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	<title>Simmformation v7 &#187; Zelltransplantation</title>
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	<description>Artikel, Trends und Hintergründe aus Medizin &#38; Pharma, Gentechnik &#38; Hirnforschung</description>
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		<title>Parkinson: Erste Zelltherapie in Deutschland</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Nov 2003 15:04:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MSimm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gehirn & Geist]]></category>
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		<category><![CDATA[Parkinson]]></category>
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		<description><![CDATA[Dass etwas nicht stimmt, bemerken anfangs nur die engsten Angehörigen. Mit einigen unbeholfenen Bewegungen oder einem leichten, halbseitigen Zittern beginnt der Leidensweg der Parkinson-Kranken. Medikamente helfen zwar viele Jahre, die Kontrolle zu behalten. Das Zittern des verstorbenen Papstes Johanes Paul II und die eingefrorenen Gesichtszüge des „größten Boxers aller Zeiten“, Muhammad Ali, aber zeigen, welches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="height:33px;" class="really_simple_share"><div style="width:100px;" class="really_simple_share_facebook_like"> 
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		<div style="clear:both;"></div><p>Dass etwas nicht stimmt, bemerken anfangs nur die engsten  Angehörigen. Mit einigen unbeholfenen Bewegungen oder einem leichten,  halbseitigen Zittern beginnt der Leidensweg der Parkinson-Kranken.  Medikamente helfen zwar viele Jahre, die Kontrolle zu behalten. Das  Zittern des verstorbenen Papstes Johanes Paul II und die eingefrorenen  Gesichtszüge des „größten Boxers aller Zeiten“, Muhammad Ali, aber  zeigen, welches Schicksal die über 200 000 Betroffenen in Deutschland  erwartet.</p>
<p>Die spektakulärste und wegen ihrer durchwachsenen Erfolgsbilanz  umstrittenste Therapie gegen die Krankheit erproben vor allem  amerikanische Ärzte seit etlichen Jahren: Mitten ins Hirn werden Zellen  transplantiert, um die gestörte Produktion des Botenstoffes Dopamin  wiederherzustellen. Nun hat das Berliner Pharma-Unternehmen Schering bekannt gegeben, dass auch deutsche Neurochirurgen seit April eine  ähnliche Therapie gegen die Parkinsonkrankheit testen. Der Versuch weist  zwei Besonderheiten auf: Es ist das erste Mal, dass Patienten in  Deutschland Zellen ins Gehirn eingepflanzt bekommen, sagt die  Projektleiterin Elke Reisig. Außerdem stammen die Zellen aus der  Netzhaut der Augen verstorbener Organspender.</p>
<p>Bei den über 600 Zellverpflanzungen im Ausland stammte das  implantierte Gewebe meist aus abgetriebenen menschlichen Embryonen oder,  in einigen wenigen Fällen, von Schweinen. Moderaten Verbesserungen bei  der Mehrzahl der Patienten stand dabei eine beträchtliche Zahl von  Versuchsteilnehmern mit gravierenden Bewegungsstörungen gegenüber, die  teilweise erst nach einer zweiten Operation verschwanden.</p>
<p>Das in Deutschland erprobte Verfahren, das die kalifornische  Firma <a href="http://www.titanpharm.com/">Titan Pharmaceuticals</a> entwickelt hat und Schering zur Marktreife führen will, wurde zunächst  in einem kleinen Vorversuch getestet: Bei sechs Patienten hatte die  Transplantation die Beweglichkeit um durchschnittlich 40 Prozent erhöht,  die Verbesserung hatte über mehr als zwei Jahre angehalten. Darum folgt  nun ein größerer Therapieversuch mit 68 Patienten in Europa und den  USA, von denen zwölf bereits behandelt worden sind. Die meisten der  europäischen Probanden will man an den Universitätskliniken Köln und  Heidelberg operieren. Das nur bohnengroße Zielgebiet tief im Mittelhirn  steuern die Teams der Neurochirurgen Volker Sturm und Volker Tronnier  dabei mit einer Hohlnadel an, deren Pfad anhand detailreicher Bilder von  einem Computer errechnet wird. In jeder Hirnhälfte legen die Chirurgen  etwa 325 000 Netzhautzellen ab. Allerdings wird mit Einverständnis der  Patienten nur jeder zweite von ihnen tatsächlich implantiert. Wen das  Los dazu bestimmt, der bekommt eine Scheinoperation: In seinen Schädel  wird zwar ein Loch gebohrt, aber dann keine Hohlnadel mehr ins Gehirn  geschoben.</p>
<p>Dieses für eine OP-Technik unübliche Verfahren soll  sicherstellen, dass man später etwaige Fortschritte auseinander halten  kann, die durch die Zellen und durch die intensive Betreuung der  Versuchsteilnehmer ausgelöst werden. Die Planer der Studie halten dieses  Verfahren für notwendig: Vor einigen Jahren hatten die ersten derart  kontrollierten Versuche die Euphorie über die Implantation von  Embryo-Zellen gedämpft.</p>
<p>Wird der jetzige Versuch mit den Netzhautzellen zum Erfolg,  dürfte das Ergebnis auch die Debatte um die Nutzung von Stammzellen  beeinflussen. Seit Jahren nämlich wird die Parkinsonsche Schüttellähmung  als Paradebeispiel dafür präsentiert, welche Heilerfolge mit  embryonalen Stammzellen möglich sein könnten. Die Gegner der  uneingeschränkten Forschung, die in Deutschland in der Mehrheit sind,  werden es mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen, dass deutsche Forscher  maßgeblich beteiligt sind an einem Versuch, das ethisch umstrittene  Rohmaterial entbehrlich zu machen.</p>
<p><em>(Erschienen in der Süddeutschen Zeitung)</em></p>
<p><strong>Weitere Informationen:</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://simmformation.michaelsimm.de/2009/10/warnung-vor-stammzelltherapie-mit-adulten-zellen/">Warnung vor Stammzelltherapie mit adulten Zellen</a></li>
<li><a href="http://simmformation.michaelsimm.de/Stichwort/parkinson/">Alle   Artikel über die Parkinson-Krankheit bei Simmformation v7</a></li>
</ul>
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		<title>Frische Zellen gegen die Schüttellähmung</title>
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		<comments>http://simmformation.michaelsimm.de/1999/08/frische-zellen-gegen-die-schuttellahmung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 10 Aug 1999 17:24:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MSimm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gehirn & Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Pharma, Gen- und Biotech]]></category>
		<category><![CDATA[Parkinson]]></category>
		<category><![CDATA[Stammzellen]]></category>
		<category><![CDATA[Zelltransplantation]]></category>

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		<description><![CDATA[Ob Herz oder Niere, längst ist die Organtransplantation zur Routine geworden. Nur das Gehirn stellte die Medizin bisher vor scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten. Dabei gelangen Wissenschaftlern schon in den 80er Jahren beeindruckende Erfolge mit der Verpflanzung von Nervenzellen bei Ratten, die an einer Parkinson-ähnlichen Krankheit litten. Tiere, die sich zuvor hilflos im Kreis gedreht hatten, gewannen [...]]]></description>
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		<div style="clear:both;"></div><p>Ob Herz oder Niere, längst ist die Organtransplantation zur Routine  geworden. Nur das Gehirn stellte die Medizin bisher vor scheinbar  unüberwindliche Schwierigkeiten. Dabei gelangen Wissenschaftlern schon  in den 80er Jahren beeindruckende Erfolge mit der Verpflanzung von  Nervenzellen bei Ratten, die an einer Parkinson-ähnlichen Krankheit  litten. Tiere, die sich zuvor hilflos im Kreis gedreht hatten, gewannen  ihre ursprüngliche Bewegungsfähigkeit zurück oder drehten sich zumindest  deutlich langsamer. Allerdings waren die Spenderzellen für die  Tierversuche aus dem Gewebe abgetriebener Rattenembryonen gewonnen  worden.</p>
<p>Da die Umsetzung dieser Strategie beim Menschen große ethische  Probleme bereitet, versuchte man zunächst, Gewebe aus dem  Nebennierenmark von Parkinsonpatientenzu entnehmen und in die  geschädigten Hirnregionen zu transplantieren. Bis 1989 wurden weltweit mehr als 300 solcher Eingriffe vorgenommen, jedoch führte dies nur bei  einem Drittel der Kranken zu einer leichten Verbesserung der  Bewegungsstörungen in den ersten neun Monaten. Den bei  Parkinsonpatienten fehlenden Botenstoff Dopamin konnten die Zellen aus  der Niere offenbar nicht ersetzen.</p>
<p>Hirngewebe aus abgetrieben menschlichen Embryonen implantierte  1987 erstmals ein Ärzteteam aus Mexico City bei einem  Parkinsonpatienten. Ähnliche Eingriffe gab es seitdem rund 250 Mal,  wobei die Arbeitsgruppe um <a href="http://www.med.lu.se/expmed/neurobiology/members/anders_bjoerklund">Anders Björklund</a> an der schwedischen  Universität Lund besonders erfolgreich war. Die transplantierten Zellen  übernehmen die Aufgabe abgestorbenen Gewebes in der Hirnregion der  Substantia nigra und sie überleben dort mindestens ein halbes Jahr nach  dem Eingriff.</p>
<p>In den letzten zehn Jahren hat Björklund mindestens 16 Patienten  behandelt, darunter auch zwei Deutsche. Für die Entnahme der Zellen  hatte die schwedische Regierung eigens ein Gesetz erlassen. Durch die  vollständige Trennung von legalen Abtreibungen und Zelltransplantationen  soll verhindert werden, dass Embryonen als Organspender missbraucht  werden. Auch die europäische Expertenkommission <a href="http://www.nectar-org.eu/">Nectar (Network on  European CNS Transplantation and Restoration)</a> hat Richtlinien  verabschiedet, die eine strikte Trennung zwischen  Schwangerschaftsabbruch und Gewebegewinnung vorschreiben. Die mögliche  Nutzung von Gewebe darf also keinerlei Einfluss auf die Entscheidung der  Frau haben.</p>
<p>In den Vereinigten Staaten ist die staatliche Förderung  derartiger Experimente derzeit verboten. Renommierte  Forscher wie <a href="http://www.uchsc.edu/clinicalpharm/faculty/freed.html">Curt Freed</a> von der University of Colorado haben dennoch  zahlreiche Patienten behandelt, die an der Parkinson´schen Krankheit  litten. Das Geld dafür wurde Freed von privaten Spendern und  Biotechfirmen bereitgestellt. Zwar sind die Ergebnisse von Freeds  Arbeiten größtenteils noch unveröffentlicht, doch konnte er auf einer  Fachkonferenz im Frühjahr 1999 zumindest berichten, daß ein Teil der  jüngeren Patienten von der Behandlung profitiert.</p>
<p>In Deutschland gelten die Richtlinien der <a href="http://www.zentrale-ethikkommission.de/">Zentralen  Ethikkommission bei der Bundesärztekammer</a> zur Übertragung von  Nervenzellen in das Gehirn von Menschen. Darin werden „erhebliche  Bedenken&#8221; gegen Heilversuche und klinische Studien zum gegenwärtigen  Zeitpunkt vorgebracht und ein Versuchsstopp empfohlen, bis die  Grundlagenforschung weiter fortgeschritten ist. Einen möglichen Ausweg  aus dem ethischen Dilemma sehen Björklund, Freed und andere  Wissenschaftler darin, Nervenzellen im Labor zu züchten oder von Tieren  zu gewinnen. <a href="http://intra.ninds.nih.gov/lab.asp?org_id=25">Ron McKay</a> vom Nationalen Schlaganfallinstitut der USA ist  es bereits gelungen, die Zahl embryonaler Rattenzellen in Kulturschalen  zu verzehnfachen und mit diesen Zellen erwachsene Tiere erfolgreich zu  behandeln. Im Herbst vergangenen Jahres verpflanzte Freed klonierte  Kuhzellen auf parkinsonkranke Ratten. Wenig später fanden Forscher der  Universitäten Lund und Konstanz einen Trick, um die Haltbarkeit  embryonaler Zellen nach der Transplantation zu verbessern. Ihnen gelang  es, ein Enzym auszuschalten, welches kurz nach der Transplantation einen  Großteil des verpflanzten Gewebes zerstört. Der Anteil überlebender  Zellen konnte so in Ratten auf das Vierfache gesteigert werden.</p>
<p>Mit embryonalen Schweinezellen versucht die amerikanische  Biotechfirma <a href="http://www.genzyme.com/">Genzyme</a> die Versorgungslücke zu schließen. Erste Versuche  seien sowohl bei 12 Parkinsonpatienten als auch bei 12 Patienten mit  Chorea Huntington ermutigend verlaufen, teilte die Firma im April 1999  mit. Im Februar diesen Jahres hat Genzyme ähnliche Experimente in  Großbritannien beantragt, meldete der Nachrichtensender BBC. Allerdings  hat der Europarat kürzlich ein Moratorium für die Verpflanzung  tierischer Organe auf den Menschen gefordert. Es sei nicht  ausgeschlossen, dass dabei Krankheitserreger verschleppt oder gar neue  Seuchen verursacht werden.</p>
<p>Ohne embryonales Gewebe und ohne tierische Zellen behandelte  <a href="http://www.neurosurgery.pitt.edu/faculty/kondziolka.html">Douglas Kondziolka</a> vom Center for Image-Guided Neurosurgery der  University of Pittsburgh bisher neun Patienten, die einen Schlaganfall  erlitten hatten. Kondziolka nutzte Zellen, die ursprünglich aus einem Tumor  gewonnen und durch Zugabe von Vitamin A dauerhaft in Nervenzellen  verwandelt wurden. Lizenznehmer ist die Firma Layton Bioscience welche  die „gezähmten&#8221; Tumorzellen in ihren Katalogen zum Versand anbietet.  Ihre Bewährungsprobe haben die so genannten hNT-Neuronen bereits  bestanden, wie Kondziolka im Februar 1999 auf einer Fachtagung der  American Heart Association berichtet hat: Alle Operationen die jeweils  etwa ein halbes Jahr nach dem Schlaganfall erfolgten, seien  unproblematisch und sicher gewesen, berichtete der Neurochirurg.  Bereits 24 Stunden nach dem Eingriff konnten die Patienten die Klinik  verlassen. Drei von ihnen vermeldeten „geringfügige Verbesserungen der  Beweglichkeit&#8221;, doch ist laut Kondziolka unklar, ob dieser Erfolg dem  Eingriff selbst oder anderen Faktoren zu verdanken ist.</p>
<p>Forschern der kanadischen Firma NeuroSpheres Limited ist es sogar  schon gelungen, mit Nervenstammzellen Mäuse zu retten, die eine  normalerweise tödliche Strahlendosis erhalten hatten. Wie Christopher  R.R. Bjornsen und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „Science&#8221;  berichteten (Band 283, S. 534, 1999), wanderten die transplantierten  Stammzellen ins Rückenmark und übernahmen dort die Herstellung aller  Arten von Blutzellen.</p>
<p>In Fachkreisen haben derartige Versuche große Begeisterung  hervorgerufen, berichtete <a href="http://www.sanfordburnham.org/default.asp?contentID=204">Evan Snyder</a> vom Children´s Hospital in Boston  im Januar 1999 auf der Jahrestagung der US-Gesellschaft zur Förderung  der Wissenschaften (AAAS) in Anaheim. Snyder, der selbst zu den  erfolgreichsten Forschern auf diesem Gebiet zählt, verglich die  neuronalen Stammzellen mit Saatgut, das die Löcher in einem kaputten  Rasen stopfen könnte. Menschliche Nervenstammzellen, die Evans auf Mäuse  mit verschiedenen Arten von Hirnschäden transplantierte, wanderten  selbstständig dorthin, wo sie gebraucht wurden. Am Unfallort reiften sie  dann zu exakt den Zelltypen heran, die am dringendsten benötigt wurden  und nahmen Kontakt zu intakten Nachbarzellen auf. „Ich denke, wir haben  jetzt eine Alternative zur Transplantation embryonaler menschlicher  Zellen gefunden&#8221;, sagte Snyder. Ausreichende finanzielle Mittel  vorausgesetzt können die Erprobung der Technik bereits in zwei Jahren  beginnen.</p>
<p><strong>Weitere Informationen:</strong></p>
<ul>
<li> <a href="../Stichwort/stammzellen/">Alle  Artikel über Stammzellen bei Simmformation v7</a></li>
<li><a href="../Stichwort/parkinson/">Alle   Artikel über die Parkinson-Krankheit bei Simmformation v7</a></li>
</ul>
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