Artikel, Trends und Hintergründe aus Medizin & Pharma, Gentechnik & Hirnforschung
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  • Licht hilft bei Depression in der Schwangerschaft

    Geschrieben am 12. April 2011 MSimm Keine Kommentare

    Schwangeren, die an einer Depression leiden und aus Angst vor Nebenwirkungen auf die Einnahme von antidepressiven Medikamenten während der Schwangerschaft verzichten wollen, kann mit einer Lichttherapie effektiv geholfen werden. Das meldet die Universität Basel in einer Pressemitteilung:

    Etwa zehn Prozent aller Schwangeren leiden an einer behandlungsbedürftigen Depression. Unbehandelt kann diese Erkrankung nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Ungeborene schwere Folgen haben, beispielsweise in Form von Frühgeburten, Geburtskomplikationen und niedrigem Geburtsgewicht. Aus Angst vor den Risiken und Nebenwirkungen möchten viele Frauen aber während der Schwangerschaft auf die Einnahme von antidepressiven Medikamenten verzichten. Psychotherapie und andere bei Depressionen eingesetzte Interventionen alleine helfen aber oft nicht ausreichend.

    Wie Forschende der Universität Basel nun in einer vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Studie belegen, könnte Lichttherapie eine Behandlungsalternative sein. Lichttherapie hat sich in der Behandlung von verschiedensten Formen von Depressionen bereits bewährt; zudem ist sie für das Ungeborene ungefährlich. Deshalb haben Ärztinnen und Ärzte sowie Forschende der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel und der Universitäts-Frauenklinik Basel unter der Leitung von Prof. Dr. Anna Wirz-Justice und Prof. Dr. Anita Riecher-Rössler die Wirksamkeit der Lichttherapie für depressive Erkrankungen in der Schwangerschaft untersucht.

    Bei Schwangeren, die an der Universitäts-Frauenklinik Basel sowie in verschiedenen gynäkologischen Praxen in Behandlung waren und eine depressive Symptomatik zeigten, wurden in der Psychiatrischen Universitäts-Poliklinik weitere Abklärungen getroffen. Davon haben sich 27 Schwangere, die die Kriterien einer schwereren depressiven Erkrankung erfüllten, nach ausführlicher Aufklärung an der Studie beteiligt. Sie wurden zufällig entweder mit weissem Licht (7000 Lux) oder mit gedämpftem roten Licht (70 Lux, Placebo) während fünf Wochen jeden Morgen eine Stunde lang zu hause behandelt. Die Studie wurde doppelblind durchgeführt, sodass weder die Patientin noch ihre Psychiater wussten, ob die Frauen eine wirksame Lampe erhalten hatten oder nicht. Die depressive Symptomatik der Probandinnen wie auch eventuelle Nebenwirkungen wurden wöchentlich mit verschiedenen Fragebögen erfasst.

    Die Lichttherapie mit hellem Licht erwies sich der Placebo-Therapie mit schwachem Licht gegenüber als deutlich überlegen. Schon nach fünf Wochen zeigten die Schwangeren mit Lichttherapie in 81 % der Fälle eine deutliche Besserung, 69 % waren symptomfrei, während die entsprechenden Zahlen in der Placebo-Gruppe nur bei 46 % bzw. 36 % lagen. Die Lichttherapie könnte damit eine einfache, kosteneffektive Therapie bei Depression in der Schwangerschaft darstellen – mit minimalen Nebenwirkungen und ohne bekanntes Risiko für das Ungeborene.

    Quelle:

  • Mustergeschöpfe – Ausstellung in Schorndorf

    Geschrieben am 9. Juli 2010 MSimm Keine Kommentare

    Statt Nachrichten aus der Medizin gibt es heute einmal Denkanstöße aus der Kunst und eine Diskussion zu vermelden: “Mustergeschöpfe – Zwischen hohen Erwartungen und großen Befürchtungen” heißt eine Ausstellung, die am Freitag, dem 9. Juli um 19:00 mit einer Vernissage im Röhm eröffnet – auch bekannt als Alte Lederfabrik Schorndorf. Dort stellt die Künstlerin Verena Braunstein interessante Fragen: Macht es uns glücklicher, wenn wir all das verwirklichen, was möglich ist? Wenn alle Menschen vollkommen sind, verlieren wir dann unsere Identität?

    Kunst trifft Wissenschaft: Ab 9. Juli im Röhm, Schorndorf

    “Da wachsen Zwitterwesen in einem Garten heran, kraftvolle Keimlinge strecken sich und Leckereien verführen uns zur Gestaltung unserer selbst – gleichzeitig gerät da auch etwas aus den Fugen, verläßt den kontrollierbaren Bereich, entwickelt ein Eigenleben”, heißt es im Prospekt. Es geht also um die Grenzbereiche des wissenschaftlichen Fortschritts, insbesondere um die Reproduktionsbiologie. Und weil die mich ebenso interessiert wie Frau Braunstein werde ich an diesem Tag gleich zwei mal mitdiskuttieren, sowohl in einer geschlossenen Schülerveranstaltung, als auch nach der Vernissage mit den Besuchern der Ausstellung. Und wer am Freitag nicht kommen kann, bekommt an folgenden Terminen eine zweite Chance, die Ausstellung zu sehen und sich näher mit der Thematik zu befassen:

    • Am 11. Juli gibt es um 11:00 eine Sonntagsmatinée mit Frau Annegret Braun, Leiterin der Beratungsstelle Pränataluntersuchung und Aufklärung des Diakonischen Werks Württemberg. “Auf dem Weg zum perfekten Kind” lautet das Thema und es geht dabei um die Angst werdender Eltern, schon während der Schwangerschaft etwas zu versäumen. Das Thema geriet erst vor wenigen Tagen in die Schlagzeilen, nachdem der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil die Präimplantationsdiagnostik außerhalb des Mutterleibs quasi erlaubt hat (genauer: Sie wird nicht bestraft).
    • Die Ausstellung ist geöffnet am Samstag, dem 10.7. von 15:00 bis 19:00 und am Sonntag, dem 11.7. von 11:00 bis 18:00 sowie am
    • Freitag, dem 16.7. von 16:00 bis 21:00, Samstag 17.7. von 15:00 bis 19:00 und Sonntag 18.7. von 11:00 bis 18:00.

    Für alle, denen der Weg nach Schorndorf zu weit ist, oder die sich nach der Ausstellung noch aus weiteren Quellen über die Möglichkeiten, Grenzen und auch den Missbrauch der Techniken zum “Baby-machen” informieren wollen, habe ich folgende Lese- und Videotipps:

    • Die Wikipedia mit zahlreichen Fakten zur künstlichen Befruchtung
    • “Frozen Angels” (Engel auf Eis) von Frauke Sandig und Eric Black ist eine spannende, 90-minütige Dokumentation über die US-Befruchtungsindustrie und deren Auswüchse, die seit dem Erscheinen des Films im Jahr 2005 keineswegs geringer geworden sind. Der Film hat sogar eine eigene Webseite, Sie können sich aber auch die DVD bei Amazon bestellen.
    • Deutlich kürzer, mit Schwerpunkt auf den Verhältnissen in Deutschland und deutlich positiver wurde das Thema dargestellt in einer Quarks & Co Sendung im September 2008 mit dem Titel: Der steinige Weg zum Wunschkind. Auf der WDR-Webseite kann man sowohl ein Manuskript als auch einen Mitschnitt bestellen. Ganz nebenbei wäre es wohl auch eine interessante Übung für das Fach Medienkunde, den Film “Frozen Angels” mit der WDR-Produktion zu vergleichen.
    • Der Science-Fiction Film GATTACA schließlich greift in äußerst beeindruckender Weise das Thema der Optimierung des Menschen durch die Möglichkeiten der Gentechnik auf. Als gelernter Genetiker halte ich GATTACA  für einen der besten – und realistischsten – Science-Fiction-Filme überhaupt. Eine schöne Besprechung findet sich auf Wikipedia, und natürlich kann man auch diese DVD bei Amazon bestellen.
    • Zurück in der Wirklichkeit: Die Kinderwunsch-Seite gibt Nachhilfe nicht nur über die Grundlagen der Fruchtbarkeit und die natürliche Familienplanung, sondern informiert auch über die zahlreichen Methoden, mit denen Ärzte versuchen, unerfüllte Kinderwünsche zu verwirklichen. Ergänzt wird die gut gemachte Seite durch ein sehr reges Forum, Buchtipps und zahlreiche Service-Angebote.
  • Mehr Totgeburten nach künstlicher Befruchtung

    Geschrieben am 24. Februar 2010 MSimm 1 Kommentar

    Frauen, die mit Hilfe zweier unterschiedlicher Techniken der künstlichen Befruchtung (IVF und ICSI) schwanger werden, haben laut einer dänischen Studie ein erhöhtes Risiko für Totgeburten. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollten allerdings vorsichtig bewertet werden, warnte die Leiterin der Studie, Kirsten Wisborg von der Universitätsklinik Aarhus in Dänemark. Man müsse bedenken, dass das Risiko von Totgeburten auch mit IVF/ICSI sehr niedrig sei. “Außerdem wissen wir nicht, ob sich das Risiko durch die eigentliche Behandlung erhöht, oder ob es bislang unbekannte Risikofaktoren gibt, die bei jenen Paaren vermehrt auftreten, die IVF und ICSI in Anspruch nehmen.”

    Für die aktuelle Untersuchung, die in der Fachzeitschrift Human Reproduction veröffentlicht wurde, hatte Wisborg mit ihren Kollegen die Daten von mehr als 20000 Einzel-Schwangerschaften ausgewertet, bei denen die Geburtstermine zwischen August 1989 und Oktober 2006 angesetzt waren, und bei denen die Frauen jeweils ihr erstes Kind zu Welt bringen wollten.

    82 Prozent dieser Schwangerschaften waren auf natürlichem Wege nach weniger als 12 Monaten zustande gekommen, bei weiteren zehn Prozent hatte es ohne Hilfsmittel länger als ein Jahr gedauert. Bei den restlichen acht Prozent der Schwangerschaften hatten Ärzte durch verschiedene Arten von Fruchtbarkeitsbehandlungen nachgeholfen: In 742 Fällen kam die Befruchtung außerhalb des Körpers zustande, indem die Ärzte entweder Ei- und Samenzellen im Labor in Kulturschalen zusammenbrachten (sogenannte “In Vitro Fertilisation”, IVF) oder unter dem Mikroskop eine einzige Spermienzelle direkt in die Eizelle hinein spritzten  (“Intrazytoplasmatische Spermieninjektion”, ICSI). Die verbleibenden 879 Schwangerschaften kamen durch weniger aufwändige Methoden zustande wie die Hormonstimulation und die Insemination, bei der Spermien in den Genitaltrakt der Frau eingeführt werden.

    Insgesamt kam es unter den mehr als 20000 Schwangerschaften zu 86 Totgeburten, was einem Durchschnitt von 4,3 Totgeburten je 1000 Schwangerschaften entspricht, also weniger als einem halben Prozent. Bei den Schwangerschaften, die Dank IVF und ICSI zustande kamen, war der Anteil der Totgeburten mit 1,6 Prozent immer noch sehr niedrig – gegenüber dem Durchschnitt allerdings war dieser Wert um das Vierfache erhöht. Die wenigsten Totgeburten gab es unter jenen Frauen, die durch eine Hormonbehandlung oder die Insemination schwanger geworden waren; hier lag der Anteil bei 0,2 Prozent. Nach den Regeln der Statistik, denen Wisborg und ihre Kollegen bei ihrer Untersuchung folgten, war jedoch nur der Unterschied zwischen IVF/ICSI und den natürlichen Schwangerschaften bedeutsam und mit großer Wahrscheinlichkeit kein Zufall.

    “Bisher hatte man spekuliert, dass ein erhöhtes Risiko für die Schwangerschaft nach Fruchtbarkeitsbehandlungen mit Faktoren zusammenhängt, die bei den unfruchtbaren Paaren liegen”, erklärte Wisborg das Neue an ihrer Untersuchung. “Wenn aber das Risiko zwischen weniger fruchtbaren Paaren, voll fruchtbaren Paaren und jenen, die mit Hormonbehandlung und Inseminaion schwanger wurden annähernd gleich ist, kann dies auch bedeuten, dass das erhöhte Risiko für Totgeburten mit der Technik von IVF/ICSI zusammen hängen könnte, oder mit körperlichen Unterschieden bei jenen Paaren, die diese Techniken in Anspruch nehmen.”

    Um solche Fragen zu beantworten und die möglichen Ursachen der Totgeburten heraus zu finden, wollen Wisborg und ihre Kollegen Hans Jakob Ingerslev und Tine Brink Henriksen auch weiterhin Daten sammeln. “Hoffentlich verdeutlichen die Resultate unserer Studie auch die Bedeutung von Langzeituntersuchungen zu den möglichen Folgen verschiedener Fruchtbarkeitsbehandlungen”, so Wisborg.

    Quelle:

    • Wisborg K, Ingerlev HJ, Henriksen TB. IVF and Stillbirth: A Prospective Follow-Up Study. Human Reproduction doi:10/1093/humrep/deq023

    Weitere Informationen:

  • Zuviel Ultraschall fürs Ungeborene?

    Geschrieben am 15. Dezember 2006 MSimm Keine Kommentare

    Aller guten Dinge sind drei, dies gilt zumindest für die routinemässige Untersuchung von Ungeborenen im Mutterleib mit Hilfe der Ultraschalltechnik. Drei Untersuchungen sollen von Ärzten im Rahmen der Mutterpass-Vorsorge durchgeführt werden; drei Ultraschall-Termine werden von Fachgesellschaften einhellig empfohlen und diese drei Untersuchungen bergen keine bekannten Risiken für Mutter und Kind, so die einhellige Aussage verschiedener Lehrbücher und Nachschlagewerke.

    Ultraschallbild eines Ungeborenen (Foto: Siemens)

    Tatsächlich rechnen deutsche Frauenärzte jedoch durchschnittlich fünf bis acht Untersuchungen pro Schwangerschaft mit den Krankenkassen ab. Hinzu kommt noch eine unbekannte Zahl von Sitzungen für “Erinnerungsfotos” ohne medizinische Notwendigkeit – von verrauschten Schnappschüssen in schwarzweiss bis zu bunten, dreidimensionalen Porträts in millimetergenauer Auflösung und sogar Videos “zum Mitnehmen”.

    Mit der wachsenden Gesamtdauer der Beschallung im Mutterleib könnte auch das Risiko für Entwicklungsschäden ansteigen, warnten Hirnforscher kürzlich auf der Jahrestagung der US-Gesellschaft für Neurowissenschaften in Atlanta. Grund zur Sorge ist für Eugenius S. Ang von der Yale Medical School in New Haven eine Studie mit mehr als 300 schwangeren Mäusen, die unterschiedlich lange dem Ultraschallkopf eines modernen Diagnosegerätes ausgesetzt waren. Als die Jungen zehn Tage nach der Geburt geopfert und deren Hirne untersucht wurden, sahen Ang und dessen Kollegen, dass Untersuchungszeiten von zwei mal 15 Minuten oder mehr die normale Wanderung von Nervenzellen in der Großhirnrinde eindeutig gestört hatten. Infolgedessen hatte sich auch die Anordnung der Hirnzellen in verschiedenen Schichten und die Verschaltung dieser Zellen untereinander im Vergleich zu nicht beschallten Tieren verändert. Ähnliche Veränderungen können auch durch Röntgenstrahlung im Mutterleib hervorgerufen werden, und es gibt Hinweise, dass Störungen im Wanderverhalten der Nervenzellen während der Embryonalentwicklung möglicherweise zu Schizophrenie führen können, einer schweren Geisteskrankheit.

    Ang und sein Chef, der renommierte Neurowissenschaftler Pasko Rakic wollen keine Panikmache betreiben. Ärzte sollten Ultraschalluntersuchungen auch weiterhin für “angemessene medizinische und diagnostische Zwecke” nutzen, betonen sie. Dass die vor 50 Jahren eingeführte Methode besser und sicherer ist als etwa Röntgenaufnahmen bezweifeln sie nicht. Auch würde eine Bestrahlung von zwei mal 15 Minuten bei der Maus, umgerechnet auf die Entwicklungsdauer des menschlichen Gehirns natürlich einer viel längeren Zeitspanne entsprechen. „Andererseits sind unsere Hirne aber auch viel komplizierter als die von Mäusen“, gibt Ang zu bedenken. Er forderte, die Auswirkungen des Ultraschalls nun auch in grösseren Hirnen zu untersuchen, die sich – ebenso wie das des Menschen – langsamer entwickeln. Solch eine Studie mit Affen habe man gerade begonnen, Ergebnisse seien aber erst im Jahr 2008 zu erwarten.

    "Kein Grund zur Beunruhigung": Professor Bernd-Joachim Hackelöer

    Bei der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) sieht man keinen Anlass zur Beunruhigung. “Seit 30 Jahren gibt es Behauptungen über die Schädlichkeit von Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft, aber diese Arbeiten sind alle fehlerhaft”, sagt Professor Bernd-Joachim Hackelöer, Vorstandsmitglied der DEGUM und Experte für Ultraschall in der Gynäkologie. Im europäischen Dachverband EFSUM hat man eigens eine Gruppe von Spezialisten damit beauftragt, alle Studien auszuwerten und auch neue Daten zu überprüfen, berichtet Hackelöer. Das Ergebnis dieser “Wachhund-Kommission” sei klar und alle bisher vermeldeten Auffälligkeiten hätten sich bei näherer Betrachtung in Luft aufgelöst. Weder vergrößerten die Routineuntersuchungen in der Schwangerschaft den Anteil der Linkshänder unter Knaben, noch verringerten sie das durchschnittliche Geburtsgewicht und sie erhöhten auch nicht das Risiko für die Kleinen, später an einer Lese-Rechtschreibschwäche (Dyslexie) zu erkranken.

    Dennoch hat sich in den Vereinigten Staaten die oberste Zulassungsbehörde FDA klar gegen die Praxis des Baby-Fernsehens und gegen reine Erinnerungsfotos ausgesprochen. Nicht-Ärzten sind sie in den USA sogar verboten, während der Gesetzgeber in Deutschland diese Vorsichtsmaßnahme anscheinend für überflüssig hält. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärte sich auf Anfrage für nicht zuständig und verwies auf “Landesbehörden oder entsprechende Standesorganisationen”. Ob medizinisch nicht notwendige Aufnahmen anfertigt würden, von wem, in welchem Umfang und zu welchem Preis wisse man nicht.

    Prinzipiell dürfe jeder mit den Geräten umgehen, solange er keinen Schaden damit anrichtet, erklärt Hackelöer. Medizinische Untersuchungen und die Möglichkeit, diese dann auch mit den Krankenkassen abzurechnen, sind nur Ärzten erlaubt. Dies schließt aber nicht aus, dass zum Beispiel Hebammen oder sonstige Dienstleister und Firmen die Technik einsetzen und mit ihren Kundinnen privat abrechnen. Dabei sind die Grenzen zwischen sinnvoller Vorsorge, dem Ausschluss von Risiken und reinen Erinnerungsfotos auch in der ärztlichen Praxis oft schwer auszumachen. Dort werden, so erklärt offen eine Gynäkologin, mitunter auch Untersuchungen außerhalb der Vorsorge und ohne konkreten Verdacht gemacht, um Schwangere zu beruhigen, die schlichtweg Angst um ihr Ungeborenes haben.

    Wie viele Beschallungen auf das Konto von Ärzten gehen, die aus Unsicherheit und Angst vor Schadensersatzklagen doppelt und dreifach untersuchen, weiss niemand. Allerdings hat die DEGUM Mängel in der Ausbildung vieler Ärzte festgestellt, die zudem vielfach mit veralteten und schlecht gewarteten Geräten arbeiten. Nicht speziell ausgebildete Untersucher würden lediglich 20 Prozent sämtlicher kindlicher Auffälligkeiten erkennen, hoch qualifizierte Ultraschallexperten dagegen 90 Prozent, zitiert Hackelöer eine Studie. Mit einem Zertifizierungsverfahren will die DEGUM Abhilfe schaffen – und würde so den Mitgliedern des Fachverbandes gleichzeitig mehr Schwangere zuführen, während weniger qualifizierte Frauenärzte mit Umsatzeinbußen rechnen müssten.

    Auch Ärzte sind gezwungen, kaufmännisch zu denken. Sie wollen ihre “Kunden” nicht verlieren und verdienen sich mit “individuellen Gesundheitsleistungen” gerne etwas dazu; also mit Angeboten jenseits dessen, was laut Gesetz “ausreichend, zweckmäßig, notwendig und wirtschaftlich” ist und deshalb von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt wird. Dazu gehört auch das Baby-Fernsehen. Die “unvergleichlich fotorealistischen und faszinierenden Bilder Ihres Kindes”, etwa bietet eine Frauenarzt-Praxis in Berlin-Mitte für rund 100 Euro an – Zusendung per E-Mail inklusive.

    Eine offizielle Empfehlung, wie Ärzte mit dem Wunsch der Eltern nach Erinnerungsfotos umgehen sollen, gibt es bisher nicht. Auch die rechtliche Lage ist ungeklärt, wenn solche Bilder ohne medizinische Notwendigkeit angefertigt und dabei Missbildungen übersehen werden. Einziger Ausweg aus dem Dilemma ist für Hackelöer, Erinnerungsfotos als zusätzliche Dienstleistung ausschliesslich am Ende jener Untersuchungen anzufertigen, die zum Wohl von Mutter und Kind und zum Ausschluss von Risiken ohnehin erforderlich sind. “So mache ich das auch”, sagt er – und schafft damit den Spagat zwischen ärztlicher Ethik und Kommerz. Und werdende Mütter, die sich um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen, sollten statt auf Ultraschall besser auf Zigaretten und Alkohol verzichten.

    Quellen:

    • Jahrestagung der Society for Neuroscience, Atlanta, 14.-18.10.2006. Poster 28.8: “Ultrasound affects embryonic mouse brain development”. Die Studie wurde veröffentlicht in den Proceedings der National Academy of Sciences (PNAS).

    Weitere Informationen:

  • Rauchen senkt Chance aufs Baby-Glück

    Geschrieben am 15. April 2005 MSimm Keine Kommentare

    Der Lebensstil ungewollt kinderloser Frauen hat einen großen Einfluß auf die Erfolgschancen bei der künstlichen Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation, IVF). Wie eine Gruppe holländischer Ärzte in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Human Reproduction berichtet, ergab ein Vergleich unter annähernd 8500 Patientinnen, daß Raucherinnen, Übergewichtige und ältere Frauen die schlechtesten Aussichten haben, beim ersten Anlauf mit der Methode ein gesundes Baby zur Welt zu bringen.

    Für die Untersuchung hatten die Ärzte Behandlungsunterlagen der Jahre 1983 bis 1995 aller zwölf niederländischen IVF-Zentren ausgewertet, die im Rahmen der sogenannten OMEGA-Studie erfaßt worden waren. Im Durchschnitt brachten nur jeweils 15 von 100 Frauen nach dem ersten Behandlungszyklus per IVF ein gesundes Kind zur Welt, eine Erfolgsquote, die dank neuerer Techniken in den vergangenen Jahren leicht gestiegen ist. In der Regel wird die IVF erst angewandt, wenn andere Methoden der Unfruchtbarkeitsbehandlung wie die alleinige Förderung des Eisprungs mit Hormonen und Medikamenten erfolglos geblieben sind. Bei der IVF stimulieren Ärzte ebenfalls die Eierstöcke; anschließend entnehmen sie jedoch die freigesetzten Eizellen und befruchten diese im Labor mit den Spermien des Mannes. Schließlich werden die befruchteten Eier nach mehrmaliger Teilung in die Gebärmutter der Frau eingebracht.

    In der holländischen Studie hatten die Ärzte als Ursache des unerfüllten Kinderwunsches verschiedene Gründe ermittelt wie Probleme mit den Eileitern der Frau, mit der Samenqualität des Mannes oder „Subfertilität aus ungeklärtem Grund“. Dennoch zeigte sich in allen Gruppen ein eindeutiger Trend: Rauchende Frauen gebaren etwa ein Viertel weniger gesunde Kinder als ihre nicht rauchenden Geschlechtsgenossinnen. Unter denjenigen Frauen, bei denen die IVF zu einer Schwangerschaft führte, erlitten zudem die Raucherinnen mit 21 Prozent häufiger eine Fehlgeburt als die Nichtraucherinnen mit 16 Prozent. Damit hatten die Zigaretten den gleichen Effekt, als ob die Frauen um zehn Jahre gealtert wären, schreiben die Mediziner in ihrem Fachartikel. Aus früheren Untersuchungen ist nämlich bekannt, daß die Chancen auf ein gesundes Baby umso geringer werden, je älter die Patientinnen zum Zeitpunkt der Behandlung sind.

    Doch nicht nur das Rauchen schmälerte in der aktuellen Studie die Aussicht auf Erfolg: Als noch schädlicher erwies sich nämlich ein zu hohes Körpergewicht, definiert als ein „Body-Mass-Index“ (BMI) von über 27. Der BMI errechnet sich aus dem Gewicht in Kilogramm geteilt durch Größe in Metern zum Quadrat. Ein BMI zwischen 20 und 25 gilt bei Frauen und Männern als normal. In der vorliegenden Untersuchung nun war die Geburtenrate beim ersten IVF-Versuch für Frauen mit einem BMI über 27 um ein Drittel geringer als bei leicht übergewichtigen Patientinnen und ein Fünftel geringer als bei Normalgewichtigen. Rauchen und Übergewicht hätten demnach einen „verheerenden“ Effekt auf die Chancen kinderloser Paare, ihre Unfruchtbarkeit mithilfe der IVF zu überwinden, schreibt das holländische Ärzteteam. Doch die Studienleiterin Dr. Bea Lintsen vom Medizinischen Zentrum der Radboud Universität Nijmegen überbringt lieber eine gute Nachricht: „Unsere Resultate legen nahe, daß Pärchen – insbesondere die Frauen – die Erfolgschancen der IVF-Behandlung womöglich verbessern können, wenn sie abnehmen und mit dem Rauchen aufhören.“

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  • Teure Reagenzglasbefruchtung

    Geschrieben am 15. Januar 2000 MSimm Keine Kommentare

    Die Erfolgsquote der Reagenzglasbefruchtung ist offenbar nicht höher als beim vergleichsweise einfachen Samentransfer in die Gebärmutter. Wie aus einer Studie mit 258 Paaren hervorgeht, gilt dies zumindest für jene Frauen, deren Kinderwünsche aus ungeklärten Ursachen oder wegen schlechter Spermienqualität des Mannes nicht in Erfüllung gehen. „Das Ergebnis hat uns selbst überrascht und ist wohl damit zu erklären, dass die körperlichen und emotionalen Belastungen durch die Reagenzglasbefruchtung sehr oft zum Abbruch der Behandlung führten“, erklärte Studienleiterin Angelique Goverde von der Freien Universität Amsterdam. Die Teilnehmerinnen der Untersuchung repräsentieren der Gynäkologin zufolge „einen großen Teil“ aller unfruchtbaren Frauen.

    Die 87 Frauen, welche in der Studie die Reagenzglasbefruchtung (In-Vitro-Fertilisation, IVF) erhalten hatten, gebaren 33 gesunde Kinder. 85 Frauen, denen nach einer Hormonstimulation Samen in die Gebärmutter gespritzt wurde (Intra-Uterine Insemination, IUI), brachten 31 gesunde Kinder zu Welt; das gleiche Verfahren ohne Hormonstimulation führte zu 25 Geburten unter 86 Frauen.

    Viele Fachleute waren bislang davon ausgegangen, dass die In-Vitro-Fertilisation, bei der Samen und Eizelle in einer Kulturschale miteinander verschmolzen werden, die bessere Methode ist. Allerdings sind dafür umfangreiche Vorbereitungen notwendig, weil der weibliche Körper mit zeitlich genau abgestimmten Hormongaben auf die Schwangerschaft eingestellt werden muss. Zudem müssen reife Eizellen in einer Operation abgesaugt und nach der Befruchtung im Labor entwicklungsfähige Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt werden. Die Berechnungen der niederländischen Wissenschaftler zeigen, dass dieses Verfahren außer den körperlichen Strapazen und der emotionalen Belastung auch drei mal so hohe Kosten verursacht wie die Intra-Uterine Befruchtung.

    In der nun veröffentlichten Studie waren mit jeder Methode maximal sechs Behandlungszyklen vorgesehen. Während jedoch die Teilnehmerinnen mit IVF insgesamt nur 270 Behandlungszyklen über sich ergehen ließen, waren es in den beiden IUI-Gruppen 355 bzw. 338 Versuche. So war die Erfolgsquote pro Behandlungszyklus zwar mit IVF am höchsten, die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden aber wegen der vielen abgebrochenen Behandlungen nicht höher als mit dem billigeren Samentransfer in die Gebärmutter.

    „Ratsuchenden Paaren sollte man sagen, dass die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft mit beiden Methoden gleich gut sind und das die Intra-Uterine Insemination das bessere Kosten/Nutzen-Verhältnis bietet“, kommentierte Goverde ihre Studie. „Weil die IUI ohne Hormonstimulation überdies weniger Gesundheitsrisiken birgt, ist sie die Methode der ersten Wahl.“

    Die In-Vitro-Fertilisation war ursprünglich für Frauen entwickelt worden, bei denen beschädigte oder verschlossene Eileiter eine Schwangerschaft verhinderten. In manchen Ländern wie Belgien und den USA verlangen jedoch viele Frauen nach der Methode, bei denen diese Voraussetzung nicht gegeben ist, erklärte Goverde. „Sie haben in den Zeitungen von den tollen Möglichkeiten der Fortpflanzungsmediziner gelesen und unterschätzen die Belastung durch das High-Tech-Verfahren IVF. Die Intra-Uterine-Befruchtung hat dagegen bei vielen das Image einer landwirtschaftlichen Zuchtmethode“.

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