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Krebsforschung – Verunsicherung durch falsche Zellen
Geschrieben am 15. Januar 2010 Keine KommentareDutzende von Forschungsarbeiten zum Speiseröhrenkrebs haben womöglich falsche Ergebnisse erbracht, weil die dabei benutzten Zelllinien tatsächlich von Tumoren der Lunge, des Darms und des Magens abstammen. Dass die angeblichen Speiseröhren-Zellen verunreinigt sind, hat ein internationales Team von Wissenschaftlern mit einer Methode bewiesen, die auch bei der Verbrecherjagd immer häufiger zu Einsatz kommt: Dem so genannten STR-Fingerprinting.
Wie die Forscher im Journal of the National Cancer Institute berichten, hatten sie Labors aus aller Welt gebeten, Zelllinien einzusenden, die ursprünglich einmal aus den Zellen bestimmter Tumoren (Adenokarzinome) der Speiseröhre gezüchtet worden waren. Diese Tumoren hatte man bei der Operation einzelner Patienten entfernt. Als die Wissenschaftler um Jurjen J. Boonstra vom Medizinischen Zentrum der Universität Rotterdam jedoch die Abstammung von 13 solcher Zelllinien überprüften, fanden sie drei “Ausreißer”, die offensichtlich verunreinigt waren. Statt Zellen der Speiseröhre fanden sie im Fingerprinting-Test charakteristische Merkmale für Zellen aus Lunge, Magen und Darm. Experimente mit den drei offensichtlich verunreinigten Zelllinien SEG-1, BIC-1 und SK-GT-5 aber hätten in den USA zu elf Patenten geführt, zu mehr als 100 Fachpublikationen sowie zu klinischen Studien mit Patienten, die an Speiseröhrenkrebs leiden.”Die weitverbreitete Nutzung dieser Zelllinien könnte die Entwicklung neuer Therapien gefährden”, befürchten nun die Forscher.
Dabei sind verunreinigte oder falsch gekennzeichnete Zelllinien kein neues Problem, weiß Professor Hans G. Drexler, der als Abteilungsleiter an der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSZM) zuständig ist für menschliche und tierische Zelllinien. Manchmal stecken in der ursprünglich entnommen Probe eines Tumors zusätzlich Krebszellen aus einem anderen Organ. Wenn diese schneller wachsen als die eigentlich gewünschten Zellen wird der Anteil der Fremdlinge im Laufe der Zeit immer größer und die ursprünglichen Eigenschaften der Zelllinie gehen verloren. Solch eine “feindliche Übernahme” droht auch bei handwerklichen Fehlern im Labor. Am häufigsten aber, schätzt Drexler, sind ganz einfache Verwechslungen. “Man beschriftet gerade 96 Röhrchen, wird dabei abgelenkt – und schon steht ein A, wo eigentlich B stehen sollte”, so der gegenwärtige Interimsdirektor des DSZM. Bereits vor elf Jahren hat Drexler eine Studie vorgelegt, bei der er unter 252 menschlichen Zelllinien 45 fand, die nicht das waren, was sie schienen. Das entspricht einem Anteil von 18 Prozent, also fast einem Fünftel.
Am DSZM arbeitet man schon lange mit der Fingerprinting-Technik, um die Identität der dort angebotenen Zelllinien zu überprüfen. Tatsächlich befindet sich im Katalog der DSZM keine der von Boonstra enttarnten “falschen” Zelllinien – eine Absicherung, von der jeder Wissenschaftler für 270 Euro profitieren kann. “Wir hätten das gemerkt”, behauptet Drexler selbstbewusst und verweist auf die Kooperation mit US-amerikanischen und japanischen Zellbanken, die allen Beteiligten Zugriff auf eine gewaltige Datenbank mit den typischen Kennzeichen der verschiedenen Zelllinien erlaubt. “Es gibt aber immer wieder Schlaumeier, die sich das Geld sparen wollen und Zellen fragwürdiger Qualität aus dem Kühlschrank eines befreundeten Labors benutzen”, so Drexler. “Bei einer Fehlerquote von 18 Prozent ist dies ein ziemlich großes Risiko – nicht nur für jemanden, der gerade eine Doktorarbeit schreibt.”
Quellen:
- Boonstra JJ, van Marion R, Beer DG, et al. Verification and unmasking of widely used human esophageal adenocarcinoma cell lines. J Natl Cancer Inst (2010) 102(4)
- McLeod RA et al. Widespread intraspecies cross-contamination of human tumor cell lines arising at source. Int J. Cancer. 1999 Nov 12;83(4):555-63
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Die Wochenschau 01-2010
Geschrieben am 10. Januar 2010 Keine KommentareWie angekündigt versuche ich mit diesem Wochenrückblick etwas mehr Bewegung und mehr Inhalte auf dieser Webseite zu präsentieren. In der ersten Woche des neuen Jahrzehnts gab es gleich mehrere News zum Thema Alzheimer und Altern. Neben einem Bericht, dass Handystrahlung – zumindest bei Labormäusen – den Gedächtnisschwund rückgängig machen konnte und einem weiteren Mausexperiment das Hoffnung auf eine Kombinationsbehandlung weckte, fand ich auch die folgende Meldung:
- Ein Nährstoff-Mix namens Souvenaid konnte das Wortgedächtnis bei Patienten mit beginnender Alzheimer-Erkrankung verbessern. Bei der von Danone, dem Hersteller der Substanz, bezahlten Studie hatten 225 Teilnehmer nach dem Losprinzip 12 Wochen lang täglich ein Mal entweder Souvenaid oder ein gleich schmeckendes Getränk ohne Wirkstoffe (Placebo) eingenommen. Danach hätten 40 Prozent der Patienten unter Souvenaid sich besser an Worte erinnert, aber nur 24 Prozent derjenigen, die das Placebo bekamen, berichtet die Zeitschrift Alzheimer’s and Dementia. Der Nährstoffmix enthält außer Uridin, Cholin und Omega-3-Fettsäuren auch Vitamin B, Phospholipide und Antioxidantien und soll angeblich das Wachstum der Synapsen fördern – jener Zellstrukturen also, die dazu dienen, Signale zwischen benachbarten Nervenzellen zu übertragen. Beim Adas-Cog, einem weit verbreiteten und allgemein anerkannten Leistungstest für Alzheimer-Patienten zeigte sich jedoch kein Unterschied zwischen Souvenaid und dem Getränk ohne die Wirkstoffe.
- Wie einer Broschüre des Robert-Koch-Instituts zu entnehmen ist, wurden im Jahr 2006 in Deutschland für den Erhalt der Gesundheit und die Linderung von Krankheitsfolgen durchschnittlich 2.870 Euro für jeden Einwohner ausgegeben – zusammen entsprach das einer Summe von 236 Milliarden Euro. Zusätzlich ist der Verlust am Arbeitsmarkt infolge von Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und Mortalität mit rund 4 Millionen Erwerbstätigkeitsjahren zu berücksichtigen. Die höchsten Kosten entstanden durch Krankheiten des Kreislaufsystems (35,2 Milliarden Euro), an zweiter Stelle stehen die Kosten für Krankheiten des Verdauungssystems (32,7 Milliarden) und an dritter die für psychische und Verhaltensstörungen (26,7 Milliarden). Fast gleich hoch waren die Ausgaben für Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems. Angesichts einer wesentlich längeren Lebenszeit finde ich es wenig überraschend, dass Frauen fast 36 Milliarden Euro mehr Kosten verursacht haben als Männer. Aber es ist ein Punkt, der mir bei den ständigen Diskussionen um Gleichberechtigung und Gehaltsunterschiede durchaus erwähnenswert scheint.
- Mehrere Pharmakonzerne sind in das Visier der EU-Kommission geraten. Sie stehen im Verdacht, den Herstellern von Nachahmerprodukten (Generika) Geld gezahlt zu haben, um die preiswertere Konkurrenz aus dem Markt zu halten. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es dazu, betroffen seien die britischen Konzerne GlaxoSmithKline und AstraZeneca sowie Novartis und Roche aus der Schweiz und Sanofi-Aventis in Frankreich. In Deutschland gingen Anfragen bei Boehringer Ingelheim, beim Darmstädter Merck-Konzern sowie beim Bad Vilbeler Generikahersteller Stada ein. Siehe dazu auch den Bericht über “beunruhigende Trends” auf dem Pharmamarkt.
- China ist zu einem der führenden Länder in der Stammzellforschung geworden. Noch im Jahr 2000 hatten Wissenschaftler aus China lediglich 37 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften vorzuweisen, im Jahr 2008 waren es bereits 1116. Nur die USA, Deutschland, Japan und Großbritannien hätten mehr Fachartikel produziert, ergab eine Analyse des McLaughlin-Rotman Centre for Global Health.
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Kombinationstherapie gegen Alzheimer in Sicht?
Geschrieben am 6. Januar 2010 Keine KommentareVorläufig sind es nur alte Labormäuse, deren Gedächtnis eine neuartige Behandlungsstrategie auf die Sprünge geholfen hat. Dennoch könnten die Versuche von Vivian W. Chow, Philip C. Wong und deren Kollegen an der Johns Hopkins School of Medicine im US-amerikanischen Baltimore wegweisend sein für die zukünftige Behandlung der Alzheimer-Krankheit beim Menschen. Hier gibt es zwar eine Handvoll Medikamente, welche die Symptome des Leidens bekämpfen und die beispielsweise die Einweisung in ein Pflegeheim für viele Patienten verzögern können. Dennoch gehen die heute verfügbaren Arzneien nicht an die Wurzel des Übels: Ablagerungen bestimmter Eiweißbruchstücke (Plaques), die sich im Laufe von Jahrzehnten ansammeln und die nach Meinung der meisten Wissenschaftler für den Tod der Nervenzellen bei der Alzheimer-Krankheit verantwortlich sind.
Nun ist es zwar in den vergangenen Jahren gelungen, gezielt gleich mehrere Gruppen von Arzneimittelkandidaten zu entwickeln, welche die Entstehung neuer Plaques verhindern und die alte Plaques auflösen können. Viele dieser Stoffe erwiesen sich jedoch im Tierversuch als zu gefährlich. Hemmt man beispielsweise zu stark das Enzym Beta-Sekretase, das an der Plaquebildung maßgeblich beteiligt ist, so stört dies die Funktion der Nervenzellen und Mäuse zeigen Verhaltensweisen, die einer Schizophrenie beim Menschen ähneln. Blockiert man dagegen ein zweites Schlüsselenzym, die Gamma-Sekretase, so zeigen die Tiere Entwicklungsstörungen, viele bekommen Hautkrebs und sie sterben im Durchschnitt früher als unbehandelte Artgenossen.
Angesichts dieser Komplikationen erprobten die Forscher nun unter der Leitung von Donald Price eine Strategie, um mögliche Nebenwirkungen zu verringern: Durch genetische Tricks verringerten sie geringfügig die Aktivität sowohl der Beta-Sekretase als auch der Gamma-Sekretase und reduzierten dadurch wie erhofft recht deutlich die Ablagerungen im Gehirn der Tiere, ohne die gefürchteten Nebenwirkungen hervor zu rufen. Die Lebensspanne der Versuchstiere war unverändert, sie entwickelten keine Tumoren oder sonstigen Abnormalitäten. Die Behandlung schien lediglich eine leichte Veränderung im Durchmesser des Sehnerves hervor zu rufen, die jedoch als wenig bedenklich eingestuft wurde.
Dass die Kombinationsstrategie nicht nur gut verträglich war, sondern auch das Gedächtnis der Tiere verbesserte konnten die Wissenschaftler in einem Standardtest zeigen. Die genetisch manipulierten Tiere konnten sich dabei deutlich besser an einmal gemerkte Plätze erinnern als unbehandelte Artgenossen. “Zusammen gefasst unterstützen diese Ergebnisse die Idee, dass eine geringfügige Hemmung von Beta-Sekretase und Gamma-Sekretase das Gehirn besser schützt und gleichzeitig Nebenwirkungen verringert”, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine. Eine gegen die Plaques gerichtete Kombinationstherapie könne deshalb “nützlich zur Vorbeugung und / oder Behandlung der Alzheimer-Krankheit sein.”
Quelle:
- Chow, VW et al. Modeling an Anti-Amyloid Combination Therapy for Alzheimer´s Disease. Science Translational Medicine 2(13)1-12. Jan 6 2010.
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USA: Pharma-Lobby schreibt Reden für Politiker
Geschrieben am 17. November 2009 Keine KommentareHut ab vor dem Kollegen Robert Pear, der am vergangenen Sonntag in der New York Times auf Seite 1 enthüllte, wie die Gentechnikfirma Genentech Dutzenden von US-Politikern ihre Worte in den Mund legte. “Im Parlament sprechen viele mit einer Sprache – und zwar der der Lobbyisten”, so könnte man die Überschrift des Artikels übersetzten (hier geht´s zum Original). Dem Journalisten war aufgefallen, dass viele Politiker immer wieder die Biotech-Industrie lobten – und zwar teilweise mit identischen Sätzen. Einer der sich dafür nicht zu Schade war, war der Republikanische Abgeordnete Joe Wilson. Während der heftigen Debatten um die Reform des US-amerikanischen Gesundheitssystems sagte Wilson: “Einer der Gründe, warum ich die US-Biotechindustrie schon lange unterstützte ist, dass dies eine hausgemachte Erfolgsgeschichte ist und ein Motor zur Schaffung neuer Arbeitsplätze für unser Land”. Den Exakt gleichen Satz hatte auch Wilsons Parteigenosse Blaine Luetkemeyer genutzt. Die schönen Worte stammten allerdings nicht von den beiden “Volksvertretern”, sondern sie wurden von Lobbyisten geschrieben, die in der US-Hauptstadt Washington für die Firma Genentech arbeiten.
E-Mails, die der New York Times vorliegen, zeigen demnach, dass die Lobbyisten die gleiche Botschaft in zwei Varianten an die Abgeordneten heran trugen: Eine für Angehörige der Demokratischen Partei und eine zweite Variante für Republikaner. Mit dieser Strategie seien die Lobbyisten so erfolgreich gewesen, dass die entsprechenden Äußerungen auch mehrfach im Congressional Record landeten, der offiziellen Zeitung, in der alle Tätigkeiten und Debatten des US-Parlaments für die Öffentlichkeit und die Geschichtsbücher dokumentiert werden.
Genentech, das mittlerweile vom Schweizer Pharmariesen Roche übernommen wurde, war die erste reine Biotechnologiefirma der Welt und zählt heute zu den vier größten Unternehmen in diesem Bereich. Wie Pear berichtet, hätten insgesamt 42 Abgeordnete beider Parteien Argumente aus den Vorlagen der Lobbyisten übernommen. Die nahe liegende Frage, ob und welche Gegenleistungen die Politiker für das Nachplappern der Pharmaparolen bekommen haben, beantwortet der Journalist zwar nicht. Pear deckt aber auf, dass die Stellungsnahmen aus der Feder von Matthew L. Berzok stammen, einem Anwalt der Kanzlei Ryan, MacKinnon, Vasapoli & Berzok. Verteilt wurden die Statements dann von den Lobbyisten einer anderen Kanzlei, Sonnenschein Nath & Rosenthal. Zum Beweis zitiert Pear aus einer E-Mail, die einer der Leiter der Kanzlei geschrieben hat: ““Wir versuchen alles menschenmögliche, um so viele republikanische und demokratische Kongressabgeordnete für diese Stellungsnahmen zu gewinnen, wie wir können”, gab Todd M. Weiss die Richtung vor und wies seine Lobbyisten an: “aggresiv auf unsere Kontaktleute einzuwirken, damit deren Bosse die angehängten Stellungsnahmen in die öffentlichen Aufzeichnungen bringen.”
Pear hat übrigens auch einen nicht namentlich genannten Lobbyisten befragt, “der Genentech nahe steht”. Für diesen Mann war die Sache offensichtlich wenig aufregend: “So etwas passiert jeden Tag”, sprach der Lobbyist. “Daran war überhaupt nichts Schändliches.”
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Gentherapie stoppt schwere Hirnerkrankung
Geschrieben am 6. November 2009 2 KommentareFranzösische, deutsche und amerikanische Wissenschaftler haben womöglich einen Durchbruch in der Gentherapie erzielt. Durch die Transplantation gentechnisch veränderter Blutstammzellen ist es ihnen bei zwei siebenjährigen Jungen gelungen, eine fatale erbliche Erkrankung des Gehirns aufzuhalten – die Adrenoleukodystrophie (ALD). Auf einer Pressekonferenz in Paris verkündeten die Wissenschaftler gestern ihren Erfolg; heute veröffentlichte die Fachzeitschrift Science dann Details zu dem gelungen Versuch. Demnach haben die Forscher den zwei Buben vor mehr als zwei Jahren zunächst defekte Blutstammzellen entnommen und diesen Zellen dann mithilfe eines “umgebauten” Virus gezielt ein Gen hinzugefügt. Anschließend hatten Ärzte die schadhaften blutbildenden Zellen im Körper der Kinder mit Medikamenten ausgemerzt. Im letzten Schritt erhielten die beiden Jungs dann mit einer Infusion die gentechnisch reparierten Zellen aus dem Labor zurück in den Körper, wo sie sich vermehrten und den Krankheitsprozess zum Stillstand brachten.

Schema zur Gentherapie gegen Adrenoleukodystrophie (Grafik mit freundlicher Genehmigung von Patrick Aubourg)
Zum Beweis präsentierten die Forscher Aufnahmen von den Gehirnen der beiden Jungs, die vor und nach dem Eingriff mit einem Kernspintomographen aufgenommen wurden. Sie zeigen, dass der für die ALD typische Verlust der lebenswichtigen “Isolierungsschicht” (Myelinscheide) um die Nerven bald nach der Gentherapie zum Stillstand kam. Im Vergleich dazu zeigen die Aufnahmen eines unbehandelten Achtjährigen, dass die Schäden sich dort wie bei einem Flächenbrand fast über das gesamte Gehirn ausbreiteten. Auch die neurologische Untersuchung bestätigt den Erfolg der Gentherapie: Während vier unbehandelte Kinder zwei Jahre nach Ausbruch der ALD gelähmt, stumm und blind waren, seien die geistigen und körperlichen Funktionen des einen Gentherapie-Empfängers bis auf eine Sehstörung normal und unverändert geblieben. Der zweite Junge, dem man die genmanipulierten Zellen verabreicht hatte, behielt ebenfalls sein Sprachvermögen. Seine körperliche Leistungsfähigkeit ging zwar auf einer Skala von ursprünglich 99 auf 74 Punkte zurück, blieb aber von da an stabil.
Die einzige Möglichkeit, die ALD zu stoppen war bisher eine Knochenmarktransplantation. Allerdings ist dieser radikale Eingriff mit einem Sterberisiko von fünf bis 20 Prozent äußerst riskant und außerdem nur in jenen Fällen möglich, wo auch ein geeigneter Spender zur Verfügung steht. Dies war bei den beiden Jungen, an denen die Gentherapie der ADL erstmals erprobt wurde, nicht der Fall. Umso mehr freute sich der leitende Arzt des internationalen Forscherteams, Patrick Aubourg: “Dies ist das erste Mal, dass wir solch eine Gen-Fähre erfolgreich beim Menschen benutzt haben und es ist auch das erste Mal, dass eine sehr schwere Erkrankung des Gehirns mittels Gentherapie wirksam behandelt wurde”, sagte der Professor für Kinderheilkunde an der Universität Paris-Descartes. Etwa 35 Babies pro Jahr werden in Frankreich mit ADL geboren, in Deutschland sind es schätzungsweise 40.
An der Entwicklung der Genfähre, auf die Aubourg viele Jahre lang gehofft hat, waren deutsche Wissenschaftler vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg maßgeblich beteiligt, darunter auch der Sprecher des Direktoriums, Professor Christof von Kalle. In einem Video-Interview erinnerte der Mediziner daran, dass ein früher Versuch, Stammzellen des Blutes mit gentechnisch veränderten Retroviren “umzuprogrammieren” schwere Nebenwirkungen hervorgerufen hatte. Zwar konnte damals bei zehn von elf Kindern die bislang unheilbare Immunschwäche X-SCID besiegt werden, allerdings hatten mehrere Kinder Jahre später einen Blutkrebs (Leukämie) entwickelt. Für die Therapie der ALD hatten die Heidelberger Forscher deshalb Gensequenzen aus einem anderen Virus genutzt – und zwar aus dem menschlichen Immunschwächevirus HIV. Dass ausgerechnet der Aids-Erreger das geeignete Rohmaterial für eine Gentherapie des Gehirns liefern sollte, mag Laien verrückt erscheinen, doch scheint die Rechnung aufzugehen.
“Dies ist die erste Machbarkeitsstudie, die zeigt, dass auf der Basis von Aids-Viren konstruierte Genfähren für therapeutische Zwecke beim Menschen genutzt werden können”, so von Kalle. Die Krankheit könne gestoppt und der Schaden repariert werden und man hoffe, damit langfristig auch einen Ausblick auf eine mögliche Heilung der ALD zu schaffen. Nun gelte es, diese Technik weiter zu entwickeln, damit auch andere Gendefekte damit korrigiert werden können.
Dass auch die neue Therapie trotz etlicher Vorsichtsmaßnahmen nicht ohne Risiko ist, gab indes der Franzose Aubourg zu bedenken: Obwohl die Konstruktion der Genfähre die Patienten weniger anfällig mache für Nebenwirkungen könne im schlimmsten Fall nicht ausgeschlossen werden, dass die Biologie der manipulierten Blutzellen gestört werde. “Es gibt noch viel zu tun, um diese Form der Gentherapie wirksamer, einfacher und billiger zu machen”, sagte Aubourg. “Dies ist nur der Anfang.”
Hintergrund: Lorenzos Öl und die Adrenoleukodystrophie
Die Adrenoleukodystrophie (ALD) ist eine seltene Erbkrankheit, die zum Verlust der lebenswichtigen “Isolierungsschicht” (Myelinscheide) um die Nerven führt und damit zu einer Art “Kurzschluss” des Gehirns. Bekannt wurde das Leiden durch den Film “Lorenzos Öl”, in dem die Geschichte von Lorenzo Odone erzählt wird, der im Alter von sechs Jahren mit ADL diagnostiziert wurde. Lorenzos verzweifelte Eltern hatten daraufhin auf eigene Faust ein Heilmittel gesucht und glaubten dies auch mit einer speziellen Mischung zweier Öle gefunden zu haben. Tatsächlich überlebte Lorenzo ungewöhnlich lange und starb erst mit 30 Jahren. Bei vielen anderen Kindern blieb Lorenzos Öl indes erfolglos, Experten sind überwiegend skeptisch und unerwähnt bleibt meistens auch, dass Lorenzo selbst seit seinem 15 Lebensjahr gelähmt und schwerst behindert war.
Quellen:
- Cartier, N et al. Hematopoietic Stem Cell Gene Therapy with a Lentiviral Vector in X-Linked Adrenoleukodystrophy. Science Band 326, S. 818-23 vom 6. November 2009
- Naldini L. A Comeback for Gene Therapy. Science Band 326, S. 805-6 vom 6. November 2009
Weitere Informationen:
- Der Bundesverein Leukodystrophie informiert Betroffene und Angehörige. Auch im Myelin-Projekt Deutschland haben sich Menschen zusammen gefunden, die an Entmarkungskrankheiten wie Multipler Sklerose oder Leukodystrophie leiden. Ebenso wie das amerikanische Vorbild, das Myelin-Project wirbt man auch für Spenden um die Forschung voran zu bringen, bei denen die “Isolierschicht” der Nerven (das Myelin) zerstört wird. Gegründet wurde diese Organisation von Augusto und Michaela Odono, deren Suche nach einem Heilmittel für ihren Sohn Lorenzo die Vorlage für den Film Lorenzos Öl lieferte.
- Gentherapie: Nebenwirkung Krebs. Ein Artikel von Focus-Redakteurin Claudia Gottschling über den ernüchternden Ausgang einer Studie, bei der elf Kinder mit einer seltenen Immunschwäche zunächst erfolgreich behandelt worden waren.
- Lorenzos Öl – die vollständige Geschichte hieß ein Beitrag der BBC, der die Legende von einem Heilmittel gegen ALD in Zweifel zieht (auf englisch)
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Gentherapie hilft blinden Kindern
Geschrieben am 24. Oktober 2009 Keine KommentareIm Kampf gegen die Blindheit hat ein US-amerikanisches Forscherteam in Zusammenarbeit mit italienischen und belgischen Augenärzten erhebliche Fortschritte gemacht. Wie die Fachzeitschrift Lancet vermeldet, gelang es bei vier Kindern mit einer seltenen Form erblicher Blindheit – der Leber-Amaurose – den Verlust des Augenlichts nicht nur aufzuhalten, sondern auch das Sehvermögen erheblich zu verbessern. Alle Kinder erlangten wieder die Fähigkeit, sogar bei schwachem Licht Objekte zu erkennen und Hindernissen auszuweichen. Den größten Erfolg erzielten die Wissenschaftler mit einem achtjährigen Jungen, der fast die gleiche Lichtempfindlichkeit erreichte wie gesunde Gleichaltrige. Videoaufnahmen des Jungen, der vor und nach der Behandlung versucht, einen Hindernisparcour zu durchlaufen, wurden ins Internet gestellt und belegen den Triumph der Wissenschaftler, dem mehr als zwei Jahrzehnte von Laborexperimenten und Tierversuche mit Mäusen und Hunden voraus gegangen waren.
Insgesamt wurden 12 Patienten im Alter zwischen acht und 44 Jahren behandelt. Sie erhielten jeweils in das Auge mit dem schlechteren Sehvermögen eine einzige Spritze mit einem gentechnisch veränderten Virus. Diesem Virus hatten die Geningenieure die Erbinformation für ein Enzym mit auf den Weg gegeben, das die Zellen in der Netzhaut der Patienten wegen eines Gendefektes nicht herstellen konnten. Dieser Gendefekt tritt extrem selten auf und betrifft nur rund sechs Prozent aller Patienten mit der Leber-Amaurose vom Typ 2. In ganz Nordamerika und Europa werden jährlich nur etwa zehn Babies mit dieser Erbkrankheit geboren. Theoretisch ist es aber möglich, die Prozedur so abzuändern, dass auch andere Formen der Leber-Amaurose und weiterer erblicher Augenkrankheiten damit behandelt werden könnten.
Wie die Forscher um Albert Maguire und Katherine High von der Universität Pennsylvania in Philadelphia berichten, gaben alle zwölf Patienten bereits zwei Wochen nach der Spritze an, ihr Sehvermögen im Dämmerlicht habe sich verbessert. Keiner der Patienten habe ernsthafte Nebenwirkungen verspürt, heißt es weiter in der Fachpublikation. Am deutlichsten zeigte sich die Wirkung der Genspritze beim Pupillenreflex, der sich bei allen Versuchspersonen um mindestens das Hundertfache verstärkte. Mit verschiedenen Messmethoden ermittelten Ärzte die Sehschärfe ihrer Patienten und fanden eine “deutliche und stabile Zunahme” bei sieben der zwölf Versuchspersonen, bei vier war sie unverändert und nur bei einem verschlechterte sie sich. Sechs der zwölf Probanden gelten vor dem Gesetz nun nicht mehr als blind, das heißt ihr Sehvermögen beträgt mehr als ein 50stel gegenüber normalsichtigen Personen.

Erfolgreich nach 20 Jahren: Katherine High (Mitte) und Kollegen (Foto: Children's Hospital of Philadelphia)
Die beste Wirkung erzielte die Genspritze bei den Kindern, was zu erwarten war, da die Leber-Amaurose eine fortschreitende Erkrankung ist, die sich von Geburt an immer weiter verschlimmert und normalerweise im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt zur völligen Erblindung führt. Katherine High, eine Pionierin der Gentherapie, zeigte sich begeistert über den Ausgang der Versuche: “Dieses Experiment zeigt dramatische Ergebnisse bei der Wiederherstellung des Sehvermögens für Patienten, die zuvor keine Behandlungsmöglichkeit hatten. Die neuen Erkenntisse könnten auch die Entwicklung von Gentherapien für häufigere Erkrankungen der Netzhaut beschleunigen – etwa für die Makuladegeneration.”
In einem Kommentar, ebenfalls im Lancet, bestätigten diese Einschätzung auch zwei unabhängige Forscher: “Zwar hat es bei Gentherapieversuchen mit Retroviren einige unvorhergesehene Rückschläge gegeben”, erinnern die Niederländer Frans Cremers und Rob Collin vom Medizinischen Zentrum der Universität Nijmegen, beides anerkannte Spezialisten für erbliche Augenkrankheiten. “Die neue Studie aber wird der Gentherapie neuen Auftrieb verleihen und gibt Anlass zur Hoffnung für Patienten mit erblicher Blindheit und anderen genetischen Störungen.”
Quellen:
- Maguire AM et al. Age-dependent effects of RPE65 genetheraphy for Leber´s congenital amaurosis: a phase 1 dose-escalation trial. The Lancet, online 24. Oktober 2009. DOI:10.1016/S0140-6736(09)61836-5
- Cremers FP, Collin RW. Promises and challenges of genetic therapy for blindness. The Lancet, online 24.Oktober 2009. DOI:10.1016/S0140-6736(09)61869-9
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Warnung vor Stammzelltherapie mit adulten Zellen
Geschrieben am 5. Oktober 2009 1 KommentarWo verläuft die Grenze zwischen wissenschaftlich fundierten Heilversuchen und dem unseriösen, ja skrupellosen Geschäft mit der Hoffnung? Diese Frage ist im Gesundheitswesen mit seinem kaum durchschaubaren Geflecht an Interessensgruppen oft schwer zu beantworten. Sicher ist aber, dass diejenigen, die laut und meinungsstark für einen besseren Schutz verzweifelter Patienten plädieren, sich auf ein juristisches Minenfeld begeben. Gegendarstellungen, Abmahnungen samt “strafbewehrter Unterlassungserklärung” und Klage auf Schadensersatz bedeuten dann meistens auch: Es geht um viel Geld.

Politisch engagiert und "sehr besorgt": Rudolf Jaenisch, gewann den Schering-Preis 2009 (Copyright: Jaenisch)
Zwischen 7545 Euro und 26000 Euro verlangt das XCell-Center von Patienten, die sich in Düsseldorf oder Köln Stammzellen aus dem Knochenmark entnehmen und diese nach einigen Tagen wieder in den Körper spritzen lassen. Mehr als 1600 Kranke hätten von diesem Angebot bereits Gebrauch gemacht, meldet das private Institut auf seiner Webseite. Unter den behandelten Krankheiten listet man dort die Amyothrophe Lateralskelerose (ALS), Alzheimer, Arthrose und Diabetes, Erektionsstörungen, die frühkindliche Zerebralparese, Arteriosklerose (“Arterienverkal-kung”), die Makuladegeneration als häufigste Ursache der Blindheit, die Multiple Sklerose, die Parkinson-Krankheit, den Schlaganfall und schließlich Verletzungen des Rückenmarks bis hin zur kompletten Querschnittslähmung. Viele dieser Krankheiten gelten als unheilbar, bei manchen kann man auch mit Medikamenten nur wenig ausrichten.
Die gesetzlichen Krankenkassen – per Gesetz verpflichtet, nur das zu zahlen, was “ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich” ist – erstatten die Kosten der Eingriffe beim XCell-Center nicht. Patienten, die willens und in der Lage sind, die Behandlung aus eigener Tasche zu bezahlen, gibt es dennoch genug. Sie werden im In- und Ausland mit Anzeigen geworben – etwa bei Google, wo von “ersten Erfolgen bei der innovativen Stammzelltherapie in Deutschland” zu lesen ist. Telefonische Ansprechpartner gibt es nicht nur für Deutschland, Österreich und Schweiz, sondern neben vielen anderen Ländern auch für die USA und Kanada, Australien und Neuseeland, Italien, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande, für “russisch sprechende Personen” und für den Nahen Osten.
“Versprechungen ohne Basis”
Seit Januar 2007 läuft das Geschäft, doch nun wollen Neurologen wie Grundlagenforscher dem offenbar nicht länger zusehen. “Diese Versuche entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und ich bin sehr besorgt, dass hier zum Teil Versprechungen gemacht werden, die überhaupt keine Basis haben und die verzweifelte Patienten dazu bringen, 20000 Euro auszugeben”, sagte Rudolf Jaenisch, einer der Pioniere der Stammzellforschung, als er kürzlich in Berlin den Ernst Schering Preis entgegen nahm. Es sei “erstaunlich dass solche so genannten Kliniken so etwas überhaupt anbieten dürfen”, kritisierte der deutschstämmige Wissenschaftler, der 1984 das renommierte Whitehead Institute of Biomedical Research mitbegründet hat und der als Professor am Massachusetts Institute of Technology eine große Forschergruppe leitet. Als hätte man Jaenischs Worte unterstreichen wollen, lobte man den “Vater” der ersten gentechnisch veränderten Maus bei der Preisvergabe auch noch für seine “besonnene und ethisch-verantwortungsvolle Beteiligung an der politischen Diskussion zur Forschung an menschlichen Stammzellen”.
“Ich dachte, es hilft”
Am gleichen Tag gingen auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Parkinson-Gesellschaft mit einer gemeinsamen Stellungsnahme erneut in die Offensive. “Der Behandlung von Parkinson-Patienten mit so genannten adulten Stammzellen fehlt nach dem aktuellen Kenntnisstand jeglicher Nutzen”, sagte DGN-Vorstandsmitglied Wolfgang Oertel bei einer Pressekonferenz in Nürnberg. Als “Kronzeugin” präsentierte Oertel die Patientin Petra Aschenbeck, die sich am XCell-Center gegen ihre Parkinson-Krankheit hatte behandeln lassen. “Ich dachte es hilft, aber nach fünf Wochen ging es mir schlechter als zuvor”, so die frühere Standesbeamtin. Ohne Rücksprache mit ihrem Neurologen hatte sie sich zunächst Knochenmark aus dem Hüftknochen entnehmen lassen, die darin enthaltenen Stammzellen seien ihr dann wieder infundiert worden. “Anderen würde ich das nicht empfehlen”, sagte Aschenbeck und will die 7500 Euro nun gerichtlich wieder einklagen, die ihre Eltern für die Behandlung vorab bezahlt hatten. Oertel sind mindestens 15 ähnliche Fälle bekannt, “darunter einige, die gar nicht an Parkinson litten”. Die Krankengeschichten all dieser Patienten sollen nun dokumentiert und in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden, kündigte Oertel an.
Auch bei XCell ist man indes nicht untätig. Schon wenige Tage nach den geballten Vorwürfen, ohne wissenschaftliche Grundlage zu arbeiten, erschienen auf der Webseite des Instituts mehrere Auswertungen, die den Erfolg der Behandlungen dokumentieren sollen. So seien bei der “statistischen Nachevaluierung” von 30 Patienten mit einer Cerebralparese bei fast 70 Prozent der mit adulten Stammzellen behandelten Patienten eine Verbesserung ihrer Symptome festgestellt worden. Und weiter: “Bei 40 % der behandelten Patienten wurde eine Besserung der Sprachfähigkeit beobachtet. Bei 20 % der Fälle wurde ein signifikanter Rückgang oder ein komplettes Fernbleiben epileptischer Anfälle beobachtet.” Ähnliche Stabdiagramme sollen die Ergebnisse einer Studie mit 19 Patienten mit Multipler Sklerose dokumentieren. Anderswo berichtet man über eine “Studie mit 53 unserer Patienten mit amyotropher lateraler Sklerose”.
Doch die vom XCell-Center gegen die ALS eingesetzten, unveränderten adulten Stammzellen halten die weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet für aussichtslos. So drehte sich zwar bei einem Symposium der Delambre Stiftung im kanadischen Quebec Ende September eine ganze Sitzung um Stammzellen – allerdings nur um solche, die aus Embryonen stammen oder die aus Patienten gewonnenen und anschließend mit Hilfe der Gentechnik “umprogrammierten” so genannten induzierten, pluripotenten Stammzellen (“Ipsen)”. Sie sollen für Tierversuche und für Medikamententests erprobt werden (englischsprachiger Bericht dazu bei Alzforum.org).
Die weltweit erste Sicherheitsstudie, bei der ALS-Patienten im Labor veränderte Stammzellen erhalten sollen, hatte die US-Zulassungsbehörde FDA eine Woche zuvor genehmigt. Nun sollen zunächst 12 von 18 Freiwilligen unter der Leitung von Eva Feldmann an der Emory-Universität in Atlanta behandelt werden, sofern das dortige Ethik-Kommittee den Versuch genehmigt. Dann erst dürfen die Ärzte den Patienten die geplanten fünf bis zehn Injektionen mit aus dem Rückenmark gewonnenen und im Labor veränderten “neuralen Stammzellen” verabreichen. Die Probanden würden dann in regelmäßigen Abständen nach der Therapie untersucht und die Daten abschließend nach zwei Jahren beurteilt, kündigte der Hersteller der patentierten Zellen, die Firma Neuralstem an.
In den USA braucht die Therapie eine Genehmigung, in Deutschland nicht
Der Genehmigung durch die FDA waren mehrmonatige Prüfungen voran gegangen, bei denen die Zulassungsbehörde von Neuralstem auch Änderungen des Studienprotokolls verlangt hatte, um die Sicherheit des Experiments zu erhöhen. In Deutschland dagegen sind sich die Juristen noch uneins, ob die am XCell-Center angebotenen Therapien mit der jüngsten Änderung des Arzneimittelgesetzes am 23. Juli dieses Jahres genehmigungspflichtig wurden. Falls dem so wäre, könnte man sich in Düsseldorf immer noch auf eine Übergangsregelung berufen. Sie gilt EU-weit bis Ende 2012.
Skeptisch macht, dass die hauseigenen “Studien” auf der Webseite des Unternehmens allesamt ohne Vergleichsgruppe sind. Ohne aber zu wissen, wie es vergleichbaren Patienten mit einer Scheinbehandlung (Placebo) ergangen wäre, kann niemand sagen, wie wirksam die Stammzellkur gegenüber herkömmlichen Therapien tatsächlich ist. Die Berichte einzelner Patienten über eine Besserung ihrer Beschwerden könnten angesichts des schwankenden Verlaufs etwa der Multiplen Sklerose oder der Parkinson-Krankheit durchaus auf zufälligen Veränderungen beruhen.

Parkinson-Experte Wolfgang Oertel (Foto: DGN)
XCell-Beirat: Keine Publikationen zu Stammzellen
Auffällig ist, dass keiner der XCell-Mitarbeiter sich bislang mit Publikationen über Stammzellen hervor getan hat. Denn wer unter Wissenschaftlern etwas gelten will, dokumentiert seine Leistungen am besten dadurch, dass er seinen Kollegen in anerkannten Fachzeitschriften die Ergebnisse seiner Arbeit zum nachlesen präsentiert. In diesem Fall fördert eine kurze Literatursuche bei Pubmed für den XCell-Kritiker Jaenisch 154 Publikationen über Stammzellen zutage. Dagegen findet sich für die drei laut X-Cell-Center “internationalen Experten” des eigenen wissenschaftlichen und medizinischen Beirats zu diesem Thema keine einzige Veröffentlichung. Wolfgang Oertel hat über 450 Originalpublikationen vorzuweisen – die meisten davon über die Parkinson-Krankheit – und auch hier geht der XCell-Beirat leer aus.
Womöglich floriert das Unternehmen auch deshalb, weil die dort beworbenen “adulten”, also “erwachsenen” Stammzellen hierzulande von vielen Politikern als Königsweg aus einem ethischen Dilemma gesehen werden: Als James Thomson an der Universität von Wisconsin 1998 erstmals menschliche embryonale Stammzellen (ES) isoliert hatte, glaubte die überwiegende Mehrzahl der Experten, das diese ES-Zellen die besten Kandidaten für eine Therapie am Menschen seien (siehe Hintergrund: Stammzellen – Hoffnungsträger mit Risiken). Diese Zellen hatte Thomson jedoch aus wenige Tage alten, „überzähligen“ menschlichen Embryonen gewonnen, die in amerikanischen Kliniken mit einer künstlichen Befruchtung gezeugt und dann nicht mehr benötigt wurden, weil sich der Wunsch der Eltern nach einem Kind bereits erfüllt hatte. Nun gilt Thomson zwar mittlerweile als Kandidat für den Nobelpreis, in Deutschland würde seine Art der “Fremdnutzung“ menschlicher Embryonen jedoch mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft.
Kein Wunder, dass auch viele Forscher jubilierten, als in angesehenen Fachzeitschriften Berichte erschienen, die den Anschein erweckten, dass Stammzellen erwachsener Menschen – etwa aus dem Knochenmark – sich ebenfalls durch Zugabe bestimmter Proteine und Wachstumsfaktoren umformen und fast unbegrenzt vermehren ließen. Das Ethik-Problem schien gelöst, als auch noch erste Erfolgsberichte aus der klinischen Forschung kamen. “Man muss keine Embryonen töten, um kranken Menschen zu helfen”, folgerte etwa der CDU-Vize und frühere Forschungsminister Jürgen Rüttgers aus dem Schicksal eines einzigen Herzinfarktpatienten. Heute ist Rüttgers Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, eben jenes Bundeslandes, wo das XCell-Center seinen Sitz hat. Ende August gab das Ordnungsamt der Landeshauptstadt Düsseldorf dem XCell-Center die Erlaubnis zum Betrieb einer Privatkrankenanstalt nach § 30 der Gewerbeordnung. Seitdem darf man sich auch offiziell “Klinik” nennen.
Doch die Berichte über die Wandlungsfähigkeit und die Heilkraft der adulten Stammzellen seien “nicht glaubwürdig” und “überholt”, ärgert sich Jaenisch. “Wenn man sich das genau anschaut, gibt es längst andere Interpretationen, die Daten sind einfach nicht überzeugend”. Adulte Stammzellen seien zwar “unglaublich wichtig”, es müsse aber vor deren Anwendung bei menschlichen Patienten noch sehr viel mehr gelernt werden. “Ich weiß, dass dies auch bei Herzerkrankungen hier in Deutschland in großem Stil gemacht wird – aber ich würde es bei mir nicht machen lassen”, urteilte Jaenisch in Berlin. In Nürnberg schlug Oertel in die gleiche Kerbe und appellierte an den Gesetzgeber, derartigen Behandlungsangeboten einen eindeutigen Riegel vorzuschieben.
Weitere Informationen:
- In einem Online-Video des Bayerischen Rundfunks kommt die Parkison-Patientin Petra Aschenbeck zu Wort: Sie hat sich im XCell-Center ohne Erfolg behandeln lassen und will nun ihr Geld zurück.
- Zur geplanten Phase I-Studie mit ALS-Patienten informieren die Universität Michigan, die Emory Universität und der Hersteller der Zellen, die Firma Neuralstem.
- Was jeder über Stammzellen wissen sollte – Die ständig aktualisierte Übersicht mit Links und einer kleinen Geschichte der Stammzellforschung bei Simmformation v7
- Das volle Programm: Alle Artikel über Stammzellen bei Simmformation v7. Wenn Sie per RSS-Feed automatisch über Neuigkeiten informiert werden wollen, klicken Sie bitte hier.
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Stammzellen – Hoffnungsträger mit Risiken
Geschrieben am 4. Oktober 2009 Keine KommentareWas jeder über Stammzellen wissen sollte, findet sich in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Ich gebe sie hier nur leicht verändert wieder, habe noch einige Informationen und Links hinzu gefügt und mir vorgenommen, diesen Text aktuell zu halten, damit Sie auf dem Laufenden bleiben:

Muskelzellen, die im Labor aus neuronalen Stammzellen gezüchtet wurden (Foto: MPI für molekulare Biomedizin, Kinarm Ko)
(Letzte Aktualisierung am 6. Oktober 2009) Nur wenige wissenschaftliche Entdeckungen werden in der Öffentlichkeit derart kontrovers diskutiert und teilweise auch mit großen Hoffnungen betrachtet, wie die Möglichkeit, Stammzellen zur Therapie menschlicher Erkrankungen zu nutzen. Viele Patienten, aber auch unabhängige Forscher sowie zahlreiche Biotechnologie-Unternehmen und deren Aktionäre erhoffen sich, Stammzellen in ihrer Entwicklung so zu lenken, dass daraus eine unerschöpfliche Quelle für Ersatzgewebe wird – seien es Insulin-produzierende Zellen für Zuckerkranke, neue Herzmuskeln für Infarktgeschädigte oder speziell in der Neurologie: Nervenzellen für Schlaganfall-, Parkinson- oder Alzheimerpatienten.
Stammzell-Typen
Stammzellen sind Zellen der Körpers, die sich selbst vermehren und aus denen andere Zelltypen hervorgehen können. Je nach Art der Stammzelle (SZ) und je nachdem, welche Einflüsse auf sie wirken, können sie jegliche Art von Gewebe bilden (totipotente SZ) oder ihre Entwicklung ist auf bestimmte, festgelegte Gewebetypen beschränkt (pluripotente SZ).
Stammzellen lassen sich gemäß ihrer Herkunft unterscheiden in: embryonale (aus dem Embryo), fetale (aus dem Fötus, also ab der neunten Schwangerschaftswoche) und adulte (von Säuglingen, Kindern, Erwachsenen) Stammzellen. Auch in den Organen erwachsener Menschen finden sich nämlich teilungsfähige Zellen, die Nachschub für verbrauchte Zellen oder Ersatz bei Verletzungen liefern, seien es blutbildende Stammzellen im Knochenmark, Keimzellen im Hoden oder neuronale Stammzellen im Gehirn.
Zehn Jahre intensive Forschung – und ethische Barrieren
James Thomson von der Universität von Wisconsin gelang es 1998 erstmals, menschliche embryonale Stammzellen (ES) zu isolieren und über mehrere Jahre hinweg glaubte die überwiegende Mehrzahl der Experten, das die ES-Zellen die besten Kandidaten für eine Therapie am Menschen seien. Denn es galt die Faustregel: Je früher in der Entwicklung Stammzellen gewonnen werden, desto wandlungs- und anpassungsfähiger sind sie auch. Die Herkunft von Thomsons ES-Zellen stellt indes für viele ein ethisches Problem dar, denn sie wurden aus wenige Tage alten, „überzähligen“ menschlichen Embryonen gewonnen, die in amerikanischen Kliniken mit einer künstlichen Befruchtung gezeugt und dann nicht mehr benötigt wurden, weil sich der Wunsch der Eltern nach einem Kind bereits erfüllt hatte. In Deutschland ist diese „fremdnützige“ Erzeugung menschlicher Embryonen gesetzlich verboten und in den USA hatte der damalige Präsident George W. Bush die staatliche Förderung für die Erforschung menschlicher embryonaler Stammzellen stark beschränkt. Einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma eröffnete im Jahr 2006 der Japaner Shinya Yamanaka, dem es gelang, Hautzellen der Maus genetisch so zu verändern, dass daraus unterschiedliche Zelltypen heran gezüchtet werden konnten. 2007 gelang das Kunststück dann auch mit menschlichen Hautzellen. Seitdem ist die Herstellung dieser so genannten Ipse (ein Kunstwort für induzierte pluripotente Zellen) immer weiter perfektioniert worden.
Risiken von Stammzellen
Ein Risiko bei der „Umprogrammierung“ von SZ mit fremden Genen oder Viren ist, dass dies die Stammzellen entarten, unkontrolliert zu wachsen beginnen und dadurch eine Krebserkrankung entstehen könnte. In Tierversuchen wurde dies wiederholt beobachtet und Wissenschaftler haben deshalb verschiedene Systeme entwickelt, um mit möglichst wenig „Programmierschritten“ auszukommen. Erst vor wenigen Wochen gelang es Beispielsweise dem Team um Professor Hans Schöler am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, adulte menschliche Zellen mit einem einzigen eingeschleusten Gen in ethisch wie juristisch unbedenkliche Ipse zu verwandeln.
Trotz der rasanten Fortschritte auf diesem Gebiet halten die meisten Fachleute eine Anwendung am Menschen noch für verfrüht. Dessen ungeachtet haben weltweit mehrere Firmen ein regulatorisches Vakuum genutzt, um „Stammzelltherapien“ anzubieten, darunter auch das XCell-Center mit Sitz in Köln und Düsseldorf, das nach eigenen Angaben bereits Tausende von Patienten behandelt hat – ein Vorgehen das von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie angesichts der noch nicht evaluierten Therapiesicherheit heftig kritisiert wird.
Kurze Geschichte der Stammzellforschung (mit ausgewählten Links)
- 1998: An der Universität von Wisconsin isoliert James Thomson erstmals menschliche embryonale Stammzellen (ES).
- 2001: US-Präsident George W. Bush beschränkt die staatliche Förderung für die Erforschung menschlicher embryonaler Stammzellen.
- 2004: An der Universität Harvard produziert Douglas Melton mit privaten Forschungsgeldern über 70 embryonale Stammzell-Linien und verteilt diese kostenlos an Forscher weltweit.
- 2006: Shinya Yamanaka verwandelt an der Universität Kyoto Hautzellen der Maus in pluripotente Stammzellen (”Ipse”) ohne dafür Embryos zu gebrauchen. Er braucht nur vier Gene – die Yamanaka-Faktoren – für die Verwandlung, die mit Hilfe von Retroviren in die Hautzellen transportiert werden.
- 2007: Thomson und Yamanaka re-programmieren erstmals menschliche Zellen zu Ipse.
- 2008: An der Universität Harvard re-programmiert Douglas Melton Zellen der Bauchspeicheldrüse, sodass diese beginnen, Insulin zu produzieren. Ebenfalls in Harvard ersetzt Konrad Hochedlinger die Retroviren in der Produktion von Ipse durch harmlosere Schnupfenviren.
- 23. Januar 2009: Nach fast zehnjähriger Vorbereitung erlaubt die US-Arzneimittelbehörde FDA der Firma Geron den ersten Versuch mit embryonalen Stammzellen bei einigen wenigen querschnittsgelähmten Patienten.
- 9. März 2009: US-Präsident Barack Obama hebt die Beschränkungen seines Vorgängers George W. Bush auf und fördert die Erforschung menschlicher embryonaler Stammzellen mit Steuergeldern.
- 18. August 2009: Nachdem neue Daten aus Tierversuchen Zweifel an der Sicherheit des Verfahrens wecken, stoppt die US-Zulassungsbehörde FDA den Versuch der Firma Geron (s.o.), noch bevor der erste Patient behandelt werden kann.
- 28. August 2009: Einem Team um Hans Schöler gelingt es am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, menschliche Zellen mit einem einzigen eingeschleusten Gen in induzierte pluripotente Stammzellen zu verwandeln. Das macht die Zellen sicherer für künftige Therapien.
- 21. September 2009: Die US-Zulassungsbehörde FDA genehmigt die weltweit erste Sicherheitsstudie, bei der Patienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) im Labor veränderte Stammzellen erhalten sollen.
Weitere Informationen
- Alle Texte über Stammzellen bei Simmformation v7. Wenn Sie per RSS-Feed automatisch über Neuigkeiten informiert werden wollen, klicken Sie bitte hier
- Deutsche Forschungsgemeinschaft: Was sind Stammzellen?
- Heiß begehrte Tausendsassas – Hintergrundinformationen der Max-Planck-Gesellschaft über embryonale Stammzellen
- Hoffnungsträger adulte Stammzellen – eine Presseinformation der Max-Planck-Gesellschaft
- “Viele Wege führen nach Rom” – Der Max-Planck-Direktor Hans Schöler erklärt den jüngsten Durchbruch in der Stammzellforschung, die “Induktion” oder “Neuprogrammierung” erwachsener Zellen zu induzierten pluripotenten Zellen, manchmal auch Ipsen genannt.
- Stammzell-Behandlungen ohne medizinische Grundlage nehmen zu und müssen strenger reguliert werden, heißt es in diesem (englischsprachigen) Policy Forum der Zeitschrift Science:Kiatpongsan S, Sipp, D. Medicine. Monitoring and Regulating Offshore Stem Cell Clinics. Science 2009 Mar 20;323(5921)1564-5
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Fantasyautor Terry Pratchett kämpft gegen Alzheimer
Geschrieben am 9. September 2009 Keine KommentareVorbemerkung: Als Journalist habe ich mich daran gewöhnt, dass meine Texte mitunter gekürzt werden, manchmal auch zurecht gebogen. Oder dass man sich durch eine allzu gründliche Recherche die eigene Geschichte kaputt machen kann, weil man heraus findet, dass es nichts wirklich Neues oder Aufregendes zu berichten gibt. Und manchmal hat man einfach nur Pech, wie bei der folgenden, beinahe unverkäuflichen Story, die ich meinen Lesern trotzdem nicht vorenthalten möchte…
Puh, das ist ja gerade noch einmal gut gegangen. Denn fast hätte es den Artikel, den Sie nun vor Augen haben, niemals gegeben. Gescheitert wäre er beinahe an einer Verkettung unglücklicher Ereignisse, an Pleiten, Pech und Pannen, an einer akuten Überforderung des Reporters. Oder waren es gar die berühmten höheren Umstände, für die es bekanntlich keinen Versicherungsschutz gibt?
Das mit Terry Pratchett als Zugpferd hat jedenfalls ganz prima funktioniert, denn sonst wäre nicht nur der geneigte Leser gar nicht erst bis zu dieser Stelle vorgedrungen, sondern auch der launenhafte Auftraggeber hätte mir womöglich niemals eine Zusage erteilt, in seinem Namen nach London fahren zu dürfen, um dort der Eröffnung einer 120 Millionen Euro teuren neuen europäischen Firmenzentrale durch die japanische Pharmafirma Eisai beizuwohnen.
“120 Millionen Euro? Haben die dort vergoldete Dächer?”, klingt es mir noch im Ohr. “Na ja, jedenfalls haben sie genug Kohle, um mich einzuladen”, pariere ich vorausahnend schon mal das Wir-haben-kein-Geld-Argument. “Ja, aber gibt´s denn da auch was Neues für unsere Leser?” Oha! Hatte ich fast vergessen. Das sind ja die, die keine Pressemitteilungen nachdrucken wollen. Also zitiere ich aus der Einladung: Neue Forschungslabors gibt es in Hatfield bei London zu besichtigen und die erste Produktionsstätte der Japaner auf europäischem Boden, 250 neue Arbeitsplätze würden dort geschaffen und der Botschafter kommt und ein hochrangiger Regierungsvertreter. Dann setze ich noch einen ´drauf: “Sie sagen, ich könnte auch ein Interview mit dem Firmenboss kriegen, mit Herrn Haruo Naito”. Erst als auch diese Ankündigung keine Begeisterungstürme hervor ruft, spiele ich meinen letzten Trumpf aus:
“Da kommt auch dieser Pratchett. Du weist schon, dieser Fantasy-Autor – ja genau, der mit den Scheibenwelt-Romanen.” Endlich haben wir eine Geschichte. Denn Terry Pratchett ist nicht irgendein Schreiberling, sondern einer der meistgelesenen und beliebtesten Schriftsteller im Vereinigten Königreich. Seit er mit 13 Jahren seine erste Kurzgeschichte in einer Schülerzeitung schrieb, hat der mittlerweile 61-jährige an die 50 Bücher verfasst. Ironisch-skurril, mit unzähligen Fußnoten, Anspielungen und einem absurdem Humor hat der Mann mit dem Zauberhut sich eine riesige weltweite Fangemeinde erobert. Für seine Verdienste um die englische Literatur wurde Pratchett kürzlich sogar zum Ritter geschlagen.

Spendete eine Million Dollar für die Alzheimer-Forschung: Fantasy-Autor Sir Terry Pratchett (Copyright 2009: Michael Simm)
Der eigentliche Grund für diese seltsame Geschichte aber ist, dass seine Ärzte bei “Sir Terry” angeblich eine seltene Frühform der Alzheimer-Krankheit festgestellt haben. Seitdem macht er sich nicht nur für die Erforschung dieses Leidens stark, er hat auch flugs mal eine Million Dollar gespendet und scheut sich offenbar nicht, mit der bösen Pharmaindustrie gemeinsame Sache zu machen.
Eisai – Sie erinnern sich noch an Eisai? – vertreibt übrigens mit Donepezil (Aricept®) eines der bestverkauften Alzheimer-Medikamente. Zuletzt erzielte man damit einen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro, obgleich sowohl der Nutzen als auch die Erstattungsfähigkeit dieser Arznei durch Einrichtungen wie das britische National Institute for Clinical Excellence (NICE) wiederholt in Zweifel gezogen wurden. Pratchett aber hat gesagt, er würde “den Hintern eines toten Maulwurfs fressen”, wenn ihm das helfen würde. Und die Redaktion hat gesagt, dass sie mir ein Interview mit Pratchett abkaufen würde, in dem es um Wirtschaft und Forschung gehen soll, um den “Dunstkreis” des Pharmasponsorings, um Pratchetts Krankheitshistorie und Romanfiguren wie Gevatter Tod sowie um “eventuelle Konflikte bzgl. eigener Glaubwürdigkeit gegenüber seinen Fans, wenn er mit Big Pharma kooperiert.”
Also rein mit dem Laptop und dem Aufnahmegerät und den Ersatzbatterien in den Koffer, ein Paar ordentliche Schuhe dazu und ab nach London. Vom City-Airport mit der Bahn in den Vorort St. Albans, mit dem Taxi ins Hotel, mit den Presseleuten zum Dinner und am nächsten Morgen per Kleinbus nach Hatfield zu Pressekonferenz. Ich bin gut vorbereitet auf den Firmenchef, Haruo Naito, über den ich nun auch zwei Seiten schreiben soll, wenn ich schon mal da bin. Erst muss ich aber noch den kürzlich zum stellvertretenden Außenminister berufenen Labour-Abgeordneten Ivan Lewis anhören, dessen Regierung wahnsinnig viel getan habe, für die Konjunktur im Allgemeinen und für das Gesundheitswesen im Speziellen. Niemals seien die Beziehungen zwischen den beiden Ländern so gut gewesen wie heute, weiß der japanischer Botschafter für das Vereinigte Königreich, seine Exzellenz Shin Ebihara. Wo ist eigentlich Pratchett? Sollte der nicht auch auf der Pressekonferenz sprechen? Egal jetzt, der kommt bestimmt gleich.
Erst noch Haruo Naito, über den ich inzwischen noch mehr weiß, als er jetzt gleich sagen wird. Denn erstens steht das Meiste auch in der Pressemappe und zweitens habe ich den Mann gegoogelt. Habe herausgefunden, wo er studiert hat, kenne bereits sein “human health care”-Konzept, mit dem er seine Mitarbeiter bis hinauf in die Führungsetage zu mehrtägigen Hospitationen in Kliniken, Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen verpflichtet, um das Verständnis für die Bedürfnisse der Patienten fördern. Das ist gut, das schreibe ich auf und werde es später im Interview aufgreifen, nehme ich mir vor.

Denkt an die Patienten: Eisai CEO Haruo Naito (Copyright 2009: Michael Simm)
Obacht jetzt, denn Naito bringt die Firmenphilosphie auf den Punkt: “Wir werden neue Werte schaffen, indem wir lernen, die Lebenswelt der Patienten zu verstehen”. So steht es auch auf dem Grundstein für das European Knowledge Center (EKC) – auf englisch natürlich. Dann noch ein Kompliment an die britische Regierung: Ausschlaggebend für die Standortwahl sei nicht nur ein starkes akademisches Umfeld gewesen, sondern auch mehrere Gespräche auf höchster Ebene, wo man als Partner für ein besseres nationales Gesundheitssystem behandelt worden sei. Auch das notiere ich mir, als Aufhänger für Fragen, die ich Herrn Naito im Interview stellen werde: “War denn Frau Merkel nicht interessiert? Was hätte sie tun müssen, um Eisai nach München zu holen oder nach Berlin?” Oder ganz frech: “Waren denn die deutsch-japanischen Beziehungen nicht schon immer besser als die japanisch-britischen?”
Natürlich wird dies nicht meine erste Frage sein. Immer schön taktvoll und höflich, denn ich mag die Japaner und ihre feinfühligen Umgangsformen. Zum Beispiel ihr respektvoller Umgang mit den Alten. Tausende von Pflegeheimen haben sie gebaut, während die Engländer ihren Senioren nicht einmal mehr die Dialyse zahlen wollen – geschweige denn die Alzheimer-Arzneien. Das habe ich alles recherchiert, kenne die Umsatzzahlen von Eisai und weiß auch, dass Naito das Unternehmen bereits in der dritten Generation leitet. Gibt´s da einen Zusammenhang mit der Alzheimer-Forschung bei Eisai? Überraschen wird ihn sicher meine erste Frage, ob denn der Firmenname von dem Mönch Eisai herrührt, der – wie mein Lexikon mir verriet – in der Kamakura-Periode das Teetrinken nach Japan gebracht hat?
Und wo bleibt eigentlich Pratchett? Sie erinnern sich noch an Pratchett? “13:00 Interview with Sir Terry Pratchett, 13:55 Media Tour of Product Creation 14:25 Interview with Mr. Naito”, steht auf dem persönlichen Zeitplan, den man mir in die Hand drückt. Um 15:15 wird man mich zum Flughafen fahren und am Abend bin ich wieder daheim. Alles wird gut. Vor dem Interview kommt aber erst noch die Eröffnungszeremonie. Sintflutartiger Regen hat eingesetzt und Herr Naito scherzt, sein Name bedeute übersetzt “Schön-Wetter-Mann”. Ansonsten ist seine Rede in dem Festzelt mit den 1200 geladenen Gästen nicht so gut zu verstehen, denn wir Journalisten sitzen zwar auf reservierten Plätzen, die aber sind Luftlinie hundert Meter von der Bühne entfernt. Nicht ganz einfach, von hier aus die bestellten Bilder zu schießen, aber ich gebe mein Bestes.
Nervös nestle ich an meinem Aufnahmegerät herum, navigiere durch versteckte Menüs auf der vergeblichen Suche nach einer Einstellung, um rauschenden Regen, peitschenden Wind oder das Grummeln meiner Nachbarn auszufiltern. Die Grummeln, weil der Leiter des EKC gerade bekannt gegeben hat, dass Sir Terry noch nicht da ist. Er sei aber unterwegs und werde sicher bald eintreffen. In der Zwischenzeit wiederholen Herr Naito, Herr Ebihara und Herr Lewis, was sie bereits in der Pressekonferenz gesagt haben. Herr Lewis braucht am längsten und hinter mir schimpfen sie auf ihn, auf die Regierung und auf die Politik im Allgemeinen. Sir Terry dagegen lieben sie. Die Briten lieben auch schwarzen Humor. Aber die Frage, ob Alzheimer-Patient Pratchett den Termin wohl vergessen hat, verkneife ich mir trotzdem.
Als Herr Lewis fertig ist, ist Sir Terry immer noch nicht da und man bittet das versammelte Publikum, sich noch etwas zu gedulden. In der Zwischenzeit erzähle ich meinen deutschen Kollegen von Pratchett. Keiner kennt ihn, obwohl er doch laut dem Independent “einer der besten und einer der lustigen lebenden englischen Schriftsteller” ist. Vor Jahren hatte ich schon einmal einige seiner Bücher gekauft, fand sie aber nicht so prickelnd. Diesmal, zur Vorbereitung des Interviews, habe ich mir den ersten Scheibenweltroman “The Colour of Magic” (Die Farben der Magie) gleich im Original bestellt und versuche erneut erfolglos, mich Pratchetts eigenwilligem Humor anzunähern.
Natürlich habe ich auch Pratchett gegoogelt, seine Webseite besucht, seine Fanclubs im Web abgeklappert, und ich habe mit einer Freundin gesprochen, die alle seine Romane im Regal stehen hat. Gesamtauflage 55 Millionen, übersetzt in 36 Sprachen, schießt es mir durch den Kopf und ich denke an das tolle BBC-Interview, das ich am Vortag noch geschaut habe und an die Nachricht, die Sir Terry seiner Fangemeinde zukommen ließ, nachdem man bei ihm Alzheimer diagnostiziert hatte: “Offen gesagt, würde ich es bevorzugen, wenn sich die Leute dadurch die Laune nicht verderben lassen, denn ich denke, es bleibt auf jeden Fall Zeit für ein paar weitere Bücher.” Das klang sympathisch. Ebenso wie das P.S.: “Ich will noch jeden, der dies liest darauf hinweisen, dass meine Nachricht als “Ich bin nicht tot.” interpretiert werden sollte. Natürlich werde auch ich irgendwann in der Zukunft einmal tot sein, dabei stelle ich keine Ausnahme dar. Von meinem Blickwinkel aus ist dieser Zeitpunkt allerdings weiter weg als ihr denkt – es ist zu früh darüber zu spekulieren. Ich weiß, dass es zwar typisch menschlich ist, zu fragen “Gibt es irgendetwas was ich tun kann?”, aber in diesem Fall würde ich mich nur über solche Nachfragen von führenden Experten der Neurochemie freuen.”
Zwischendurch ein Kompliment an die Gastgeber: Sie bewahren die Contenance eine weitere halbe Stunde, während ich meine Felle davon schwimmen sehe. Dann die erlösende Nachricht, in mehreren Etappen: Sir Terry ist gelandet, er ist auf dem Weg, er ist da. Es betritt die Bühne ein kleiner Mann mit einer dünnen Stimme, einem großen Bart und einem schwarzen Zauberhut. Ein völlig unvorhersehbares Ereignis habe ihn aufgehalten, entschuldigt er sich: Regen in England. Und beschreibt seine Gedanken, als man ihm seine Krankheit eröffnete, seine Gefühle und seine Suche nach einem Ausweg. Irgend etwas stimmt hier nicht, wundere ich mich über den klaren Vortrag mit humorvollen Anklängen.
Später werde ich beim Durchwühlen meiner Lehrbücher erfahren, dass die bei Pratchett festgestellte “Posteriore Kortikale Atrophie“, auch Benson-Syndrom genannt, sich von der “normalen” Alzheimer-Krankheit unterscheidet und dass die Betroffenen ein deutlich besseres Sprachvermögen, ein besseres Gedächtnis und mehr Einsicht in ihre Krankheit haben, als bei typischen Fällen von Alzheimer. Das Medikament Aricept von Eisai nimmt er trotzdem, sagt Pratchett. Und dass es ein “schönes, warmes Gefühl” sei, eine Million Dollar für die Forschung zu spenden.
Sir Terry stockt des Öfteren bei seinem Vortrag und er lispelt ein wenig und spätestens jetzt wird mir klar: Dies wird kein leichtes Interview. Ich schaue auf die Fragen auf meinem Notizblock. Wie redet man mit einem brillanten Geist, dem eine schwere Krankheit seine Begabung raubt? Eine halbe Stunde habe ich – ob das wohl reicht, um mich diesem Mann soweit anzunähern, dass er offen mit mir spricht? Die Antwort werde ich nie erfahren, denn nach vier Minuten bedeutet man mir, jetzt bitte mit meinen Fragen zu Ende zu kommen, schließlich wollen die anderen auch noch ´ran. Nach 6 Minuten und 30 Sekunden ist das “Interview” zu Ende und weil der ganze Zeitplan durcheinander gekommen ist und die Financial Times noch wichtiger ist als mein Auftraggeber, gibt es auch kein Interview mehr mit Naito und der geneigte Leser wird sich weiter mit der Frage quälen müssen, woher die Firma Eisai ihren Namen hat.
Man bietet mir ein Telefoninterview mit Herrn Naito an, doch irgendwie ist mein Elan dahin und außerdem war es ja ohnehin Sir Terry, mit dem ich meinen Auftraggeber zu dem Termin in London überreden konnte. In den folgenden Tagen versuche ich einen letzten faulen Trick, um meinen Text zu retten: Ich durchforste das Internet nach Nachrichten der Kollegen, um doch noch die kritische Masse an Aussagen von Sir Terry zusammen zu kratzen. “In den nächsten beiden Jahrzehnten wird es einen Tsunami an Alzheimer-Patienten geben, die alle verzweifelt auf eine Behandlung hoffen, die ihnen das Leben mit dieser Krankheit erleichtert”, hat er gesagt. Und dass wir die Forschung beschleunigen müssen und die neuen Arzneien schneller an die Patienten bringen. Und dass er hoffe, dass alle Mitarbeiter in dem neuen Zentrum dafür Überstunden machen werden. Es ist der gleiche Wortlaut wie auf Seite Eins der Pressemitteilung.
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Spindel-Transfer soll viele Erbkrankheiten verhindern
Geschrieben am 26. August 2009 Keine KommentareUS-Forscher haben eine neue Technik entwickelt, mit der sich womöglich die Weitergabe von mindestens 150 Erbkrankheiten verhindern ließe. Der so genannte Spindel-Transfer erlaubt es, Erbmaterial aus zwei verschiedenen Eizellen neu zu kombinieren, sodass defekte Gene aus den “Kraftwerken” (Mitochondrien) mütterlicher Zellen nicht mehr auf die nachfolgende Generation übertragen werden. Zum Beweis präsentierten die Wissenschaftler der Presse Fotos von drei gesunden, neugeborenen Rhesusaffen, die mit der neuen Technik gezeugt wurden.

"Spindler" heißt dieses Äffchen, das mit der neuen Technik gezeugt wurde (Bild: Oregon National Primate Research Center at OHSU)
“Wir glauben, dass diese Entdeckung sich schnell auch beim Menschen in Therapien gegen solche Erbkrankheiten ummünzen ließe, die von Müttern mit der Erbsubstanz der Mitochondrien auf ihre Kinder übertragen werden”, erklärte Shoukhrat Mitalipov, der das Forscherteam am Nationalen Primaten-Forschungszentrum der Oregon Health & Science Universität geleitet hat. Laut Mitalipov sind derzeit 150 solcher Krankheiten bekannt und etwa jedes 200ste Kind wird mit Mutationen in der Erbsubstanz der Mitochondrien geboren. Solche Gendefekte wurden in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Leiden in Verbindung gebracht, darunter Diabetes, Krebs und Unfruchtbarkeit sowie Alzheimer, Parkinson und die Huntington-Krankheit.
Mitochondrien sind Gebilde im Inneren von Zellen. In ihnen laufen chemische Reaktionen ab, aus denen alle höheren Lebewesen die Energie für Stoffwechsel und Wachstum beziehen. Während der weitaus größte Teil aller Erbinformationen im Zellkern einschlossen ist, enthalten Mitochondrien zusätzlich eigene Erbsubstanz – die so genannte mitochondriale Desoxiribonukleinsäure (mtDNS). Wenn bei der Zeugung die sehr kleine Samenzelle in die wesentlich größeren Eizelle eindringt, entsteht ein Embryo, dessen Mitochondrien ausschließlich von der Mutter stammen. Dies ist der Grund, warum mitochondriale Erbkrankheiten nur von der Mutter weitergegeben werden, und deshalb haben die Forscher mit dem Spindel-Transfer auch ein Verfahren entwickelt, bei dem die Mitochondrien einer erblich vorbelasteten Mutter quasi ausgefiltert werden.
Bisher hat dies zwar “nur” bei Affen geklappt, aufgrund der großen Ähnlichkeit zwischen den beiden Arten sollte der Spindel-Transfer beim Menschen jedoch technisch machbar sein. Allerdings müssten zuvor etliche ethische und juristische Probleme ausgeräumt werden, mahnt ein Kommentator in der Fachzeitschrift Nature. “Viele Paare stehen vor der unerfreulichen Wahl, entweder auf ein Kind zu verzichten, oder das Risiko einzugehen, eine behindernde Krankheit zu vererben.” Dennoch werde die Erforschung von Reproduktionstechniken zur Verringerung dieses Risikos erschwert durch die Ansichten der Öffentlichkeit gegenüber Eingriffen in den natürlichen Lauf der Dinge. Zu zeigen, dass der Spindel-Transfer auch beim Menschen funktioniert wäre in vielen Ländern gesetzlich verboten. Dafür müssten eigens für Forschungszwecke Embryonen gezeugt werden, was etwa nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft würde. Während die Bezahlung von Eizell-Spenden für die Forschung fast weltweit geächtet ist, werden in manchen Befruchtungskliniken für die gleichen Eizellen tausende von Dollarn gezahlt, wenn sie von besonders attraktiven und intelligenten Frauen kommen, moniert der Nature-Kommentator weiter.
Theoretisch habe man gezeigt, dass sich die Übertragung mitochondrialer Erbkrankheiten verhindern ließe, betonte denn auch US-Forscher Mitalipov und fügte hinzu: “Wir glauben, dass mit entsprechender Genehmigung der Regierung unsere Arbeit schnell zu klinischen Versuchen beim Menschen führen könnte – und letztendlich auch zu erlaubten Therapien.”
Quelle:
Nachlese:
- Unter dem Wust von Artikeln zum gleichen Thema habe ich beim Tagesspiegel Berlin diese Perle gefunden: Neue Kraftwerke für die Zelle. Bravo, Kai Kupferschmidt!



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