Artikel, Trends und Hintergründe aus Medizin & Pharma, Gentechnik & Hirnforschung
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  • Das war die Woche 33

    Geschrieben am 16. August 2009 MSimm Keine Kommentare

    Kennen Sie das? Diese langen Listen, die man sich zum Anfang der Woche macht – nur um Ende der Woche festzustellen, dass wieder einmal 18 Dinge dazwischen gekommen sind und die Liste deshalb eher länger als kürzer geworden ist. Dass so viele “wichtige” Dinge wieder einmal liegen geblieben sind? “Dann mache ich es eben nächste Woche” – sage ich mir – und erklimme damit die nächste Stufe der Selbsttäuschung.

    Warum ich Ihnen das alles erzähle? Es ist die Rechtfertigung dafür, dass auf dieser Webseite längst nicht alles steht, was wichtig ist – nicht einmal das, was in den Bereichen Medizin & Pharma, Hirnforschung & Gentechnik binnen einer Woche passiert, kann ein Einzelner verarbeiten. Als Minimallösung – und damit Sie wenigstens eine Ahnung davon bekommen, was ich alles NICHT übersehen habe, führe ich hiermit die Wochenrückschau ein:

    • Die Kraft, die aus der Rübe kommt – Angeblich steigert Rote Beete die Ausdauer um 16 Prozent, so Forscher der Universität Exceter. Vorher war bereits bekannt, dass der Rübensaft den Blutdruck senken kann, aber für mich sind diese Behauptungen noch kein Grund, die Isogetränke beim Mountainbiken durch Gemüsesaft zu ersetzen.
    • Facebook-Nutzer sind öfter eifersüchtig – Mit dieser Meldung kommt die Fachzeitschrift CyberPsychology & Behaviour zum ersten mal in die Schlagzeilen. Befragt wurden verliebte Jugendliche und heraus kam, dass diese auf Facebook Informationen über den Partner finden, die sie mißtrauisch machen und dazu verführen, mehr Zeit online zu verbringen, um die Aktivitiäten des Partners zu verfolgen. Einige Studienteilnehmer beschrieben dieses Verhalten selbst als eine Sucht. Eine Stellungsnahme von Facebook habe ich nicht gefunden.
    • Forscher finden “Jucknerven” – berichtet das Magazin Science. Fündig wurde Dr. Zhou-Feng Chen von der Washington-Universität im Bundesstaat Seattle, der bereits das “Juckgen” GRPR entdeckt hat und über den ich in dem Artikel “Hirnforschung gegen Juckreiz” berichte.
    • Erbgut-Entschlüsselung immer billiger – Stephen Quake, ein Professor an der kalifornischen Universität Stanford hat seine gesamten Erbanlagen (sein “Genom”) angeblich für weniger als 50000 Dollar ausgelesen und dafür nur zwei weitere Forscher gebraucht. Acht Jahre zuvor waren die ersten beiden Genome veröffentlicht worden, was jeweils mehrere hundert Millionen Dollar und die Mitarbeit von mehr als 250 Forschern erfordert hatte. Quake, der die selbst entwickelte SMS-Technik (für single molecule sequencing) vermarkten und die Entschlüsselung des eigenen Genoms für jedermann erschwinglich machen will, fand einen schönen Vergleich: “Eine Aufgabe, die so viel gekostet hat wie eine Boing 747 und ein Team, das die Hälfte dieses Flugzeuges gefüllt hätte, kostet nun so viel wie eine Luxuslimousine und die Leute dafür hätten auf dem Rücksitz Platz.”
    • Optimistische Frauen leben länger und haben seltener Herzkrankheiten – dies ergab die bislang größte Studie zum Thema mit fast 100000 Teilnehmerinnen, veröffentlicht in der Fachzeitschrift “Circulation” der US-amerikansichen Herzgesellschaft. Auch anders herum wird ein Schuh daraus: “Die Mehrheit der Beweise legt nahe, dass ein hohes Maß an negativem Denken die Gesundheit gefährdet”, so Studienleiterin Hilary A. Tindle von der Universität von Pittsburgh. Für Krebserkrankungen gibt es dagegen keine eindeutigen Hinweise, dass eine optimistische Grundhaltung sich auf den Verlauf des Leidens auswirkt, ist einem Beitrag in der Septemberausgabe des Magazins Gehirn & Geist zu entnehmen. Dort erklärt der Psychoonkologe Volker Tschuschke vom Universitätsklinikum Köln, dass die Psyche zwar nachweislich auf das Immunsystem und dass es handfeste Beweise dafür gibt, dass dauernde Niedergeschlagenheit das Immunsystem schwächt. Allerdings, so Tschuschke konnten Studien bislang nicht eindeutig belegen, dass negative Emotionen und Pessimismus das Tumorwachstum förderten oder dass umgekehrt positives Denken die Heilungschance verbessert.
    • Hoffnungsschimmer für Gentherapie – das mit dem Hoffnungsschimmer darf man wörtlich nehmen, den viel mehr sehen die drei Patienten nicht, über die das New Enland Journal of Medicine berichtet, ein Jahr nachdem sie mithilfe der Gentherapie gegen eine sehr seltene Form erblicher Blindheit behandelt wurden, die Leber-Amaurose. Die drei Patienten waren blind und können noch immer keine Buchstaben lesen, jedoch “einen schwachen Lichtschein ausmachen”, wie die Ärzte von den Universitäten von Pennsylvania in Philadelphia und von Florida in Gainesville bekannt gaben. Eine Patienten hatte sogar bei einer Autofahrt erstmals die Uhr auf dem beleuchteten Armaturenbrett bemerkt.
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  • Hämorrhoiden – ungeliebte Anhängsel

    Geschrieben am 1. August 2009 MSimm Keine Kommentare

    Vorbemerkung: Sage keiner, dass Simmformation sich vor Tabu-Themen drückt! Warum auch sollte man nicht über Hämorrhoiden schreiben in einer Zeit, wo jede Dating-Show und jeder Möchtegern-Star mehr Peinlichkeiten bietet, als es ein undichter Hintern jemals vermöchte? Den folgenden Artikel habe ich indes nicht selbst geschrieben, sondern mit Genehmigung nur leicht verändert übernommen von amPuls-online, einem Nachrichtendienst des Universitäts-Klinikums Freiburg:

    Die Dinger machen nur Ärger, sollte man meinen. Schon mit der Rechtschreibung geht es los: Hämorrhoiden oder Hämorriden? Weil ich ein Fan der Basisdemokratie bin, will ich es mit Mehrheit halten und in diesem Artikel von Hämorrhoiden schreiben statt von Hämorriden (bei Wikipedia ist die Sache recht eindeutig mit 357000 Treffen zu 20500). Jedenfalls sitzen sie am Ende des Afterkanals und dort arbeiten dieses Gewebepolster aus vielen kleinen Blutgefäßen zusammen mit dem Schließmuskel als eine Art äußerer Dichtungsring, der dafür sorgt, dass unseren Darm nichts ungewollt nach außen entweicht. Zuerst einmal dürfen wir unseren Hämorrhoiden also sehr dankbar sein. Wenn diese uns allerdings Probleme machen, ist das meist sehr unangenehm. Anzeichen für ein Hämorrhoidenleiden sind Brennen oder Jucken sowie Nässen oder schmerzende Knoten im Afterbereich, Blutstropfen oder Stuhlschmieren in der Unterwäsche, sowie das Gefühl der unvollständigen Entleerung nach dem Stuhlgang.

    Diese Beschwerden sind wohl auch der Grund, warum dieses Leiden nur ungern thematisiert wird. Aber aufgepasst! „Leichte Beschwerden können sich auch verschlimmern“, erklärt Professor Günther Ruf, Leiter der Koloproktologie der Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg. Die Experten unterscheiden vier Krankheitsstadien. Im ersten Stadium ist das Leiden nur wenig ausgeprägt und die oben genannten Probleme treten kaum oder teilweise gar nicht auf.

    Im zweiten Stadium sind die Hämorrhoiden deutlich vergrößert. Verstärktes Schmerzen und Bluten kann die Folge sein. Werden sie belastet, wie beispielsweise beim Pressen während des Stuhlgangs, treten sie hervor, ziehen sich anschließen aber selbstständig wieder zurück. Wird das dritte Stadium erreicht, ziehen sich die Hämorrhoiden auf Grund ihrer fortgeschrittenen Größe nicht mehr eigenständig zurück, sondern müssen mit dem Finger zurückgeschoben werden. Das ist auch der Grund, warum der Darm nicht mehr richtig abgedichtet wird und es zu Stuhlschmieren in der Wäsche kommen kann.

    Im vierten Stadium sind die Hämorrhoiden schließlich auf eine Größe angeschwollen, die das Zurückschieben in den After verhindert. Hier können starke Beschwerden die Folge sein. Abgesehen von Blutungen, Schmerzen und Entzündungen, kann es auch zu unfreiwilligem Stuhlabgang kommen. „Während das erste und zweite Stadium noch selbst mit Salben, Zäpfchen und Sitzbädern behandelt werden kann, sollten weiter fortgeschrittene Stadien unbedingt von einem Facharzt untersucht werden“, rät Professor Ruf. In diesem Fall wird auf Verfahren wie Verödung oder eine Laser- oder Kältetherapie zurückgegriffen.

    Um die Beschwerden nicht zu verschlimmern, sollte darauf geachtet werden, den Stuhl weich zu halten, so dass er ohne übermäßiges Pressen abgeführt werden kann. Dabei hilft ballaststoffreiche Nahrung und eine Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern pro Tag. Vollkornprodukte sowie Kartoffeln, Spinat, Pfirsiche oder Aprikosen haben sich als empfehlenswert herausgestellt. Bananen und Heidelbeeren hingegen verhärten den Stuhl eher, ebenso wie Schokolade und Cola, schwarzer Tee und Weißmehlprodukte.

    Wer schon Schmerzen verspürt sollte außerdem mit säurehaltigen Zitrusfrüchten zurückhaltend sein. Die häufigste Ursache für Hämorrhoiden ist chronische Verstopfung, der genau so wie oben beschrieben durch weichen Stuhl vorgebeugt werden kann. Die regelmäßige Einnahme von Abführmitteln ist ein ebenso häufiger Grund. „Auch erbliche Veranlagungen wie eine Bindegewebsschwäche, der erhöhte Druck im Bauch bei einer Schwangerschaft oder Bewegungsmangel und Übergewicht können Gründe dafür sein“, erklärt Professor Ruf. Immer noch kommt es zu ausgeprägten Hämorrhoidenleiden, weil es den Betroffenen unangenehm ist in einem frühen Stadium damit zu einem Arzt zu gehen. Völlig zu unrecht! Experten haben sich speziell auch für solche Beschwerden ausbilden lassen. Für den Patient mag die Erkrankung also ungewöhnlich sein, für den Facharzt sicher nicht. Wer also nicht will, dass es raus kommt, sollte mit einem Arztbesuch dafür sorgen, dass alles drin bleibt.

    Tipp:

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  • Hirnforschung gegen Juckreiz

    Geschrieben am 8. Dezember 2008 MSimm Keine Kommentare

    Für kleine Jungs ist es ein harmloser Spaß: Ein wenig Juckpulver dem Streber in der ersten Reihe unbemerkt in den Kragen gestreut, dann die Vorfreude genießen auf das Unvermeidliche. Tatsächlich kennt der ungeliebte Mitschüler schon nach wenigen Momenten nur noch einen Gedanken – kratzen, kratzen, kratzen – während die Spötter sich über den Erfolg ihrer Strafaktion ins Fäustchen lachen.

    Bald darauf ist die Geschichte vergessen, allenfalls bei den jährlichen Klassentreffen wird sie wieder hervor gekramt. Denn ebenso wie nach einem Mückenstich oder dem falsch gewaschenen Rollkragenpullover um den Hals verfliegt auch beim Juckpulver das unangenehme Gefühl nach einiger Zeit von selbst. Zur Not lässt sich die Leidenszeit verkürzen mit Hilfe von Umschlägen oder einer kalten Dusche, mit milden Cremes oder alten Hausmitteln wie Eukalyptus, Kampfer, Menthol, Talkum, Zinkoxid oder Glycerin.

    Für ungezählte Menschen aber ist der Juckreiz alles andere als ein Spaß, berichtet Professor Clemens Forster vom Institut für Physiologie und Pathophysiologie der Universität Erlangen-Nürnberg. Das lästige Gefühl will bei ihnen einfach nicht verschwinden oder es kehrt ständig wieder. Die “kleine Schwester des Schmerzes”, so Forster, sei der häufigste Grund für Menschen, einen Hautarzt aufsuchen – und das nicht nur wegen Allergien und Ausschlägen aller Art, wegen Schuppenflechte, Neurodermitis oder Fußpilz.

    Einer norwegischen Umfrage zufolge leiden in der Gesamtbevölkerung etwa 7,5 Prozent der Männer und 9,2 Prozent der Frauen unter Juckreiz. Manche Gruppen sind aus bislang unbekannten Gründen besonders häufig betroffen: Laut Statistik sind dies 70 und 90 Prozent aller Schwangeren, sowie zahlreiche Schmerzpatienten, die mit Morphin und ähnlichen Substanzen behandelt werden müssen. Auch ein Großteil aller Leber- und Nierenkranken wird von ständigem Juckreiz geplagt, bei Dialysepatienten sind es fast die Hälfte. Die Vermutung liegt nahe, dass bestimmte Abfallprodukte des normalen Stoffwechsels dafür verantwortlich sein könnten, die bei Menschen mit geschädigter Niere oder Leber nicht mehr richtig ausgeschieden werden. Die Suche nach diesen Substanzen blieb bisher jedoch erfolglos.

    Beim Juckreiz spielt offensichtlich auch die Psyche eine große Rolle, wie jeder weiß, der sich schon einmal von kratzenden Begleitern “anstecken” lies. Menschen mit belastenden Lebensereignissen waren in der erwähnten norwegischen Umfrage mit 12,2 Prozent überdurchschnittlich häufig betroffen, Personen mit vielen Freunden erkrankten dagegen seltener als der Durchschnitt der Bevölkerung. Und eine Studie der Universität Münster fand ebenfalls Hinweise auf starke Wechselwirkungen zwischen dem Gemütszustand und krankhaftem Juckreiz (Pruritus): Etwa 70 Prozent aller Pruritus-Patienten in dieser Untersuchung litten zusätzlich an psychosomatischen oder psychiatrischen Erkrankungen.

    “Juckforscher” haben also allen Grund, sich für den Sitz der Psyche zu interessieren: das menschliche Gehirn. Und als kürzlich in Washington 31000 Hirnforscher zur Jahrestagung der Society for Neuroscience zusammen kamen, standen die Spezialisten für den Juckreiz mit ihren neuen Erkenntnissen sogar kurzfristig im Rampenlicht. Tatsächlich wird ein Juckreiz zwar von speziellen Rezeptoren in der Haut registriert. Gefiltert, bewertet und bewusst gemacht wird das Gefühl “es juckt” aber erst, nachdem die Reize entlang von Nervenbahnen und über mehrere Umschaltstationen in den höheren Regionen unseres Denkorgans angekommen sind.

    Schon am Anfang dieser Reizbahnen gibt es klare Unterschiede zwischen verschiedenen Arten des Juckreizes, wie Forster und dessen Kollegin Frauke Kosteletzky deutlich machten. Beim vergleichsweise harmlosen “Typ Mückenstich” spielt der Botenstoff Histamin eine entscheidende Rolle, der an der Abwehr körperfremder Stoffe beteiligt ist. Wie auch beim Kontakt mit Brennnesseln bilden sich nach einigen Minuten weiße Quaddeln die von einem roten, runden Fleck umgeben sind. Arzneien aus der Gruppe der Antihistaminika können diese Art von Juckreiz zwar mildern, indem sie den Botenstoff daran hindern, seine Wirkung an speziellen Empfangsmolekülen – den Histaminrezeptoren – zu entfalten. Weil diese Präparate als Nebenwirkung Müdigkeit verursachen, werden sie aber von “Juckexperten” nicht generell empfohlen.

    Unabhängig vom Histamin funktioniert eine zweite Art von Juckreiz, die Forsters freiwillige Versuchspersonen zu spüren bekamen. Ihnen tupfte der Wissenschaftler mit einem Wattestäbchen einen Extrakt aus Haaren der Juckbohne auf die Haut – eine in den Tropen weit verbreitete Pflanze und Inhaltsstoff der meisten Scherzartikel, die hierzulande als “Juckpulver” verkauft werden. Diesen Reiz konnten die Freiwilligen eindeutig vom Histamin-vermittelten, Mückenstich-artigen Juckreiz unterscheiden und beschrieben ihn als eher stechend, scharf und spitz.

    Wissenschaftlich-objektiv und zudem noch mit bunten Bildern ließen sich die beiden Formen von Juckreiz auch mit Hilfe der Laser-Doppler-Blutflussmessung darstellen. Die damit aufgenommen Bilder zeigen in roten und gelben Farben den durch Histamin drastisch vermehrten Blutfuss in der Haut. Ein kühles Blau belegt dagegen, dass der Juckbohnen-Extrakt seine nervige Wirkung auch ohne Veränderung des Blutflusses entfaltet. Unterschiede gab es nicht zuletzt auch in der Wirkung des Kratzens auf die zwei verschiedenen Juckreiz-Arten: “Das Bedürfnis, sich zu kratzen, entstand schneller unter Histamin und die folgende Erleichterung hielt länger an als beim Juckbohnen-Extrakt”, fand Forster heraus.

    “Dies legt nahe, dass ein Juckreiz auf mindestens zwei verschiedenen Wegen von den peripheren Nervenbahnen zum Gehirn geleitet werden kann”, sagt Forster und bestätigt damit auch die Arbeiten von Professor Matthias Ringkamp, der früher wie Forster an der Universität Erlangen-Nürnberg geforscht hat und heute an Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore arbeitet. Ringkamp fand heraus, das ein bestimmter Fasertyp nicht auf Histamin reagiert, sehr wohl aber auf die Juckbohne, und das dieser Fasertyp sich durch eine Vorbehandlung mit Capsaicin blockieren lässt – jener Substanz, die Chili-Schoten ihre mitunter schmerzhafte Würze verlieht.

    Beide Forscher hoffen nun, dass ihre Entdeckungen dazu beitragen, eines Tages neue Behandlungen zu finden für jene Menschen, denen mit Hausmitteln und Histamin-Blockern nicht geholfen werden kann. Wie solch eine Behandlung aussehen könnte, verriet auf der Jahrestagung der Hirnforscher Professor Zhou-Feng Chen, Mitarbeiter am Schmerzzentrum der Washington Universität in St. Louis. Chen hatte im Vorjahr bereits als Erster die Entdeckung eines “Juck-Gens” bekannt gegeben. Dieses Gen bildet den molekularen Bauplan für den “Gastrin freisetzenden Peptid-Rezeptor” (eng. gastrin-releasing peptide receptor, GRPR), eines von vielen Biomolekülen, die an der Reizleitung im Nervensystem beteiligt sind. Das GRPR-Gen spielt offensichtlich eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Juckreiz bei Schmerzpatienten denen zur Linderung ihrer Qualen Morphin oder ähnliche Substanzen in den Rückenmarkskanal gespritzt werden muss.

    Genmanipulierte Mäuse, denen Chen das GRPR-Gen entfernt hatte, erwiesen sich als weniger empfindlich gegen diese Art von Juckreiz – und zwar ohne dass ihr normales Schmerzempfinden oder ihr Temperatursinn durch diesen Eingriff beeinträchtigt worden wäre. “Das widerlegt den Glauben, dass die Reizbahnen für Morphin-induzierten Juckreiz und die schmerzlindernde Wirkung des Morphins identisch wären”, erläuterte Chen. Der Hirnforscher plant indes keine Genmanipulation an Schmerzpatienten, sondern will statt dessen einen Hemmstoff für GRPR entwickeln, der gleichzeitig mit dem Morphin verabreicht würde. Bei gesunden Mäusen hat Chen diese Strategie bereits erfolgreich erprobt. “Das Morphin behielt seine schmerzlindernde Wirkung, und die Tiere spürten keinen Juckreiz mehr”, sagt er. Da das “Juck-Gen” GRPR des Menschen dem der Maus sehr ähnlich ist, wäre es laut Chen “durchaus möglich, auch Schmerzpatienten auf diese Art zu behandeln – auch wenn dafür noch eine Menge Forschungsarbeit geleistet werden muss.”

    Quelle und weitere Informationen zum Juckreiz:

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