommt es an”, so Peters.
Dass ausgerechnet ein Gras-Bestandteil vor Heuschnupfen schützt, wundert die Forscher nicht: „Das ist eine Konzentrationsfrage“, meint Peters. „In kleineren Konzentrationen können die Pollen des Wiesen-Fuchsschwanzes Allergien auslösen, in großen Dosen und sehr früh im Leben aber auch verhindern. Nichts anderes als eine Dosissteigerung ist ja auch die Strategie bei der Hyposensibilisierung (Anm.: eine mehrjährige Therapie gegen Allergien).”
Ob sich Arabinogalaktan zur Vorbeugung oder auch zur Therapie von Allergien und allergischem Asthma einsetzen lässt, werden die Forscher jetzt untersuchen, so die Presssemitteilung. Und weiter: “Denkbar wäre eine Anwendung als Spray oder Nasentropfen, da die Substanz gut wasserlöslich ist.”
Bis dahin, fürchte ich, ist es allerdings noch ein sehr langer Weg. Laut Wikipedia überstehen nur etwa acht Prozent aller Substanzen, die in Zellkulturen oder Tierversuchen erfolgreich als mögliche Arzneikandidaten getestet wurden, die vorgeschriebenen klinischen Studien am Menschen, bevor sie nach etlichen Jahren auf den Markt kommen.
Quelle:
Weitere Informationen:
- Sehr nützlich und umfangreich fand ich den “Ratgeber Allergie” der Zeitschrift Stern
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Senkt Vitamin D das Parkinson-Risiko?
Geschrieben am 16. Juli 2010 Keine KommentareDas “Sonnen-Vitamin” D schützt womöglich vor der Parkinson-Krankheit, so das Ergebnis einer Studie, die finnische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht haben. Die Forscher um Paul Knekt vom Nationalen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt hatten in den Jahren 1978 bis 1980 bei 3000 Freiwilligen Blutproben genommen und die Versuchsteilnehmer anschließend bis zu 30 Jahre lang beobachtet. Dabei stellte man fest, dass die Parkinson-Krankheit in der Gruppe mit den geringsten Vitamin D-Mengen im Blut etwa drei Mal häufiger häufiger aufgetreten war als bei der Gruppe mit den höchsten Vitamin D-Werten.
Manche Experten spekulieren, dass Vitamin D jene Hirnzellen schützen könnte, deren Niedergang bei der Parkinson-Krankheit das Zittern und die Bewegungsstörungen der Patienten verursacht. Bewiesen ist dieser Zusammenhang allerdings keineswegs, und in einem Kommentar warnte Marian Leslie Evatt von der Emory University auch vor voreiligen Schlüssen. Sie bezweifele, ob sich die Befunde der finnischen Studie auch auf die Bevölkerung anderer Länder übertragen lassen, schrieb die Neurologieprofessorin.
Im Gegensatz etwa zu Deutschland leiden in nördlichen Breiten viele Menschen an einer Unterversorgung mit Vitamin D. Und wenn man nun überall anfänge, etwa durch Vitaminpillen die Versorgung zu “verbessern”, könne dies auch negative Folgen haben. Zumindest aus Tierversuchen gäbe es nämlich auch klare Hinweise, dass eine Überversorgung mit Vitamin D schädlich sein kann, so Evatt.
Den Großteil des Vitamin D stellt der menschliche Körper in der Haut her, wenn diese mit der Sonne ausreichend UV-Strahlen abbekommt. Weitere Quellen des Vitamins sind Fettfische wie Heringe und Sardinen, Lachse, Aale oder Karpfen; aber auch Milch und Getreideprodukte.
Quellen:
- Knekt P. et al. Serum vitamin d and the risk of Parkinson disease. Arch of Neurol 2010 Jul; 67(7): 808-811
- Evatt ML. Beyond vitamin status: is there a role for vitamin d in Parkinson disease? Arch Neurol 2010 Jul;67(7):795-7
Weitere Informationen:
- Im Medizinerjargon und eher skeptisch berichtet das Deutsche Ärzteblatt zusätzlich über eine Studie in der italienischen Region Chianti, wonach erniedrigte Vitamin D-Werte auch mit einem beschleunigten geistigen Verfall im Alter zusammen hängen.
- Alle Artikel über Parkinson bei Simmformation v7
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Mustergeschöpfe – Ausstellung in Schorndorf
Geschrieben am 9. Juli 2010 Keine KommentareStatt Nachrichten aus der Medizin gibt es heute einmal Denkanstöße aus der Kunst und eine Diskussion zu vermelden: “Mustergeschöpfe – Zwischen hohen Erwartungen und großen Befürchtungen” heißt eine Ausstellung, die am Freitag, dem 9. Juli um 19:00 mit einer Vernissage im Röhm eröffnet – auch bekannt als Alte Lederfabrik Schorndorf. Dort stellt die Künstlerin Verena Braunstein interessante Fragen: Macht es uns glücklicher, wenn wir all das verwirklichen, was möglich ist? Wenn alle Menschen vollkommen sind, verlieren wir dann unsere Identität?
“Da wachsen Zwitterwesen in einem Garten heran, kraftvolle Keimlinge strecken sich und Leckereien verführen uns zur Gestaltung unserer selbst – gleichzeitig gerät da auch etwas aus den Fugen, verläßt den kontrollierbaren Bereich, entwickelt ein Eigenleben”, heißt es im Prospekt. Es geht also um die Grenzbereiche des wissenschaftlichen Fortschritts, insbesondere um die Reproduktionsbiologie. Und weil die mich ebenso interessiert wie Frau Braunstein werde ich an diesem Tag gleich zwei mal mitdiskuttieren, sowohl in einer geschlossenen Schülerveranstaltung, als auch nach der Vernissage mit den Besuchern der Ausstellung. Und wer am Freitag nicht kommen kann, bekommt an folgenden Terminen eine zweite Chance, die Ausstellung zu sehen und sich näher mit der Thematik zu befassen:
- Am 11. Juli gibt es um 11:00 eine Sonntagsmatinée mit Frau Annegret Braun, Leiterin der Beratungsstelle Pränataluntersuchung und Aufklärung des Diakonischen Werks Württemberg. “Auf dem Weg zum perfekten Kind” lautet das Thema und es geht dabei um die Angst werdender Eltern, schon während der Schwangerschaft etwas zu versäumen. Das Thema geriet erst vor wenigen Tagen in die Schlagzeilen, nachdem der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil die Präimplantationsdiagnostik außerhalb des Mutterleibs quasi erlaubt hat (genauer: Sie wird nicht bestraft).
- Die Ausstellung ist geöffnet am Samstag, dem 10.7. von 15:00 bis 19:00 und am Sonntag, dem 11.7. von 11:00 bis 18:00 sowie am
- Freitag, dem 16.7. von 16:00 bis 21:00, Samstag 17.7. von 15:00 bis 19:00 und Sonntag 18.7. von 11:00 bis 18:00.
Für alle, denen der Weg nach Schorndorf zu weit ist, oder die sich nach der Ausstellung noch aus weiteren Quellen über die Möglichkeiten, Grenzen und auch den Missbrauch der Techniken zum “Baby-machen” informieren wollen, habe ich folgende Lese- und Videotipps:
- Die Wikipedia mit zahlreichen Fakten zur künstlichen Befruchtung
- “Frozen Angels” (Engel auf Eis) von Frauke Sandig und Eric Black ist eine spannende, 90-minütige Dokumentation über die US-Befruchtungsindustrie und deren Auswüchse, die seit dem Erscheinen des Films im Jahr 2005 keineswegs geringer geworden sind. Der Film hat sogar eine eigene Webseite, Sie können sich aber auch die DVD bei Amazon bestellen.
- Deutlich kürzer, mit Schwerpunkt auf den Verhältnissen in Deutschland und deutlich positiver wurde das Thema dargestellt in einer Quarks & Co Sendung im September 2008 mit dem Titel: Der steinige Weg zum Wunschkind. Auf der WDR-Webseite kann man sowohl ein Manuskript als auch einen Mitschnitt bestellen. Ganz nebenbei wäre es wohl auch eine interessante Übung für das Fach Medienkunde, den Film “Frozen Angels” mit der WDR-Produktion zu vergleichen.
- Der Science-Fiction Film GATTACA schließlich greift in äußerst beeindruckender Weise das Thema der Optimierung des Menschen durch die Möglichkeiten der Gentechnik auf. Als gelernter Genetiker halte ich GATTACA für einen der besten – und realistischsten – Science-Fiction-Filme überhaupt. Eine schöne Besprechung findet sich auf Wikipedia, und natürlich kann man auch diese DVD bei Amazon bestellen.
- Zurück in der Wirklichkeit: Die Kinderwunsch-Seite
gibt Nachhilfe nicht nur über die Grundlagen der Fruchtbarkeit und die natürliche Familienplanung, sondern informiert auch über die zahlreichen Methoden, mit denen Ärzte versuchen, unerfüllte Kinderwünsche zu verwirklichen. Ergänzt wird die gut gemachte Seite durch ein sehr reges Forum, Buchtipps und zahlreiche Service-Angebote.
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Zweifaches Übel: Depressionen fördern Alzheimer
Geschrieben am 5. Juli 2010 Keine KommentareDie Frage, ob Depressionen das Risiko für die Alzheimer-Krankheit erhöhen, haben US-amerikanische Forscher jetzt eindeutig mit “Ja” beantwortet. Wie der Neuropsychologe Robert S. Wilson und sein Team vom Medizinischen Zentrum der Rush University in der Fachzeitschrift Neurology berichten, hat man die Klärung der Streitfrage vor allem 357 älteren Einwohnern des Stadtteils South Side in Chicago zu verdanken. Sie hatten an einer Langzeitstudie teilgenommen – dem Chicago Health and Aging Project – deren wichtigstes Ziel es ist, Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit dingfest zu machen.
Die 357 Senioren waren ausgewählt worden, weil sie alle an Alzheimer erkrankt waren. Ein erster Blick auf die Daten bestätigte dabei, dass in dieser Gruppe etwa doppelt so viele Menschen an Depressionen litten, wie bei einer Vergleichsgruppe von Senioren, die nicht an Alzheimer erkrankt waren. Allerdings konnten die Forscher auch zeigen, dass die Häufigkeit von Depressionen unter den späteren Alzheimer-Patienten über den gesamten Studienzeitraum fast unverändert geblieben war. “Das legt nahe, dass Depressionen ein echter Risikofaktor für die Alzheimer-Erkrankung sind”, so Wilson. “Wenn Depressionen nämlich nur ein frühes Zeichen der Alzheimer-Krankheit wären, dann hätte sich die Häufigkeit der Depressionen mit dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit erhöhen müssen”, erklärte der Wissenschaftler.
Wilson zieht aus seiner Studie die Lehre, dass Depressionen eben nicht als ein unvermeidlicher Bestandteil der Alzheimer-Krankheit betrachtet werden sollten. “Wenn aber ein Alzheimer-Patient Depresionen hat, sollten dies auch behandelt werden.” Für die Forscher der Rush University sind damit noch längst nicht alle Fragen beantwortet. Als nächstes wolle man klären, warum Depressionen das Alzheimer-Risiko erhöhen. Denkbar sind mehrere Ursachen. Zum einen haben Neurowissenschaftler bereits vor mehreren Jahren beobachtet, dass Depressionen zum Zellverlust in bestimmten Hirnregionen führen. Besonders stark betroffen ist davon der Hippocampus, eine Struktur die für das Abspeichern von Gedächtnisinhalten von zentraler Bedeutung ist. Möglich ist es aber auch, dass depressive Menschen deshalb häufiger an Alzheimer erkranken, weil sie weniger soziale Kontakte haben. Ein großer Freundes- und Bekanntenkreis und die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben haben sich nämlich in jüngster Zeit als mögliche Schutzfaktoren erwiesen, die das Risiko für den Gedächtnisschwund verringern könnten.
Quellen:
- die zitierte Studie war bei online-Stellung dieses Textes noch nicht öffentlich zugänglich. Am besten, Sie suchen in der Fachzeitschrift Neurology nach dem Autor Robert S. Wilson.
- Bienias JL et al. Design of the Chicago Health and Aging Project (CHAP). J Alzheimers Dis. 2003 Oct;5(5):349-55.
Weitere Informationen:
- Die Deutsche-Senioren-Liga erklärt, warum Alzheimer und Depressionen oft nur schwer zu unterscheiden sind.
- Bei Lifeline.de fand ich einen nützlichen Artikel über die Begleiterkrankungen bei Alzheimer und wie man sie behandelt.
- Alle Artikel zum Thema Alzheimer bei Simmformation
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Deutschland ist Weltmeister – in Wehleidigkeit
Geschrieben am 17. Juni 2010 Keine KommentareDas war mal wieder ein gefundenes Fressen – für die Nachrichtenagenturen ebenso wie für die Zeitungen, die sich auf eine Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse gestürzt haben: Fast alle Patienten (95 Prozent) seien mit ihren Ärzten zufrieden, hallte es durch den Blätterwald und durch das Internet. Allenfalls mehr Informationen hätte Otto Normalpatient gerne von seinem Arzt und er möchte stärker in die ärztlichen Entscheidungen einbezogen werden.
Weitaus interessanter fand ich aber ganz andere Ergebnisse der angeblich repräsentativen Umfrage, die telefonisch mit 1000 gesetzlich Versicherten durchgeführt wurde. Ich schreibe angeblich repräsentativ, denn die privat Versicherten hat man offensichtlich ignoriert und deren Verhalten in punkto Gesundheit unterscheidet sich bekanntlich deutlich von dem gesetzlich versicherter Menschen. Jetzt aber genug der Vorrede und weiter mit dem für mich wirklich Erstaunlichen an dieser Untersuchung:
- 45 Prozent der Befragten waren innerhalb der letzten vier Wochen beim Arzt
- 90 Prozent waren im letzten halben Jahr beim Arzt, und jetzt kommt´s:
- nahezu jeder Zweite hielt sich für chronisch krank, bei den über 60-Jährigen waren es sogar zwei Drittel
Oh je, oh je. Geht es uns wirklich so schlecht? Ein klares “Nein” ist die Antwort, den die Schätzungen für den Anteil “echter” chronisch Kranker an der Bevölkerung liegt laut statistischem Bundesamt bei 28 Prozent und aus den Versichertendaten der Techniker Krankenkasse ergibt sich “nur” ein Wert von 20 Prozent. Als “chronisch”, das sei nebenbei bemerkt, gelten Krankheiten, die sich langsam entwickeln oder lange (mehr als vier Wochen) anhalten. Das jeder zweite sich für chronisch krank hält, findet der Vorstandsvorsitzende der TK, Norbert Klusen übrigens bedenklich: “Und es lässt auch Rückschlüsse auf die Erwartungshaltung der Menschen gegenüber unserem Gesundheitswesen zu”.
Dem kann ich nur zustimmen und schließe aus dieser Umfrage, dass die Deutschen offensichtlich ganz besonders wehleidig sind. Eine weitere Zahl aus der Umfrage bestätigt meinen Verdacht: Mit 18 Arztbesuchen pro Jahr liegen wir weltweit an der Spitze.
Quellen:
- Beate Bestmann, Frank Verheyen. Patientenzufriedenheit (PDF, 478 KB )
. Ergebnisse einer repräsentativen Studie in der ambulanten ärztlichen Versorgung. WINEG Wissen | 01. Hamburg: Techniker Krankenkasse 2010. - Zusammenfassung der Studie zur Patientenzufriedenheit
- Arzt und Patient auf Augenhöhe? Deutschlands Patienten wollen mitreden. (Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse zur Studie über Patientenzufriedenheit)
- Der “Arztreport” der Barmer GEK vom Januar 2010
Weitere Informationen:
- 17,7 Arztbesuche pro Jahr – ein lesenswerter Artikel im Kölner Stadtanzeiger von Stefan Sauer aus dem Vorjahr
- Ein Deutungsversuch von Sven Böll im Spiegel: Placebo-Politik füllt deutsche Wartezimmer
- Deutsche gehen immer häufiger zum Arzt, berichtete z.B. auch der Stern über den “Arztreport” der Krankenkasse Barmer GEK
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Mit dunkler Schokolade gegen den Schlaganfall?
Geschrieben am 31. März 2010 1 KommentarAls Schokoladen-Fan freue ich mich über die folgende Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Postdam-Rehbrücke. Wenn es stimmt, was dessen Wissenschaftler in einer großen Studie mit 20000 Teilnehmern heraus gefunden haben, dann ist ein tägliches kleines Stück (rezeptfreier) dunkler Schokolade ähnlich wirksam zur Senkung des Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risikos, wie die besten Medikamente, die es derzeit gegen Herzkreislauferkrankungen gibt. Natürlich ist dies kein seriöser Vergleich, und mancher Kollege wird mich deshalb vielleicht schelten, denn untersucht wurden im ersten Fall die Ernährungsgewohnheiten gesunder Männer, während die Medikamente ja in der Regel nur besonders gefährdeten Personen verschrieben werden. Aber interessant wäre es doch, so eine Vergleichsstudie von Statinen gegen Schokolade und ich würde mich dafür sogar freiwillig melden…
Langzeitstudie: Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken
Der tägliche Verzehr von einem kleinen Stück Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, insbesondere für Schlaganfall. Dabei ist der Effekt zum Teil auf eine blutdrucksenkende Wirkung der Schokolade zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), nachdem es die Daten einer großen Langzeitstudie mit circa 20000 Teilnehmern ausgewertet hatte.

Mmmm - dunkle Schokolade. Und gesund ist sie auch noch, denn sieben Gramm am Tag senken den Blutdruck senken und verringern dadurch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle (Foto: Wikipedia)
Der in dunkler Schokolade enthaltene Kakao enthält viele Flavanole, die sich günstig auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck auswirken. Dies haben in den letzten Jahren verschiedene klinische Kurzzeitstudien belegen können. Ergebnisse aus Langzeitstudien gab es aber kaum. Für die DIfE-Forscher war dies der Grund, den Sachverhalt mit Hilfe der Potsdamer Epic-Studiendaten zu überprüfen und mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung zu bringen. Die Epic-Studie ist ein europaweites Projekt, das die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. Insgesamt hat Epic 519000 Teilnehmer, deren Daten von 23 Zentren in zehn Ländern erfasst werden. Epic ist eine prospektive Studie, was bedeutet, dass TeilnehmerInnen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen. Bei retrospektiven (“zurückschauenden”) Studien dagegen werden bereits erkrankte Menschen befragt. Diese Methode hat aber eine geringere Aussagekraft, weil die Daten durch ein schlechtes Gedächtnis und verfälschte Erinnerungen der Studienteilnehmer ungenauer sind.
In der aktuellen Studie erlitten während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von etwa acht Jahren 166 Studienteilnehmer einen Herzinfarkt – 136 Personen erkrankten an einem Schlaganfall. Aus den in den Jahren 1994 bis 1998 erhobenen Epic-Basisdaten ermittelten die Forscher die Zusammenhänge zwischen dem Schokoladenverzehr, dem Blutdruck und dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wie die Studie zeigt, haben Personen, die im Schnitt etwa sieben Gramm kakaohaltiger Schokolade pro Tag verzehren, im Vergleich zu Personen, die nur wenig Schokolade essen, ein um fast 40 Prozent verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei sank das Schlaganfallrisiko um fast die Hälfte – das Herzinfarktrisiko verminderte sich um 27 Prozent. Der Erstautor der neuen Studie, Brian Buijsse, war bereits vor vier Jahren durch die Auswertung einer niederländischen Bevölkerungsstudie mit 470 Männern zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen: Dort hatte sich gezeigt, dass Personen, die im Durchschnitt täglich vier Gramm Kakao verzehren, nicht nur einen niedrigeren Blutdruck, sondern in dem 15-jährigen Beobachtungszeitraum auch ein vermindertes Risiko hatten, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Vier Gramm Kakao ist eine Menge, die mit zehn Gramm Bitterschokolade vergleichbar ist.
„Schokolade ist für ihren blutdrucksenkenden Effekt bekannt. Da ein hoher Blutdruck für Schlaganfälle ein stärkerer Risikofaktor ist als für Herzinfarkte, haben wir erwartetet, dass der Schokoladenverzehr auch stärker mit einem verminderten Schlaganfallrisiko verbunden ist. Genau dies haben wir in den Studiendaten gesehen“, sagte Buijsse.
In der aktuellen Studie hatten die Personen mit dem höchsten Schokoladenverzehr einen geringeren Blutdruck als die Personen mit dem geringsten Schokoladenverzehr. Allerdings war der Blutdruckunterschied weniger stark ausgeprägt als in anderen Studien. Ein Grund für die relativ geringe Blutdrucksenkung könne die Vorliebe der meisten Studienteilnehmer für Vollmilchschokolade sein, mutmaßt Buijsse. Denn Vollmilchschokolade hat einen geringeren Kakaoanteil als Bitterschokolade und somit auch einen geringeren Anteil an blutdrucksenkenden Flavanolen.
Heiner Boeing, Studienleiter der Potsdamer EPIC-Studie, merkt an, dass die neuen Studienergebnisse keinen Freibrief für einen ungehemmten Schokoladenverzehr erteilen. Denn Schokolade in großen Mengen konsumiert macht dick und ist damit ungesund. Geringe Mengen Schokolade können dagegen die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern. Dabei sind insbesondere Schokoladen mit einem hohen Kakaoanteil zu empfehlen.
Quellen:
Buijsse et al. Chocolate consumption in relation to blood pressure and risk of cardiovascular disease in German adults. European Heart Journal DOI 10.1093/eurheartj/ehq068
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Mit dem Laser gegen Altersweitsichtigkeit
Geschrieben am 3. März 2010 Keine KommentareDas ist ja ´mal eine interessante Geschichte zu einem Gebrechen, das mich ebenso betrifft wie so ziemlich jeden über 50: Die Altersweitsichtigkeit könnte womöglich mit einer neuartigen Lasertherapie überwunden werden. Zur Klarstellung: Dies ist ein Verfahren, das bisher nur im Tierversuch (an Kaninchen) und an den Augenlinsen verstorbener Organspender erprobt wurde. Dennoch möchte ich Professor Christian Ohrloff zitieren: „Diese Resultate sind sehr vielversprechend“, sagt der Direktor der Universitätsaugenklinik Frankfurt am Main. Das Verfahren der so geannnten fs-Lentotomie könnte erstmals die Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) bei der Ursache angreifen, so Ohrloff.
Genaueres erklärt die folgende, nur leicht überarbeitete Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG):
Das Problem beginnt schon im mittleren Alter und zeigt sich zum Beispiel beim Lesen: Zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr erfassen die Augen der meisten Menschen nahe Ziele nicht mehr scharf. Ursache dieser Altersweitsichtigkeit oder Presbyopie ist die nachlassende Flexibilität der Linse. Zwar gleicht eine Lesebrille die verlorene Nahanpassung des Auges aus. Wiederherstellen lässt sich die verlorene Sehkraft aber bislang nicht. Ein neues Laserverfahren kann nun die Elastizität der Linse wieder erhöhen, wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) betont. Bisher noch in der experimentellen Phase, lässt dies erstmals auf eine ursächliche Therapie der Altersweitsichtigkeit hoffen.
Hauptursache der Presbyopie ist die zunehmende Verhärtung des Linsengewebes. Die Linse kann sich dadurch nicht mehr ausreichend abkugeln, um Gesehenes auf die Mitte der Netzhaut zu projizieren. „Dadurch rücken jene Objekte, die das Auge gerade noch fokussieren kann, mit steigendem Alter immer weiter in die Ferne“, erläutert DOG-Mitglied Professor Holger Lubatschowski vom Laser Zentrum Hannover. „Angesichts der älter werdenden Bevölkerung betrifft dieses Problem zukünftig immer mehr Menschen“, gibt Professor Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG zu bedenken. Zwar ermöglichen neben der Lesebrille seit einigen Jahren auch implantierbare Kunstlinsen das Fokussieren auf nahe Gegenstände. Aber die Elastizität der natürlichen Linse ließ sich bislang nicht steigern.
Dies ändert jetzt der Femtosekunden-Laser (fs-Laser). Dessen ultrakurze Pulse nutzen Augenmediziner schon seit Jahren dazu, die Brechkraft der Hornhaut zu verändern. „Bei der neuen fs-Lentotomie schneidet der Laser gezielt feinste dreidimensionale Muster in die Linse“, sagt Lubatschowski. „Die dadurch erzeugten Gleitebenen sollen die Elastizität erhöhen, so dass sich das Auge wieder dynamisch auf nahe Ziele einstellen kann.“ Ein Team um Lubatschowski prüfte das Verfahren zunächst an mehr als 40 menschlichen Autopsielinsen unterschiedlichen Alters. Bei zwei Drittel der Linsen stieg die Flexibilität, bei fast der Hälfte sogar um über 30 Prozent.
Zunächst waren unmittelbar nach dem Eingriff sowohl die vom Laser erzeugten Gasbläschen als auch die Schnittmuster im Linsengewebe sichtbar. Aber die Bläschen verschwanden binnen Stunden vollständig. Im Tiermodell am Kaninchen blichen die Schnittstrukturen während der folgenden Monate weitgehend aus. Inwieweit die noch verbleibenden geringen Spuren die Sehqualität beeinträchtigen, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Abseits der Schnitte fanden die Forscher jedenfalls keinerlei verändertes Gewebe. Damit sei eine Trübung der Linse äußerst unwahrscheinlich, betonen sie. Bis das Verfahren zum Einsatz kommen kann, seien jedoch noch “umfassende Studien” nötig.
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